23. Tag: »Die Teufel nicht reden lassen«      

Heute ist der dreiundzwanzigste Tag unseres Fastenwegs. Werfen wir zunächst zur Erinnerung unseren Blick auf die »Blumen« des 12. bis 22. Tages.

  1. Tag: Mit der Gabe der Sexualität so umgehen, wie Gott es vorgegeben hat, und jede Form von Unzucht meiden.
  2. Tag: Eine »Sühneblume« – den Weg der Heiligung besonders als Sühne für die unzähligen Sünden und Beleidigungen Gottes, für den Unglauben und für das Unrecht an Menschen zu gehen.
  3. Tag: Gott immer und in allen Situationen vertrauen, und ihn den ersten Platz in unserem Leben einnehmen lassen. Der wahren Lehre der Kirche treu bleiben und entsprechend leben. Die Versuchungen zum Stolz überwinden, im Dienst für Gott und den Nächsten.
  4. Tag: Eine »Friedensblume«.
  5. Tag: Gott möge uns ein vertrauendes neues Herz schenken, das ihm gehört!
  6. Tag: Die Bitte an Gott um ein neues Herz.
  7. Tag: Erbitten wir die Bereitschaft, ohne Angst und Verdrängung den eigenen Schatten wahrzunehmen, das Böse also, das von innen kommt, zu erkennen und sich zuzugeben.

Weiterlesen

22. Tag: »Die Gottesfurcht«      

Heute sind wir am 22. Tag unseres Fastenpfads angekommen. Vielleicht hat der ein oder andere die »geistigen Blumen« gesammelt, die ich nach jeder Betrachtung benannt habe. Es ist inzwischen schon ein recht großer Strauß daraus geworden, der uns dabei helfen soll, den roten Faden durch diese Fastenzeit zu finden. Ich möchte noch einmal daran erinnern, daß ich die uns begleitenden Texte aus den Lesungen des Alten Ritus verwendet habe. Die meisten von Euch werden den Neuen Ritus gewohnt sein. Deshalb geben wir die biblischen Stellen an, damit Ihr die Texte, die ich meist nur auszugsweise zitiere, als Ganzes lesen könnt.

Eine kurze »Blumenschau« wird uns helfen, uns an die Vorsätze zu erinnern, die wir in dieser ersten Hälfte der Fastenzeit gefaßt haben. Heute werden wir die Blumen der ersten elf Tage aufzählen und morgen mit denen der nächsten elf Tage fortfahren.

Weiterlesen

21. Tag: »Vergebungsbereitschaft«      

Nach dem kleinen Exkurs über einen Weg zur tieferen Herzensbekehrung, kehre ich wieder zu den Texten im Alten Ritus zurück, die uns auf diesem Fastenweg begleiten. Zuvor möchte ich noch ein Herzensanliegen mit Euch teilen. Es ist ein Gebet, welches ich geschrieben habe, um der Bemühung um den wahren Frieden noch einen äußeren Ausdruck zu geben. Ich wäre dankbar, wenn viele Menschen, die meine Ansprachen hören, sich dem Gebet anschließen und es mit uns beten würden.

Geliebter Vater, wir bitten um den Frieden,
der aus Deinem Herzen kommt,
die Herzen der Menschen berührt und verwandelt,
sodaß sich Dein Reich auf der ganzen Erde ausbreite.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Herrn! Amen.

Weiterlesen

20. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil III

Dieser kleine Exkurs, der uns die Wichtigkeit der Bekehrung des Herzens vor Augen stellen will, soll uns helfen, unsere Bemühungen um ein reines Herz auch in einer übergeordneten geistlichen Dimension zu verstehen. Es ist der Heilige Paulus, der uns deutlich macht, daß wir zu kämpfen haben “gegen die Fürsten und Gewalten, […] gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs” (Eph. 6,12). Diese bedienen sich unserer bösen menschlichen Neigungen, um sie zu verstärken. Verfinstert sich unser Herz, dann ist es für diese Kräfte leicht, uns in ihren Widerstand gegen Gott einzubinden oder uns zumindest für den wahren Kampf gegen sie zu schwächen und unfähig zu machen.

Ein Herz jedoch, das durch die Hilfe des Heiligen Geistes immer reiner wird und in dem die Gnade Gottes wirkt, ist für sie unerträglich. Denken wir an das reine Herz der Jungfrau Maria, vor dem sie fliehen! Hinzu kommt, daß ein solches Herz immer stärker in der Liebe zu Gott und den Menschen entzündet wird und sich völlig in den Dienst des himmlischen Vaters stellt. Das bedeutet, den Kampf gegen alles aufzunehmen, was die Ehre Gottes beflecken will, und das Evangelium zu den Menschen zu tragen. Dies wiederum schwächt die Kraft des Teufels, sodaß jedes reine Herz für ihn zu einer Bedrohung wird, da es sich nicht nur seinen Machenschaften entzieht, sondern in der Kraft des Herrn gegen sie vorgeht. Auf dieser Ebene nun können wir – in dem Rahmen, der uns gegeben ist – unseren Platz im »Heer des Lammes« einnehmen und durch unser Gebet und den Weg der Heiligkeit daran mitwirken, daß der Friede Christi zu den Menschen kommt und die Macht seiner Liebe die Finsternis vertreibt.

Weiterlesen

19. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil II     

Auf unserem Fastenpfad haben wir einen Einschub vollzogen, der sich mit dem Thema der Herzensbekehrung beschäftigt. Ich halte dies aus zwei Gründen für angebracht. Einerseits soll unsere Bekehrung in der Nachfolge des Herrn immer tiefer gehen, damit wir im Dienst unseres geliebten Vaters so fruchtbar wie möglich werden und auf unserem Weg der Nachfolge Christi nicht stehenbleiben. Andererseits sollten wir eine tiefere Herzensbekehrung auch als geistliche Waffe im Kampf gegen den Unfrieden und die Kriege verstehen lernen. Auf diesen Punkt werde ich im Rahmen unseres kleinen Exkurses noch genauer eingehen, weil hier besonders der Bereich “der bösen Geister unter dem Himmel (Eph 6,12b) in den Blick genommen wird, die immer bereit sind, die bösen Neigungen des Menschen auszunutzen und zu verstärken, um sie für ihre Pläne des Unheils nutzbar zu machen.

Schauen wir also nochmals auf den Weg zur Umkehr des Herzens:

Mit der Bereitschaft, die eigenen Tiefen vor dem liebenden Herrn wahrzunehmen, erwächst ein doppelter Realismus: Man erkennt sowohl die dunkle Seite in sich, gleichzeitig begegnet man aber der Barmherzigkeit Gottes. So verstehen wir, daß uns Gott nicht wegen der Unreinheit, die aus dem Herzen kommt, zurückweist oder straft, sondern daß sich seine Liebe auf den Weg gemacht hat, Licht in die Finsternis zu bringen (vgl. Joh 1,5a).

Weiterlesen

18. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil I

Wie in meiner letzten Betrachtung angekündigt, schiebe ich in unseren Fastenweg einen kleinen Exkurs über die Bekehrung des Herzens ein. Zum einen ergibt sich dieses Thema aus den wiederkehrenden biblischen Texten, die die Abkehr des Herzens von Gott beschreiben und auch deutlich das Böse benennen, das im menschlichen Herzen zu finden ist. Zum anderen ist eine Vertiefung dieses Themas auch angesichts der Kriege angebracht, die derzeit auf der Welt nicht zur Ruhe kommen und nun leider auch wieder die Menschen im Mittleren Osten in Mitleidenschaft ziehen. Das betrifft sehr zentral Israel, das Land, in welchem Jesus das Werk der Erlösung vollbracht hat.

Ich betrachte es nicht als meine Aufgabe, im Rahmen dieses Fastenweges die politischen, sozialen und religiösen Hintergründe dieses Konfliktes zwischen Israel und dem Iran besonders zu erläutern. Doch die Frage bewegt mich, was wir als Jünger des Herrn tun können, um dem Geist des wahren Friedens, der von Gott kommt, zu dienen und ihn in solch bedrohlichen Situationen gewissermaßen aktivieren zu können.

Weiterlesen

17. Tag: »Die Abgründe des Herzens«   

Die Lesungen des heutigen Tages konfrontieren uns sehr konkret mit den Tiefen des menschlichen Herzens und mit den bösen Taten, die aus ihm hervorgehen. Wir hören zunächst einen Teil der Geschichte von Joseph und seinen Brüdern (Gen 37,6–22). Josephs Brüder merkten, daß ihr Vater Jakob Joseph am meisten liebte. Er war es, der ihrem Vater hinterbrachte, was sie Böses taten, als sie die Schafe und Ziegen weideten. Darum “haßten sie ihn und konnten mit ihm kein gutes Wort mehr reden (Gen 37,4). Ihr Herz wurde immer finsterer, und als ihnen Joseph arglos zwei prophetische Träume erzählte, die darauf hinwiesen, daß sie sich eines Tages vor ihm verneigen würden, steigerte dies ihre Eifersucht noch. Als sich eine günstige Gelegenheit bot, beschlossen sie, ihn zu töten. Nur einer der Brüder, Ruben, wollte ihn aus ihrer Hand retten und zu seinem Vater zurückbringen. Er erwirkte, daß sie ihn in eine Zisterne in der Steppe warfen und sein Blut nicht vergossen (Gen 37,22).

Gestern schon hatten wir über das Wort des Propheten Jeremia nachgedacht, daß unser Herz arglistig ist, und auch auf ein entsprechendes Wort des Herrn aufmerksam gemacht, daß das Böse aus unserem Herzen kommt (Mt 15,19). Heute wird uns das Beispiel der Familie Jakobs vor Augen gestellt. Die Brüder Josephs scheuten sich nicht, ihren Bruder sogar töten zu wollen. Der Brudermord reicht ja bis auf Kain und Abel zurück und durchzieht unsere ganze Menschheitsgeschichte. Es ist nicht so, daß die Menschen nur ihre Feinde hassen, sondern das Herz kann so verdorben sein, daß dem eigenen Bruder (und damit sind alle Menschen gemeint, die uns besonders nahestehen) Böses angetan wird.

Weiterlesen