HARRE AUF GOTT

282. Kleine Vaterbetrachtung

“Meine Seele, warum bist Du betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und Retter, auf den ich schaue. (Ps 42,12)

Im Evangelium sagt uns der Herr: “In der Welt seid ihr in der Bedrängnis, aber seid getrost: ich habe die Welt überwunden!” (Joh 16,33).

Es gibt in der Tat so viele innere und äußere Bedrängnisse, die unsere Seele unruhig machen, bedrücken oder ängstigen. Oft finden wir nicht den rechten Weg, damit umzugehen. Vielleicht sind wir sogar in der Gefahr, falsche Lösungen zu suchen, um uns zu beruhigen oder der Situation zu entkommen…

Der Weg zum Herrn steht weit offen. Gott wird uns wieder Ruhe für unsere Seele verschaffen und Frieden einziehen lassen, wenn wir ihn nur lange genug anrufen und unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen. Nie läßt er ein Gebet unerhört, wenngleich die Antwort vielleicht auch nicht von einer Sekunde auf die andere kommen mag.

Wir sollten uns nicht schämen oder zieren, in unserer inneren Unsicherheit oder Bedrängnis zu unserem Vater aufzubrechen und ihm unsere Hilflosigkeit zu öffnen. Sicher wartet Gott schon auf uns, um uns Sicherheit in ihm zu schenken.

Die Seele soll jedoch aus solchen Erfahrungen seiner Güte auch wirklich lernen und schon mitten in der Bedrängnis dem Herrn danken, daß er uns erretten wird, wie es der Heilige Paulus sagt: “Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! (Phil 4,6). Damit setzt die Seele der Bedrängnis schon sieghaft etwas entgegen – den Sieg des Herrn!

Je öfter wir das tun und je mehr wir im Vertrauen auf den Vater verwurzelt sind, desto leichter können wir mit dem heutigen Psalmvers zu unserer Seele sprechen und sie mit Sanftmut, aber doch bestimmt daran erinnern:

“Meine Seele, warum bist Du betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.