IMMER WIEDER BARMHERZIGKEIT

“Alles, was zu meiner Verherrlichung getan wird: Gebete, Fasten, Wachen und andere Werke geistiger Zucht, sehe ich mit gütigen Augen an. Aber dennoch – auch wenn es Kleingläubigen nicht so scheint – bin ich mit größerer Zuneigung bei meinen Auserwählten, die in ihrer menschlichen Schwäche und Gebrechlichkeit vertrauensvoll zu meiner Barmherzigkeit Zuflucht suchen.” (Worte des Herrn zur heiligen Gertrud von Helfta)

Noch einmal wird das Thema der menschlichen Schwäche und Begrenztheit angesprochen, das die liebende Aufmerksamkeit des Herrn in besonderer Weise anzieht. Ohne die guten Werke der asketischen Übungen schmälern zu wollen, welche der Herr mit gütigen Augen ansieht, neigt sich seine Liebe noch mehr denen zu, die in ihrer inneren Not seine Barmherzigkeit suchen und auf sie vertrauen.

Vielleicht hängt es auch damit zusammen, daß Letztere nichts mehr vorzuweisen haben. Sie strecken sozusagen ihre leeren Hände nach Gott aus, und vermögen in der Erkenntnis ihrer Mängel auf gar nichts anderes mehr zu bauen. Sie lassen sich daher ganz los, vertrauen nur noch auf Gott und übergeben sich rückhaltlos seiner Liebe. In dieses demütige Herz kann der Herr seine Liebe nun frei hineinschenken. In gewisser Weise ist in diesen Momenten alles ausgeräumt, was seine Zuneigung aufhalten könnte, und Jesus findet ein vertrauensvolles und zutiefst empfängliches Herz.

Welch ein trostvolles Wort!

Und es gilt nicht nur für jene, die immer wieder ihren Schwächen und Gebrechen erliegen, sondern auch für jene, die die Werke der geistlichen Zucht aufrichtig und beständig üben. Auch sie werden Stunden erleben, in denen sie alles übersteigt. Dann werden sie Zuflucht zur Barmherzigkeit Gottes nehmen und der milden Güte unseres Vaters begegnen.