Die Leiden und die Kämpfe des Apostels fuer die Kirche

Am Ende der gestrigen Betrachtung habe ich darauf hingewiesen, daß ich noch einen Satz des heiligen Paulus herausstellen möchte, um ihn ein wenig näher zu beleuchten, denn es ist eine große Aussage, welche der Völkerapostel der Gemeinde in Kolossä anvertraut. Es handelt sich um diesen Satz:

 “Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch, und ergänze das an meinem Fleische, was an den Leiden Christi noch mangelt für seinen Leib, welcher die Kirche ist, deren Diener ich geworden bin.” (Kol 1,24–25a)

Paulus ist der große Völkerapostel, und wir erinnern uns sehr gut, daß er auf seinem Weg nach Damaskus, als er dort die Christen gefangennehmen wollte, durch die Begegnung mit dem Herrn seine Bekehrung erlebte.

So wird es in der Apostelgeschichte geschildert:

“Unterwegs, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, daß ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.” (Apg 9,3–5)

Der Herr machte dem noch unwissenden und fehlgeleiteten Saulus klar, daß, wenn er die Christen verfolgt, er ihn selbst verfolgt: ihn, den Messias, den Sohn Gottes. Im Lichte Gottes vermochte Saulus es dann zu erkennen.

Dies ist wahr, denn Christus lebt in seinen Gläubigen, und was sie tun, geschieht in seinem Namen. So ließ der Herr Hananias wissen, der dem Saulus entgegengehen sollte, um ihm die Hände aufzulegen, daß er wieder sehen konnte: “Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muß.” (Apg 9,15–16)

Nehmen wir noch einen Satz aus der Bergpredigt hinzu:

“Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.”  (Mt 5,11)

Wenn wir diese biblischen Aussagen betrachten, dann erschließt sich der Satz des Völkerapostels an die Gemeinde in Kolossä. Paulus handelt im Auftrag. Alles, was er tut, ist davon gezeichnet. Der Herr selbst handelt in durch ihn, wie Gott auch früher durch die Propheten gehandelt hat.

“Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.” (Gal 2,20)

Der Apostel ist nun gewürdigt, die Leiden um die Gemeinde des Herrn zu tragen. Sie wurde ihm von Gott anvertraut, und er nimmt die damit verbundenen Leiden freudig an, wie er es selbst bezeugt. So wie Paulus das Licht Gottes braucht, um das Evangelium in Wahrheit zu verkünden, so kann er auch nur durch die Kraft Gottes all das tragen und ertragen, was die ihm anvertraute Mission mit sich bringt. Wir brauchen nur an die sogenannte Narrenrede zu denken (2 Kor 11,23–29), die uns eine Ahnung gibt, was mit ihm alles für diese Leiden um Christi willen geschehen ist. Das Leiden Christi vergegenwärtigt sich in seinem Apostel. Da Paulus das bejaht, darf er daran mitarbeiten, daß sich in der Zeit der Kirche das Leiden des Herrn an seinen Dienern vergegenwärtigt und Frucht bringt.

Im weiteren Verlauf des Briefes stärkt Paulus nochmals die Gemeinde, bevor er sie auf die gefährliche Irrlehre ansprechen wird, die ihm große Sorge bereitet. Sie wird hier im Text schon indirekt erwähnt.

“Ihr sollt wissen, was für einen schweren Kampf ich für euch und für die Gläubigen in Laodizea zu bestehen habe, auch für alle anderen, die mich persönlich nie gesehen haben. Dadurch sollen sie getröstet werden; sie sollen in Liebe zusammenhalten, um die tiefe und reiche Einsicht zu erlangen und das göttliche Geheimnis zu erkennen, das Christus ist. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Das sage ich, damit euch niemand durch Überredungskünste täuscht.” (Kol 2,1–4)

Paulus zögert nicht, der Gemeinde von seinen Kämpfen um die Gläubigen zu berichten. Das geschieht nicht, um seinen Beitrag in besonderer Weise hervorzuheben, sondern um sie zu trösten und um die innere Verbindung mit ihnen zu verdeutlichen. Das wird ihnen helfen, auch in der Liebe zueinander zu wachsen und in dieser liebenden Verbindung wird sich das große Geheimnis Christi besser erschließen können. Dann hebt Paulus noch einmal, auch mit Hinblick auf die Irrlehrer, hervor: “In Christus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.”

Dieser Satz allein, wenn man ihn zu Herzen nimmt, ist eine Richtschnur für die Gemeinde in Kolossä, aber auch für uns heute. Wenn wir ihn anwenden, dann prüfen wir, ob eine Philosophie, der wir begegnen, oder ob Erkenntnisse, die uns vermittelt werden sollen, mit der Lehre Christi übereinstimmen. Dies ist der Maßstab! Wenn wir merken, daß es nicht so ist, dann ergibt es keinen Sinn, sich weiter damit zu beschäftigen. Man kann noch einen Schritt weitergehen. Eine Beschäftigung damit kann uns sogar zum Schaden gereichen und uns vom Weg Gottes abgleiten lassen. Deshalb die ausdrückliche Warnung des Apostels, daß niemand von der Gemeinde sich täuschen lassen soll. Das Verharren in Christus sowie das Zurückweisen falscher Lehren sind nicht etwa Zeichen von Verschlossenheit oder Unbeweglichkeit, sondern entsprechen einer geistlichen Reinheit, die nötig ist, um das Wahre vom Falschen getrennt zu halten.

Auf die Gefahr der Irrlehren gilt es morgen weiter einzugehen.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/die-quellen-wahrer-freude/#more-15676

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/der-herr-allein-2/#more-12988

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