Gestern haben wir die geistliche Auferstehung bzw. die erste Auferstehung in den Blick genommen. Dieses Thema braucht nun nicht mehr mir einer weiteren Betrachtung vertieft zu werden, denn es ist der tägliche Weg des Glaubens, verbunden mit dem Streben nach Heiligkeit. Es begleitet uns das ganze Leben hindurch und ich versuche, durch Ansprachen, Meditationen und Vorträge den Gläubigen und suchenden Menschen Hilfe zu geben.
Was aber noch zu diesen Betrachtungen nach der Auferstehung des Herrn gehört, ist der Blick auf die Ewigkeit. Für die treugebliebenen Gläubigen wird sie der Himmel sein, die vollständige Vereinigung mit Gott in der Anschauung seiner Herrlichkeit.
Es wäre ja sehr unklug, dieses wunderbare Ziel aus den Augen zu verlieren, auf das wir unterwegs sind. Es ist weit herrlicher, als wir es uns vorstellen können, und es sollte uns in seiner Schönheit anziehen. Auch werden wir bei der Betrachtung der Herrlichkeit des Himmels nicht etwa weltfremd, »abgehoben« oder flüchten aus der Realität. All das sind falsche Vorstellungen. Im Gegenteil: Mit der Vorfreude auf den Himmel sollte sich der Eifer verstärken, unserer Berufung auf der Erde nachzukommen, um Gott zu verherrlichen und den Menschen zu dienen.
Der Römische Katechismus schreibt über die Seligkeit des Himmels:
“Die eigentliche Seligkeit, die wir mit dem gebräuchlichen Ausdruck als »wesentliche Seligkeit« bezeichnen wollen, besteht in der Anschauung Gottes und im genußvollen Auskosten der Schönheit dessen, der da ist die Quelle und der Urgrund aller Wesensgüte und Vollkommenheit.
»Das ist das ewige Leben,« spricht Christus der Herr, »daß sie Dich erkennen, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesus Christus« (Joh 17, 3). Zu diesem Wort gibt der hl. Johannes gleichsam den Kommentar, wenn er sagt: »Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir einst sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Doch wir wissen, wenn es einmal offenbar wird, werden wir ihm ähnlich sein, denn wir werden ihn schauen, wie er ist« (1 Joh 3,2).
Damit deutet er an, daß die Seligkeit wesentlich in diesen zwei Tatsachen besteht: Einmal, daß wir Gott schauen werden, wie Er nach seiner Natur und Wesenheit ist; und dann, daß wir selbst gleichsam vergöttlicht werden.”
Der höchste Lohn, oder besser gesagt das größte Geschenk, das Gott für uns bereitet hat, ist die Anschauung seiner selbst. Nichts kann dies übertreffen, und alles andere sind wunderbare Zugaben seiner Liebe. Doch ihn zu schauen, ist das Eintreten in das innere Wesen Gottes. Ihn zu erkennen, wie er ist, ist somit das Höchste, was uns geschehen kann – zumal dies für immer so sein wird. Dazu braucht es zuvor unsere vollständige Reinigung damit wir dieses Licht auch aufnehmen können. Manche sehr begnadete Mystiker durften von dieser »unendlichen Süßigkeit Gottes« schon hier auf Erden kosten und ihre Berichte darüber fließen über von Liebe.
Weiter schreibt der Katechismus:
“Soll also Gott wesenhaft von uns erkannt werden, so bleibt nur der eine Weg übrig, daß Gottes Wesen selbst sich mit uns verbindet, unsere Erkenntniskraft in geheimnisvoller Weise hoch über sich erhebt und uns so instand setzt, Ihn in seiner wesenhaften Schönheit zu schauen.
Dieses nun wird uns ermöglicht durch das Licht der Glorie, dann nämlich, wenn wir, durch diese Lichtflut erleuchtet, Gott, das wahre »Licht in seinem Lichte schauen« (Ps 35,10) werden; denn die Seligen »schauen Gott immerdar von Angesicht zu Angesicht« (Mt 18,10). Durch diese größte und herrlichste aller Gnadengaben nehmen sie teil an Gottes Wesenheit und besitzen so gerade die eigentliche und vollkommene Seligkeit. All das ist einfachhin übernatürlich; kein Wort reicht aus, es vollständig zu erklären, kein Gedanke, es ganz zu erfassen. Mit einem Wort: die höchste, nicht mehr zu überbietende Seligkeit, die wir als die wesentliche bezeichnen, muß im Besitz Gottes gesehen werden. Was könnte denn auch dem am vollen Glück noch fehlen, der Gott, den Inbegriff aller Güte und Vollkommenheit, sein eigen nennt!”
Wenn wir hören, was uns der Katechismus in dieser schönen Lehre über die Herrlichkeit der Anschauung Gottes sagt, und versuchen, es in einfachen Worten zusammenzufassen, dann könnten wir es etwa so sagen:
In der Anschauung Gottes begegnen wir der Liebe selbst. Sie hat uns geschaffen, erlöst, und zu dem Zustand der Vollkommenheit geführt. Jetzt begegnen wir ihr nicht mehr verhüllt, sondern können die göttliche Liebe in dem von Gott vorgesehenen Maß aufnehmen. Es gibt keinerlei Hindernisse mehr.
Diese göttliche Liebe entflammt uns nun so vollständig und durchdringt unsere geläuterte menschliche Natur so sehr, daß wir mit ihr vereinigt werden. Diese Vereinigung mit Gott wird auch die Vergöttlichung des Menschen genannt. Dabei muß klar bleiben, daß wir Menschen unsere menschliche Natur behalten werden und nicht etwa eine göttliche Natur erhalten.
Morgen setzen wir das Thema fort.
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/die-apostelgeschichte-apg-534-42-der-rat-des-gamaliel/#more-17356
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/die-zeichen-jesu-richtig-verstehen/#more-6387
