25. Tag: »Jesu Umgang mit der Sünderin«      

Neben der langen Lesung (Dan 13,1–9.15–17.19–30.33–62), die uns die Errettung Susannas, der Frau des Joakim, aus der Hand zweier verwerflicher Richter erzählt, die sie lügnerisch eines sittlichen Vergehens beschuldigten, schildert uns das heutige Evangelium eine ungemein lehrreiche Begebenheit (Joh 8,1–11).

Wie geht Jesus mit der Schuld einer Frau um, die Ehebruch begangen hat? Die Schriftgelehrten und Pharisäer führten eine solche Frau zu Jesus und sagten: “Meister, diese Frau ist beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt worden. Nun hat uns Mose im Gesetz befohlen, eine solche Frau zu steinigen. Was sagst Du dazu?(Joh 8,4–5)

Offensichtlich ging es den Anklägern nicht darum, eine Weisung von Jesus zu bekommen, sondern sie wollten einen Grund zur Anklage gegen ihn finden. Trotzdem schenkte Jesus uns eine tiefgehende Weisung für eine solche Situation. Zunächst gab er ihnen keine Antwort, dann aber kommt jene wegweisende Antwort, die tief in uns eindringen soll und unser ganzes Leben bestimmen kann: “Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!(Joh 8,7b). Dies sagt er zu jenen Pharisäern und Schriftgelehrten, die dastanden und eine Antwort von ihm erheischten. Einer nach dem anderen, angefangen bei den Ältesten, ging nach diesem Wort des Herrn fort. Niemand erhob einen Stein!

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24. Tag: » Gottes Führung dankbar annehmen und den Herrn bezeugen«

Heute begegnen wir in der Lesung (Num 20,1–3.6–13) einem Aufbegehren der Söhne Israels in der Wüste Zin. Sie waren schon bald vierzig Jahre unterwegs und unzufrieden mit den Umständen. Nun murrten sie gegen Mose und Aaron und gerieten in Streit mit ihnen. Sie beklagten sich über den elenden Ort Kadesch, vermißten Korn und Feigen, Granatäpfel und Wein. Offensichtlich hatten sie das Vertrauen verloren und verlangten von ihren Führern, sie sollten ihnen Wasser zum Trinken geben. Diese warfen sich vor dem Herrn nieder und beteten: “Herr und Gott, erhöre das Geschrei dieses Volkes und öffne ihnen Deine Schatzkammern, einen Quell lebendigen Wassers, daß sie sich satt trinken und ihr Murren aufhöre (Num 20,6)!

“Gott erhörte ihr Gebet und sprach zu Mose: Nimm deinen Stab; dann versammelt die Gemeinde, du und dein Bruder Aaron, und sagt vor ihren Augen zu dem Felsen, er solle sein Wasser fließen lassen. Auf diese Weise wirst du für sie Wasser aus dem Felsen fließen lassen und ihnen und ihrem Vieh zu trinken geben. Mose holte den Stab von seinem Platz vor dem Herrn, wie der Herr ihm befohlen hatte. Mose und Aaron riefen die Versammlung vor dem Felsen zusammen und Mose sagte zu ihnen: Hört, ihr Meuterer, können wir euch wohl aus diesem Felsen Wasser fließen lassen? Dann hob er seine Hand hoch und schlug mit seinem Stab zweimal auf den Felsen. Da kam Wasser heraus, viel Wasser, und die Gemeinde und ihr Vieh konnten trinken (Num 20,7-11)

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23. Tag: »Die Teufel nicht reden lassen«      

Heute ist der dreiundzwanzigste Tag unseres Fastenwegs. Werfen wir zunächst zur Erinnerung unseren Blick auf die »Blumen« des 12. bis 22. Tages.

  1. Tag: Mit der Gabe der Sexualität so umgehen, wie Gott es vorgegeben hat, und jede Form von Unzucht meiden.
  2. Tag: Eine »Sühneblume« – den Weg der Heiligung besonders als Sühne für die unzähligen Sünden und Beleidigungen Gottes, für den Unglauben und für das Unrecht an Menschen zu gehen.
  3. Tag: Gott immer und in allen Situationen vertrauen, und ihn den ersten Platz in unserem Leben einnehmen lassen. Der wahren Lehre der Kirche treu bleiben und entsprechend leben. Die Versuchungen zum Stolz überwinden, im Dienst für Gott und den Nächsten.
  4. Tag: Eine »Friedensblume«.
  5. Tag: Gott möge uns ein vertrauendes neues Herz schenken, das ihm gehört!
  6. Tag: Die Bitte an Gott um ein neues Herz.
  7. Tag: Erbitten wir die Bereitschaft, ohne Angst und Verdrängung den eigenen Schatten wahrzunehmen, das Böse also, das von innen kommt, zu erkennen und sich zuzugeben.

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22. Tag: »Die Gottesfurcht«      

Heute sind wir am 22. Tag unseres Fastenpfads angekommen. Vielleicht hat der ein oder andere die »geistigen Blumen« gesammelt, die ich nach jeder Betrachtung benannt habe. Es ist inzwischen schon ein recht großer Strauß daraus geworden, der uns dabei helfen soll, den roten Faden durch diese Fastenzeit zu finden. Ich möchte noch einmal daran erinnern, daß ich die uns begleitenden Texte aus den Lesungen des Alten Ritus verwendet habe. Die meisten von Euch werden den Neuen Ritus gewohnt sein. Deshalb geben wir die biblischen Stellen an, damit Ihr die Texte, die ich meist nur auszugsweise zitiere, als Ganzes lesen könnt.

Eine kurze »Blumenschau« wird uns helfen, uns an die Vorsätze zu erinnern, die wir in dieser ersten Hälfte der Fastenzeit gefaßt haben. Heute werden wir die Blumen der ersten elf Tage aufzählen und morgen mit denen der nächsten elf Tage fortfahren.

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21. Tag: »Vergebungsbereitschaft«      

Nach dem kleinen Exkurs über einen Weg zur tieferen Herzensbekehrung, kehre ich wieder zu den Texten im Alten Ritus zurück, die uns auf diesem Fastenweg begleiten. Zuvor möchte ich noch ein Herzensanliegen mit Euch teilen. Es ist ein Gebet, welches ich geschrieben habe, um der Bemühung um den wahren Frieden noch einen äußeren Ausdruck zu geben. Ich wäre dankbar, wenn viele Menschen, die meine Ansprachen hören, sich dem Gebet anschließen und es mit uns beten würden.

Geliebter Vater, wir bitten um den Frieden,
der aus Deinem Herzen kommt,
die Herzen der Menschen berührt und verwandelt,
sodaß sich Dein Reich auf der ganzen Erde ausbreite.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Herrn! Amen.

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20. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil III

Dieser kleine Exkurs, der uns die Wichtigkeit der Bekehrung des Herzens vor Augen stellen will, soll uns helfen, unsere Bemühungen um ein reines Herz auch in einer übergeordneten geistlichen Dimension zu verstehen. Es ist der Heilige Paulus, der uns deutlich macht, daß wir zu kämpfen haben “gegen die Fürsten und Gewalten, […] gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs” (Eph. 6,12). Diese bedienen sich unserer bösen menschlichen Neigungen, um sie zu verstärken. Verfinstert sich unser Herz, dann ist es für diese Kräfte leicht, uns in ihren Widerstand gegen Gott einzubinden oder uns zumindest für den wahren Kampf gegen sie zu schwächen und unfähig zu machen.

Ein Herz jedoch, das durch die Hilfe des Heiligen Geistes immer reiner wird und in dem die Gnade Gottes wirkt, ist für sie unerträglich. Denken wir an das reine Herz der Jungfrau Maria, vor dem sie fliehen! Hinzu kommt, daß ein solches Herz immer stärker in der Liebe zu Gott und den Menschen entzündet wird und sich völlig in den Dienst des himmlischen Vaters stellt. Das bedeutet, den Kampf gegen alles aufzunehmen, was die Ehre Gottes beflecken will, und das Evangelium zu den Menschen zu tragen. Dies wiederum schwächt die Kraft des Teufels, sodaß jedes reine Herz für ihn zu einer Bedrohung wird, da es sich nicht nur seinen Machenschaften entzieht, sondern in der Kraft des Herrn gegen sie vorgeht. Auf dieser Ebene nun können wir – in dem Rahmen, der uns gegeben ist – unseren Platz im »Heer des Lammes« einnehmen und durch unser Gebet und den Weg der Heiligkeit daran mitwirken, daß der Friede Christi zu den Menschen kommt und die Macht seiner Liebe die Finsternis vertreibt.

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19. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil II     

Auf unserem Fastenpfad haben wir einen Einschub vollzogen, der sich mit dem Thema der Herzensbekehrung beschäftigt. Ich halte dies aus zwei Gründen für angebracht. Einerseits soll unsere Bekehrung in der Nachfolge des Herrn immer tiefer gehen, damit wir im Dienst unseres geliebten Vaters so fruchtbar wie möglich werden und auf unserem Weg der Nachfolge Christi nicht stehenbleiben. Andererseits sollten wir eine tiefere Herzensbekehrung auch als geistliche Waffe im Kampf gegen den Unfrieden und die Kriege verstehen lernen. Auf diesen Punkt werde ich im Rahmen unseres kleinen Exkurses noch genauer eingehen, weil hier besonders der Bereich “der bösen Geister unter dem Himmel (Eph 6,12b) in den Blick genommen wird, die immer bereit sind, die bösen Neigungen des Menschen auszunutzen und zu verstärken, um sie für ihre Pläne des Unheils nutzbar zu machen.

Schauen wir also nochmals auf den Weg zur Umkehr des Herzens:

Mit der Bereitschaft, die eigenen Tiefen vor dem liebenden Herrn wahrzunehmen, erwächst ein doppelter Realismus: Man erkennt sowohl die dunkle Seite in sich, gleichzeitig begegnet man aber der Barmherzigkeit Gottes. So verstehen wir, daß uns Gott nicht wegen der Unreinheit, die aus dem Herzen kommt, zurückweist oder straft, sondern daß sich seine Liebe auf den Weg gemacht hat, Licht in die Finsternis zu bringen (vgl. Joh 1,5a).

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