ZU EHREN DER HEILIGEN JEANNE D’ARC: »Die Mission wird konkret« (III)

In den kommenden Jahren ihres Heranwachsens trug Jeanne d’Arc dieses Geheimnis zwischen Gott und ihr verborgen in sich. Sie sprach mit niemandem darüber, weder mit dem zuständigen Pfarrer noch mit ihren Eltern oder Freunden. Unter der Führung ihrer Heiligen richtete sie ihr ganzes Leben danach aus, und erfuhr nach und nach mehr über ihre Mission.

Die schwierige Kriegslage Frankreichs war der jungen Jeanne bewußt, denn der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich machte auch vor ihrem Dorf keinen Halt. Die politische Zerrissenheit des Landes, die verschiedenen Kriegsparteien und die herumstreunenden, plündernden Banden stellten eine ständige Bedrohung dar. Es bestand keine Aussicht auf Frieden. Gewiß war diese unheilvolle Situation das tägliche, sorgenvolle Gesprächsthema aller Bewohner Domrémys und Umgebung.

Im Laufe dieses Krieges hatten die Engländer nach und nach große Gebiete Frankreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Sie verbündeten sich mit den französischen Burgundern, sodaß die Eroberung ganz Frankreichs und die damit einhergehende Herrschaft des englischen Königs sich immer stärker abzeichnete.

Die französische Krone, die noch mehrheitlich die Gebiete im Süden des Landes unter ihrer Herrschaft hatte, war geschwächt. Kriegstechnisch waren die Franzosen den Engländern unterlegen, und mehrere verheerende Niederlagen hatten die Moral der Truppen sinken lassen. König Karl VII., der Sohn des geistesschwachen Königs Karl VI. und der sittenlosen und ungeliebten Königin Isabelle, hatte wohl schon weitgehend die Hoffnung verloren. Außerdem nagten Selbstzweifel an ihm, da die Legitimität seiner Geburt in Frage gestellt wurde. Dies beeinträchtigte wohl seine Willenskraft, als König tatkräftig zu handeln.

Je näher Jeannes siebzehnter Geburtstag rückte, desto deutlicher wurde ihr der Auftrag durch die Heiligen vermittelt: Sie sollte zu Karl VII. nach Chinon, seinem damaligen Sitz, ziehen und ihm mitteilen, daß sie im Auftrag des Königs des Himmels ihm zur Hilfe komme, Orléans befreien und ihn nach Reims zur Krönung führen solle.

Hier wird nun die Grenze des rein menschlichen Verständnisses eines solchen Geschehens weit überschritten. Das ist nur nachvollziehbar, wenn man darin das Handeln Gottes erkennt, wenn man glaubt und sieht, daß dieses Mädchen aus Domrémy zum auserwählten Werkzeug des himmlischen Vaters wurde.

Jeanne d’Arc und ihre Mission sind ein derartiges Zeugnis der Liebe Gottes und ihrer wunderbaren Antwort darauf, daß man sich diesem Geheimnis nur mit großer Achtung und einem hörenden Herzen nähern kann. Es wird durch das Wort Jesu erhellt: “Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich (Lk 18,27). Es zeigt uns viel über Gott selbst und wie Engel und Heilige – in diesem Fall die Jungfrau von Orléans, wie sie später genannt wird in seinen Heilsplan eingewoben sind.

Wie sollte ein junges Bauernmädchen eine solche, nach menschlichem Ermessen unmögliche Aufgabe durchführen können? Es erübrigt sich, alle vernünftigen Gründe aufzuzählen, die gegen eine solche Mission sprechen. Sie sind Legion.

Der tiefere Zugang zu dieser Geschichte Gottes mit der heiligen Jeanne kann nur der Glaube sein! Alle anderen Unternehmungen werden letzten Endes scheitern, weil sie versuchen, ein übernatürliches Geschehen mit menschlichen Maßstäben einzuordnen. Wie man an der vielfältigen Literatur über Jeanne d’Arc sieht, ist es leider nicht selten geschehen, daß ein verzerrtes Bild von ihr und den Ereignissen gezeichnet wurde, das weder der Ehre Gottes noch der Ehre der Jungfrau von Orléans entsprach und manchmal sogar absurde Züge angenommen hat.

Wenn wir nun den Aufbruch von Jeanne aus Domrémy betrachten wollen, um ihre Aufgabe auszuführen, muß uns von Anfang an gegenwärtig bleiben, daß sie nichts ohne die Anweisung ihrer Heiligen unternommen hat und ohne ihren Rat zu suchen.

Sie selbst bezeugt später bei dem Verhör in Rouen:

Frage:Ruft ihr sie (die Heiligen), oder kommen sie ungerufen?

Jeanne: “Sie kommen oft, ohne daß ich sie rufe. Aber wenn sie nicht bald kämen, so bat ich unseren Herrn, daß er sie senden möge […]. Wann immer ich ihrer bedurfte, waren sie da.

Nun wurde Jeanne beauftragt, zuerst zu Robert de Baudricourt zu gehen, einem königstreuen Hauptmann in Vaucouleurs. Er sollte ihr Leute mitgeben, die sie zum König begleiten.

Ihren Onkel Durand Laxart, der in der Nähe von Vaucouleurs wohnte und bei dem sie sich im Dezember 1428 einige Wochen aufhielt, konnte sie überzeugen, sie zum Hauptmann zu führen.

Der Hauptmann wollte allerdings zunächst nicht ernstnehmen, was ihm Jeanne anvertraute, und wollte sie zu ihren Eltern zurückschicken. Auch ein zweiter Versuch blieb erfolglos. Doch die Menschen in der Stadt faßten Zutrauen zu ihr. Auch war ein alter Weisheitsspruch bekannt, daß eine Jungfrau aus Lothringen das Geschick Frankreichs wenden würde. Als Johanna dann noch sagte, die Franzosen hätten eine Schlacht verloren, deren Ausgang sie nicht wissen konnte, und es durch Boten bestätigt wurde, gab der Hauptmann nach.

Ein Pferd und ein Schwert wurden Jeanne gegeben, die Bevölkerung versorgte sie mit Kleidern und der Hauptmann stellte ihr eine Eskorte von sechs Personen zur Verfügung. Vor ihr lag ein mehrtägiger Ritt durch feindliches Gebiet, um den König in Chinon zu treffen.

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