Teil V: Der Antichrist in der Erzählung von Michael D. O’Brien

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf ein weiteres Buch über den Antichristen.

In seinem Roman “Father Elijah” entfaltet der noch lebende Autor in Romanform eine Geschichte mit apokalyptischen Dimensionen. Die Hauptfigur der drei Romane ist ein bekehrter Jude, der später Priester der katholischen Kirche wird.

Die Geschichte erzählt vom Aufstieg eines Mannes, der eine ungeheure Ausstrahlung auf die Menschen hat. Es wird von eigenartigen Vorkommnissen in dessen Jugend berichtet, die den Verdacht nahelegen, daß er grausame Anwandlungen hatte. Auch wird ihm als Priester zugetragen, daß dieser Mann politische Gegner hat umbringen lassen und einen Zirkel gewalttätiger Männer um sich hat, die seine Befehle ausführen.

Vor seiner Bekehrung war Father Elijah auf dem Weg, ein bekannter Politiker zu werden. Nun wird er vom Papst beauftragt, diesem Mann zu begegnen und zu versuchen, ihn von seinem verderblichen Weg abzubringen. Sowohl dem Papst als auch Father Elijah ist klar, daß dieser Mann der Antichrist sein könnte.

Der vermutete Antichrist wiederum versucht, Father Elija und andere hochrangige Kleriker für seine Absichten zu gewinnen. Das Buch beschreibt, wie einige Bischöfe und hohe Geistliche den Kurs des Antichristen unterstützen. Es sind jene, die einen progressiven Kurs in der Kirche verwirklichen wollen.

Schließlich kommt es zu einer Begegnung zwischen Father Elijah und dem vermuteten Antichristen, in der der Priester einen Exorzismus durchführt, um ihm noch einmal die Möglichkeit zu geben, sich zu Jesus Christus zu bekehren.

Doch der weitere Verlauf der Geschichte zeigt, daß der Antichrist nicht zur Einsicht kommt und seine »Mission« fortsetzt. Diese besteht darin, eine Weltherrschaft aufzurichten, in der er selbst als »Friedensbringer« die zentrale Figur ist. Hier taucht dasselbe Thema auf, das auch im Roman von Benson und in anderen Publikationen häufig angesprochen wird. Der Antichrist kommt als Friedensbringer, um auf diese Weise die Menschen zu täuschen.

Am Ende des dritten Buches wird geschildert, wie Father Elijah, der inzwischen zum Bischof geweiht wurde, mit einem Mitbruder nach Jerusalem zieht, um dort dem Antichristen ein letztes Mal entgegenzutreten.

Dieser tritt öffentlich an der Klagemauer auf. Einige wenige Stimmen erheben sich gegen ihn und bezeichnen ihn als Feind Gottes, als Antichristen und falschen Propheten. Doch die überwältigende Mehrheit steht unter seinem Bann. Die Gegenstimmen werden zum Schweigen gebracht und getötet. Das ist auch das Ende von Father Elijah.

Die Literatur über den Antichristen ist noch sehr viel umfangreicher. Doch mögen diese drei Beispiele genügen.

Bevor wir auf bestimmte geschilderte Eigenschaften des Antichristen eingehen, möchte ich eine Passage aus der “Katholischen Dogmatik nach den Grundsätzen des Heiligen Thomas von Aquin”, herausgegeben von Franz Diekamp, zitieren. Dort heißt es über den Antichristen:

Der Antichrist wird erscheinen, der ‚Mensch der Sünde‘, der ‚Sohn des Verderbens‘, der ‚Widersacher‘, der ‚Gesetzlose‘.

Der dem Christentum feindselige Geist, der Geist der Gottlosigkeit, wird sich am Ende der Tage in einer bestimmten menschlichen Person verkörpern, die mit furchtbarer Gewalt die Kirche bekämpfen wird. Dieser Antichrist hat seine Vorläufer in allen, die sich haßerfüllt gegen Christus und sein Reich wenden und darum Antichristen zu nennen sind. Er selbst wird aber alle übertreffen und alle ihre Bestrebungen gleichsam in seiner bis hin zur Selbstvergötterung gesteigerten Empörung gegen Gott und den Gesalbten Gottes zusammenfassen.

Nach Diekamp – und das ist für meine Einschätzung wesentlich – wird der Sachlage weder eine kollektivistische Deutung (der Antichrist sei keine bestimmte menschliche Person, sondern die Summe der Christusfeinde aller Zeiten) noch eine rein zeitgeschichtliche Deutung (der Antichrist sei Kaiser Nero, Caligula usw. gewesen) gerecht.

Wir haben also mit einer konkreten Person zu rechnen, die vor der Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten als eine Art »Inkarnation des Bösen« eine Zeitlang ihre diktatorische Herrschaft ausübt, die sich gegen alle Menschen und insbesondere gegen jene richtet, die dem Herrn treu bleiben. Zusammenfassend können wir aus den Passagen der Heiligen Schrift und den drei Zeugnissen aus der Literatur, die wir die letzten Tage betrachtet haben, einige Merkmale des kommenden Antichristen ableiten – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und letzte Sicherheit!

Der Antichrist, auch “Sohn des Verderbens” (2 Thess 2,3) genannt, wird als Weltherrscher auftreten. Im Gegensatz zu früheren antichristlichen Gestalten, die sich relativ rasch als gewalttätige Diktatoren entlarvten, wird der kommende Antichrist als eine Art globaler Friedensbringer geschildert. Er ist mit einem besonderen Charisma und entsprechenden politischen Vollmachten ausgestattet, um seine Ziele zu erreichen. Er kommt in einer Zeit großer Not der Menschheit, in einer Zeit, in der durch vorhergehende Entwicklungen in der Welt eine globale Herrschaftsform möglich ist. Nach außen hin kann er als ein tugendhafter und spiritueller Mensch auftreten, seine tiefste Inspiration ist jedoch dämonischen Ursprungs.

 

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/die-rechte-antwort-2/#more-9385

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