Die leibliche Auferstehung von den Toten (II)

Wenden wir uns nun weiter der heilsamen Lehre von der Auferstehung zu. Sie ist so wesentlich, daß der Heilige Paulus deutlich macht: “Gibt es keine Auferstehung der Toten, dann ist auch Christus nicht auferstanden; ist aber Christus nicht auferstanden, dann ist nichtig unsere Predigt, nichtig auch unser Glaube” (1 Kor 15,13f).

Da unser katholischer Glaube uns das Licht der Wahrheit schenkt, ist er im tiefsten Sinn des Wortes heilsam. Nichts führt den Menschen tiefer zu seiner Bestimmung, als wenn er in der Gnade Gottes die Wahrheit erkennt und die Erlösung annimmt, welche ihm Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit in Christus Jesus anbietet. Wenn er in der Wahrheit lebt, dann wird ihn der himmlische Vater so formen, wie er ihn bei seiner Erschaffung vorgesehen hat. Dies wird sich in der Ewigkeit vollenden. Doch dürfen wir nicht verschweigen, daß der Mensch aus eigener Schuld sein Ziel verfehlen kann und dann für immer von der Anschauung Gottes mit den entsprechenden Qualen getrennt leben muß. Auch diese Lehre ist heilsam, weil sie uns aufwecken soll und uns unsere Verantwortung für das eigene Leben vor Augen stellt, damit wir uns für ein Leben in der Wahrheit entscheiden.

Was geschieht im Tod des Menschen? Die katholische Kirche lehrt:

Unmittelbar nach dem Hinscheiden findet das besondere Gericht statt, in dem durch einen göttlichen Urteilsspruch über das ewige Schicksal des Verstorbenen entschieden wird.

Im Tod trennen sich Seele und Leib. Das Gericht wird bereits vollzogen und die Seele befindet sich je nach dem Gerichtsurteil Gottes bereits bei Gott oder auf dem Weg zu ihm – am Ort der Reinigung – oder bleibt von ihm getrennt und ist der Qual der Hölle unterworfen. Der Leib verwest.

Da Gott uns Menschen mit Leib und Seele erschaffen hat, ist der Zustand der Getrenntheit von Seele und Leib nur bis zum Tag der allgemeinen Auferstehung der Toten vorgesehen. Dann wird der Leib wieder mit der Seele vereint, damit der Mensch wieder ganz hergestellt ist und als solcher an der Seligkeit des Himmels teilnimmt oder auch den Schmerz der Getrenntheit von Gott erleiden muß.

Der Römische Katechismus schenkt uns einen wunderbaren und auch tröstlichen Einblick, wie der Auferstehungsleib sein wird:

“Es wird aber der Leib nicht nur einfachhin wieder erstehen, sondern es soll ihm auch all das zurückgegeben werden, was zur vollkommenen Menschennatur und zu Schmuck und Zierde des Menschen gehört. Der heilige Augustinus (Vom Gottesstaat 22, 19 [vgl. Enchiridion 89 f]) hat dafür die schöne Stelle: »Nichts Mißgestaltetes wird dann am Leib noch zu finden sein. War jemand etwa zu stark beleibt, so wird er nicht die ganze ehemalige Körperfülle wiedererhalten. Was das Ebenmaß überschreitet, wird als Übermaß in Wegfall kommen. Und umgekehrt wird durch Christus in göttlicher Kraft alles wieder ersetzt werden, was Krankheit oder zunehmendes Alter am Körper aufgezehrt haben, wie etwa bei solchen, die durch Abzehrung überschmächtig wurden. Denn Christus wird uns nicht nur einfach den Leib zurückgeben, sondern auch all das, was uns durch des Lebens Not und Leid verlorenging.« Und an anderer Stelle sagt er: »Der Mensch wird nicht nur das Haupthaar wieder erhalten, wie er es [beim Tod] hatte, sondern wie es zu seinem vollen Schmuck gehört, nach dem Wort der Schrift: ,Alle Haare eures Hauptes sind gezählt´ (Mt 10,30) – insoweit sie nämlich nach göttlich weisem Plan [bei der Auferstehung] zurückgegeben werden sollen. «Weil aber vor allem die verschiedenen Glieder zur richtig beschaffenen Menschennatur gehören, werden auch sie in ihrer Vollzahl wiederhergestellt werden. Wer also des Augenlichts entbehrte, sei es, daß er es von Geburt an nicht hatte oder durch einen Unglücksfall verlor, wer lahm, verkrüppelt, oder irgendwie bresthaft war, wird auferstehen mit unversehrtem, vollkommenem Leib. Sonst wäre ja auch dem Verlangen der Seele, die von Natur nach der Vereinigung mit dem Leibe strebt, nur schlecht Genüge getan, während doch gerade dieses Verlangen der Seele, wie wir fest glauben, in der Auferstehung vollkommen befriedigt werden soll. Außerdem gehört die Auferstehung nach wohlbegründeter Ansicht in besonderem Sinn zu den Großtaten Gottes, geradeso wie die Schöpfung. Wie nun im Anbeginn bei der Schöpfung von Gott alles vollkommen geschaffen wurde, so müssen wir das unbedingt auch für die Auferstehung annehmen.”

Welch erhabene Lehre wird uns von der Kirche geschenkt und vom heiligen Augustinus so liebenswürdig erläutert! Unser himmlischer Vater hat alles bedacht und will den Menschen in aller Vollkommenheit bei sich in der Ewigkeit wissen. Er wird sich nicht nur an Gott selbst erfreuen und über die Herrlichkeit der Engel entzückt sein, die Gott treu geblieben sind. Auch die Schönheit seiner menschlichen Brüder und Schwestern wird er in ihrem Glanz der Herrlichkeit bewundern. Ohne eine Spur von Eitelkeit wird er sich an sich selbst erfreuen können und dem Herrn für immer danken, daß er ihn ins Leben gerufen und erlöst hat. Nie wird sein Lob Gottes enden, das er in Gemeinschaft mit allen Engeln und Heiligen Gott darbringen wird.

Das Thema wird morgen fortgesetzt.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/die-apostelgeschichte-apg-432-37-die-guetergemeinschaft-der-urgemeinde/#more-17332

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/der-geist-deutet-die-schrift/#more-6369

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