“Amen, ich sage euch: Ihr, die ihr alles verlassen habt und mir nachgefolgt seid, werdet dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben erben.” (vgl. Mt 19,28-29)
Dies ist die große Einladung an alle, die sich ganz auf die Nachfolge des Herrn einlassen wollen. Was manchen wie der »Tod ihres Lebens« erscheinen mag, ist in Wahrheit eine Einladung zu einem tieferen Leben in Gottes Gegenwart. Jene, die gerufen sind und ihre Antwort der ganzen Hingabe an Gott geben, werden zu Kindern der Liebe Gottes, wie es unser Vater auch im Vaterbuch zu verstehen gibt. Das bedeutet nicht, daß andere Menschen, die diesen äußeren Schritt des Verlassens dieser Welt nicht vollziehen, etwa keine geliebten Kinder Gottes wären. Doch liegt ein besonderer Glanz über den Aposteln Jesu – die zunächst vom Herrn angesprochen sind – aber auch auf jenen, die im Laufe der Jahrhunderte diesem Ruf gefolgt sind.Weiterlesen
Mit der Gefangennahme von Jeanne d’Arc wurde sehr bald klar, was die Engländer mit ihr vorhatten. Sie war nicht einfach nur eine prominente Gefangene, sondern wegen ihr hatte die kriegerische Dominanz der Engländer in Frankreich ein Ende gefunden. Daher wußten sie sehr genau, was die Ursachen ihrer Niederlagen waren. Ihre Interpretation hieß, sie sei eine Hexe und damit eine vom Teufel beeinflußte Frau, die diese Wende zu ihren Ungunsten herbeigeführt hatte.
Mit der Niederlage von Jeanne in Paris – so wurde dies allenthalben interpretiert – war für die Gegner der Jungfrau der Nimbus ihrer Unbesiegbarkeit verloren. Ihre Gefangennahme vor Compiègne bestätigte dies noch mehr. Gegen einen beträchtlichen Geldbetrag wurde Jeanne von den Burgundern an den englischen König ausgeliefert. Es trat nun ein, was Jeanne befürchtet hatte. Sie geriet in die Hände ihrer Feinde.
“Jesus richtete sich auf und sagte zu ihr:Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!” (Joh 8,10-11)
Es gibt keine Verurteilung Jesu für die Ehebrecherin, aber doch die deutliche Mahnung, nicht mehr zu sündigen. Das ist die Art und Weise, wie Gott der sündigen Menschheit begegnen möchte. Er will sie retten, ohne etwa die Sünde zu bagatellisieren. Letztere führt sie in die Trennung von Gott, sodaß er sie mit seiner Liebe nicht mehr erfüllen kann. Doch es ist seine Liebe, die den Menschen sucht und ihn nicht der Getrenntheit von ihm überlassen will.
Nach der Krönung Karls VII. in Reims begannen Gespräche zwischen dem König und den Burgundern. Jeanne selbst hatte noch am Tag der Krönung dem Herzog von Burgund, Philipp dem Guten, geschrieben, und im Namen Gottes gebeten, “daß der König von Frankreich und Ihr einen guten und festen Frieden schließt, der lange dauern soll. Vergebt einander mit aufrichtigem Herzen vollständig als gläubige Christen.”
Ein wahrer Friede war ihr Ernst, wenngleich sie den Herzog auch warnte, mit Waffengewalt gegen den König vorzugehen. Sie wollte eine christliche Versöhnung herbeiführen und dabei helfen, die Franzosen zu einen. Denn nach der verheerenden Niederlage der Franzosen in der Schlacht von Azincourt (1415) kam es zwischen den Burgundern und den Engländern zum anglo-burgundischen Bündnis (1420).
Nachdem Orléans von der Belagerung befreit worden war, drängte es Jeanne, ihre nächste Voraussage zu erfüllen und den König nach Reims zur Krönung zu führen. Sie wußte durch ihre Stimmen, daß sie nicht viel Zeit hatte, um ihre Mission zu erfüllen, und es galt, die Gunst der Stunde zu nutzen. Die Engländer waren geschwächt, die französischen Soldaten hingegen ermutigt. Der Graf von Dunois berichtet:
“Nach der Befreiung von Orléans zogen wir gemeinsam – die Jungfrau, ich und andere – zum König, der sich im Schloß von Loches befand, um von ihm neue Truppen zu verlangen zur Rückeroberung der Festungen und Städte an der Loire, besonders von Meung, Beaugency und Jargeau, damit er künftig sicherer und ungestörter operieren könnte bis nach Reims zu seiner Krönung; Jeanne trieb den König, flehentlich und unermüdlich drängend, zur Eile an. Sie warnte ihn, zu zögern. Von diesem Augenblick an handelte der König mit aller erdenklichen Eile und entsandte den Herzog von Alençon, andere Kriegsherren und mich – zusammen mit Jeanne – zur Einnahme jener Städte und Schlösser. Und tatsächlich wurden sie erneut unter die Herrschaft des Königs gebracht – durch Johannas Hilfe, wie ich meine.”
“Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden.”
(Mt 7,1–2a)
Dieses Wort schließt sich für uns auf, wenn wir an unseren himmlischen Vater denken. Wir brauchen nur wahrzunehmen, wie Gott mit uns umgeht, um zu lernen, wie wir mit anderen Menschen umgehen sollen. In der morgigen Betrachtung, in der Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin, wird dies sehr anschaulich.
“Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch in Schafskleidern, im Inneren aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.” (Mt 7,15–16a)
Der Herr läßt uns nicht im Ungewissen darüber, daß auf unserem Weg der Nachfolge Gefahren lauern. Es wäre undenkbar, daß er dies nicht täte, denn sonst würden wir uns leicht in falscher Sicherheit wiegen. Als guter Hirt schützt er uns nicht nur, sondern gibt uns auch Kriterien, mit denen wir falsche Propheten erkennen können.
Das ist nicht immer ganz leicht, denn solche falschen Propheten können sich verstellen. Sie mögen von Frieden reden und ihn auf alle möglichen Weisen verkünden, aber sie haben nicht den Frieden vor Augen, der aus dem Herzen Gottes kommt. Sie lehren nicht, daß man zuerst mit Gott versöhnt sein muß. Mögen sie uns eine Welt voller Frieden verkünden – doch diese ist nicht auf Gott gegründet und gleicht somit dem Turmbau zu Babel.
Vielleicht verkünden sie Liebe und Harmonie und knüpfen damit an eine Ursehnsucht im Herzen des Menschen an. Aber sie vergessen, daß Liebe und Wahrheit zusammengehören, wenn es nicht eine Täuschung werden soll, und ohne Gott ist das nicht möglich!
Deshalb verweist uns Jesus auf die Früchte. Sind diese gesund? Sind sie gut?
Eine Hilfe, um falsche Propheten leichter zu erkennen, ist die tiefe Vertrautheit mit Jesus. Wenn wir seine Stimme kennen, dann werden wir schneller merken, wenn Reden und Handeln in die falsche Richtung gehen. Es umgibt sie dann eine Art trüber Nebel und sie lassen jene Klarheit vermissen, die vom Worte Gottes und seinen Taten ausgeht. Nur diese erfreuen die Seele in der Tiefe.
Außerdem können wir den Herrn immer um seinen Geist bitten, damit er uns falsche Propheten erkennen läßt und uns vor ihnen bewahrt.
Unter folgendem Link findet Ihr das Video von Harpa aus der Serie gregorianischer Gesänge, welche die „ureigensten Worte Jesu“ (IPSISSIMA VERBA) vertonen: