Unser heutiger Heiliger – wir nehmen nicht den heiligen Dominikus – führt uns nach England, in einer Zeit großer politischer Spannungen. Besonders ist zu unterstreichen, daß unter der Herrschaft von Heinrich VIII. eine schwere Zeit für die Katholiken begann, die ihrem Glauben treu bleiben wollten.
Heinrich VIII. hatte im Jahr 1509 mit 17 Jahren den Thron seines Vaters übernommen. Zunächst waren seine Landsleute begeistert, denn er schien sich im Vergleich zu seinem Vater positiv abzuheben. Doch im Laufe der Jahre entfaltete er eine bedrückende Herrschaft. Es kam zu einem unheilvollen Bruch mit der katholischen Kirche.
Heinrich VIII. wollte sich von seiner Ehefrau Katharina von Aragón trennen und seine Ehe annullieren lassen, um eine andere Frau zu heiraten. Sie hatte ihm nicht den gewünschten Thronfolger geboren. Doch er erhielt nicht die Zustimmung des Papstes. Seine Leidenschaft für diese Frau – sie hieß Anne Boleyn – war jedoch so groß, daß er den Bruch mit Rom vollzog. Im Jahr 1534 wurden Heinrich VIII. und Anne Boleyn vom Papst exkommuniziert. Noch im selben Jahr erhob Heinrich sich selbst in den Stand des „höchsten Oberhaupts der Kirche von England auf Erden“. Das war die Geburtsstunde der Anglikaner.
Für uns Katholiken bleibt es eine sehr betrübliche Tatsache, daß fast alle Bischöfe in England – mit vereinzelten Ausnahmen – dem König in diesem Bruch mit Rom folgten.
Eine zunehmende Schreckensherrschaft hatte begonnen, die tiefes Leid hinterließ. Das katholische England mußte sich verbergen und war ständiger Bedrohung ausgesetzt. Im Jahr 1547 starb der König, ohne sich mit der Kirche versöhnt zu haben.
Als Elisabeth I., die Tochter aus der Ehe des Königs mit Anne Boleyn, 1558 die Herrschaft übernahm und die Glaubenserneuerung immer mehr vorantrieb und gewaltsam in die Kirchenrechte eingriff, sah sich der Papst genötigt, einzugreifen. Als die Kunde von der blutigen Metzelei, die Elisabeth unter den armen, unschuldigen Katholiken in Nordengland hatte anrichten lassen, nach Rom gelangte, veröffentlichte der Papst am 25. Februar 1570 die Bulle, die die Exkommunikation und die Absetzung der Königin aussprach. Obwohl ganz England von allem Verkehr mit der katholischen Welt streng abgeschlossen wurde, fand die Bulle doch ihren Weg dorthin. In der Morgenfrühe des 25. Mai 1570 sahen die Bewohner Londons sie am Tor des bischöflichen Palastes. Auf die umfassendsten Nachforschungen hin fand man ein Exemplar der Bulle bei einem Studenten der Rechtsschulen, deren Mitglieder sich lange den alten katholischen Geist bewahrten. Unter Folter gestand einer der Studenten, daß er sie von einem Master John Felton erhalten habe.
John Felton, ein angesehener Edelmann von Southwark im Süden Londons, war ein glühender Anhänger des Glaubens seiner Väter. Er hielt es für seine Pflicht, seinen Landsleuten nach dem Willen des Papstes die Bulle zur Kenntnis zu bringen. Die folgende Verhaftung brachte ihn dann auch keinen Augenblick außer Fassung. Eine ganze Streitmacht hatte man gegen ihn aufgeboten. Der Lord Mayor (Bürgermeister), der Lordoberrichter und die beiden Sheriffs (Landrichter) von London mit 500 Hellebardieren umstellten Feltons Haus. Sobald er die Häscher durchs Fenster bemerkte, ging er hinab, öffnete die Tür, hieß sie willkommen und gab ihnen zu verstehen, daß er wohl ahne, warum sie kämen. Felton gestand sofort unumwunden ein, daß er in der Nacht die päpstliche Bulle am Tor des damals schon anglikanischen Bischofs bei St. Paul angeschlagen habe.
Das Gerichtsverfahren war bei dem seligen Johann Felton ein sehr einfaches. Er hatte alle einzelnen Punkte unterschrieben, die die päpstliche Bulle enthielt, und erklärt, “daß Elisabeth der Titel, die Ehre und Krone einer Königin nicht zustehen und daß sie gar nicht Königin von England sein sollte”. Ein offeneres Bekenntnis konnte nicht mehr erwartet werden, wiewohl Felton auf die Frage, ob er sich also des Hochverrates schuldig bekenne, folgerichtig mit “Nicht schuldig” antwortete; denn er erkannte die durch den Papst ihres Thrones entsetzte Elisabeth nicht mehr als seine Königin an. Auch zur Angabe von Mitschuldigen war er selbst durch mehrmals wiederholte Folterung nicht zu bringen. Das Urteil konnte nicht zweifelhaft sein: Schleifung, der Galgen, die übliche barbarische Verstümmelung und Vierteilung.
Am Morgen des 8. August, an dem das Urteil vollstreckt werden sollte, kamen noch drei anglikanische Prediger in das Gefängnis zu Felton, um ihn durch Überredungskünste im Glauben wankend zu machen. Alle Bekehrungsversuche aber wies der Selige entschieden, oder wie der Regierungsbericht sagt, “mit viel Anmaßung” ab. Auf alle Vorstellungen antwortete er entschlossen, er wisse, was er getan habe, er halte fest an dem alten katholischen Glauben, den der Heilige Vater, der Papst, seit langer Zeit verteidige. “Wer einen anderen Glauben annimmt oder eine andere Lehre hält, der wisse, daß sie böse und irrtümlich sei.”
Kniend betete er nach Verlesung der königlichen Proklamation das Miserere. Dann stieg er die Leiter hinauf. Beim Anblick des Tores, an dem er die Bulle Pius` V. angeschlagen hatte – die Richtstätte war St. Pauls Kirchhof -, sagte er: “Ja, da hat das Urteil des Papstes gegen die vorgebliche Königin gehangen; und jetzt bin ich bereit, für den katholischen Glauben zu sterben.”
Wir begegnen einem Seligen, der in der Zeit der Verfolgung entschieden den katholischen Glauben verteidigte. Das erleben wir ja bei den Märtyrern der Vergangenheit oft. Der Glaube ist wichtiger als das Leben. Die Wahrheit steht gehen die Lüge und die Täuschung.
Welch traurige Entwicklung damals in England, wenn sich ein König als Herr der Kirche einsetzt und die meisten Bischöfe ihm nicht widerstehen!
Heilige sind nicht nur unsere Vorbilder. Sie sind unsere vollendeten Geschwister im Himmel. So bitten wir den Seligen, daß wir in einer Zeit zunehmender Verwirrung dem katholischen Glauben treu bleiben, auch wenn uns dies das Leben kosten kann!
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/im-glauben-handeln-2/#more-18147
