Die Heilige Radegund von Thüringen (518 bis 587)

Es gibt eine reiche Auswahl an Heiligen, über die man berichten kann, und jedes Mal ist es ein Erlebnis, wahrzunehmen, wie Gottes Gnade einen Menschen erreichen und ihn über sich hinausführen kann.

Die Heiligen zeigen uns, was möglich wird, wenn man den Ruf Gottes hört und ihm folgt. Wir müssen nicht glauben, daß dies nicht auch mit Kämpfen verbunden war, in denen diese Menschen ihre Schwachheit wahrgenommen haben. Doch sie hielten an Gott fest und so konnte der Herr sie führen und sich an ihnen verherrlichen. Es ist bewegend, wenn ein Mensch mit einer hohen gesellschaftlichen Stellung so sehr vom heiligen Glauben angezogen wird, daß er sich nicht scheut, die einfachsten und oft so schwierigen Dienste am Nächsten zu tun. Die Heilige Radegund ist einen solchen Weg gegangen und wurde zum Vorbild für viele andere Adlige, den Weg der Nachfolge Christi zu gehen und ihr Leben zu schenken.

Radegund ist die erste Königin, die vom fürstlichen Thron herabstieg in die geringe Klosterzelle, um arm dem armen Jesus nachzufolgen. Sie ist die erste deutsche Fürstin, auf welche das Klosterleben seinen wunderbaren Einfluß ausübte, sodaß viele gekrönte Häupter zu ihrer Nachahmung angespornt wurden. Sie war – geboren 519 – die Tochter des Thüringer-Königs Berthar und war frühzeitig Waise, da ihr Vater von seinem Bruder Hermanfried aus Herrschsucht grausam ermordet wurde.

Der Frankenkönig Chlotar I. erklärte Hermanfried wegen Wortbruchs den Krieg, tötete ihn im Jahr 529 in der Schlacht an der Unstrut, und führte unter anderen Gefangenen auch die junge Radegunde hinweg. Ihre außerordentliche Schönheit bezauberte sein Herz so mächtig, daß er sie durch sorgfältigen Unterricht zur Taufe vorbereiten und in den Wissenschaften ausbilden ließ, um sie als seine Gemahlin auf den Thron zu erheben. Radegund fand eine lebhafte Freude an den gelehrten Studien, aber eine noch viel größere Freude an der christlichen Frömmigkeit. Weit entfernt von dem Wunsch, den fränkischen Thron mit dem Verwüster ihrer Heimat, dem Mörder ihrer Familie einst teilen zu können, sehnte sie sich vielmehr nach der Märtyrerkrone um Jesu willen.

Doch der König, der ihren Wunsch wohl nicht kannte, bereitete alles für die Hochzeit vor. Am Tag vor der Eheschließung floh Radegunde, wurde jedoch gefunden und mußte nun die Ehe mit Chlotar eingehen. Sie fand immer tieferen Trost in ihrem Glauben und nutzte ihre Stellung, um Werke der Barmherzigkeit zu vollbringen.

Als der König aus unbekannten Gründen ihren Bruder ermordete erflehte Radegund, den Hof verlassen zu dürfen. Nach längerer Zeit gab Chlotar nach. Sie floh dann zu einem Bischof und bat ihn dringend, sie als Nonne zu weihen. Als er ihren unbeugsamen Willen erkannte, tat er es. Sie lebte nun als Klausnerin in großer Strenge. Doch hatte sie noch nicht den Platz gefunden, an dem sie ihr weiteres Leben im Herrn führen konnte. Der König bereute, daß er sie hatte gehen lassen, und wollte sie mit Gewalt zurückholen. Sie mußte fliehen.

Radegunde entfloh nach Poitiers unter den Schutz des Asylrechts am Grab des heiligen Hilarius. Dieses Asylrecht wagte der König nicht zu verletzen; vielmehr gewährte er ihr die Erlaubnis und die Mittel, daselbst ein Frauenkloster zu bauen und selbst einzutreten.

Jetzt war ihr Weg frei.

Radegunde strengte nun all ihre Kräfte an, dem geliebten Kloster, in welchem sie noch vierzig Jahre bis zu ihrem Tod leben sollte, nach Innen und nach Außen seinen festen Bestand zu sichern. Die Ordensfamilie mehrte sich schnell, schon nach wenigen Jahren sah sie sich von zweihundert Töchtern verschiedenen Ranges und Standes, selbst aus dem höchsten Adel, umgeben. Aber in ihrer Demut war sie nicht zu bewegen, die Leitung des Konvents selbst zu übernehmen. Auf ihren Rat hin wurde Agnes, eine an Geist und Herz ausgezeichnete Jungfrau, welche sie selbst erzogen hatte, zur Äbtissin gewählt. Die Kirche verehrt dieselbe als Heilige am 13. Mai. Für sich hielt sie streng an der Stellung und Tätigkeit einer einfachen Klosterfrau fest, besorgte nach der Reihenfolge die Küche, reinigte die Zellen und Aborte und trug Holz und Wasser wie die anderen Ordensfrauen. Sie setzte mit Eifer das Studium der Heiligen Schrift und der Kirchenväter fort, und blieb die unverdrossene Pflegemutter der Armen und Kranken.

Indessen war ihre Demut doch nicht mächtig genug, zu verhindern, daß sie von allen innerhalb und außerhalb des Klosters als die eigentliche Oberin geliebt und geehrt wurde, und auch sie liebte die jungfräuliche Familie mit der ganzen Glut einer zärtlichen Mutter. Wenn die vielen jungen Nonnen sie umstanden, stahlen sich nicht selten von ihren Lippen die süßen Ergüsse ihres Herzens: “Ihr seid mir so lieb, meine teuren Kinder, daß ich gar nicht mehr daran denke, noch andere Verwandte zu haben, oder einem König vermählt gewesen zu sein: ich lebe nur euch – meine Töchter, euch – meine auserwählten, euch – meine jungen Blumen, die ich gepflanzt, euch – meine Augäpfel, mein Leben, meine Ruhe, mein Glück!“

Eine himmlische Freude beseligte die heilige Königin, als der Kaiser Justin II. von Konstantinopel ihr auf bittliches Ansuchen ein in Gold und Edelsteine gefaßtes Stück vom Heiligen Kreuz unseres Erlösers, nebst einem Evangelienbuch und einigen Reliquien schenkte. Mit außerordentlichem Festgepränge nahm sie die Heiligtümer in Empfang und gab ihrem Kloster fortan den Namen: »Das Kloster zum heiligen Kreuz«. Für diesen feierlichen Anlaß verfaßte der berühmte Dichter und heilige Priester Fortunatus, Radegundes Kapellan und Almosenier, den prachtvollen Hymnus: »Vexilla Regis prodeunt«, welcher bei diesem Fest zum ersten Mal gesungen wurde und seitdem zu den Passionsliedern der heiligen Kirche beim öffentlichen Gottesdienst gehört.

Die Heilige Radegunde beendete ihr Leben in derselben Bußstrenge, mit der sie die ganzen Jahre über gelebt hatte. Sie starb am 13. August 587, und es wurde von vielen Wundern an ihrem Grab berichtet. Eine große Heilige, die für die heutige Zeit erbitten möge, daß gerade jene, die höhere Stellungen in der menschlichen Gemeinschaft einnehmen, sich in Demut Gott unterordnen, damit sie die rechten Entscheidungen für die Menschen treffen.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/der-letzte-schritt-2/#more-14608

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