DIE HIERARCHIE DES LEBENS

“Antonius (der Wüstenvater) pflegte zu sagen, es sei die Pflicht eines Menschen, seine ganze Zeit der Seele zu widmen statt dem Körper, dem Körper jedoch einen kurzen Raum für seine Bedürfnisse einzuräumen. Umso eifriger aber solle er den ganzen Rest der Seele überlassen und deren Wohl suchen, damit sie nicht von den Freuden des Körpers hinabgezogen werde, sondern im Gegenteil der Körper der Seele unterworfen sei.”  (Heiliger Athanasius)

Der heilige Bischof Athanasius wurde wegen seiner Glaubenstreue verfolgt.  Er verteidigte die Gottheit Christi gegen die arianische Irrlehre und suchte bei den Einsiedlern in der Wüste Zuflucht.

Tief nahm er ihre Lehre auf und richtete sein geistliches Leben nach ihr aus. Die Einsiedler lebten die richtige Hierarchie des Lebens exemplarisch vor. Der unsterblichen Seele muß mehr Aufmerksamkeit zugewandt werden als dem Leib, welcher der Vergänglichkeit unterworfen ist. Auch die Heilige Schrift verdeutlicht uns das:

“Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles braucht. Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.” (Mt 6,31–34)

Von den Wüstenvätern, deren strenge Askese wir sicher nicht nachahmen können, vermögen wir dennoch zu lernen, daß wir uns mehr um unsere Seele als um unsere leiblichen Bedürfnisse kümmern sollten. Das ruft uns der himmlische Vater durch ihr Zeugnis in Erinnerung, wie es auch in der Schrift heiß:

“Denn was nützet es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, aber an seiner Seele Schaden litte? Oder was wird ein Mensch geben, als Entgelt für seine Seele?” (Mt 16,26)