KEINE HAST UND UNRUHE

“Hüten Sie sich vor Hast und Unruhe, denn nichts hindert den inneren Fortschritt mehr als dies.”

(Aus einem Brief des heiligen Franz von Sales an die heilige Franziska von Chantal.)

Wie können wir die Neigung zu Hast und Unruhe geistlich überwinden, die unser Leben leicht zerfahren macht und vielleicht auch zu vielen unnötigen Fehlern führt? Es muß uns klar sein, daß Hast und Unruhe Neigungen unserer menschlichen Natur sind. Sie wären auch nicht überwunden, wenn wir eher phlegmatisch wären.

Was uns aber dienen könnte, ist eine tiefere Versenkung in die Gegenwart unseres Vaters – gerade dann, wenn wir uns getrieben fühlen und unserer menschlichen Natur sozusagen freien Lauf lassen. Dazu gehört auch, daß wir es wahrnehmen, wenn wir uns von Hast und Unruhe leiten lassen. Vielleicht können wir uns daran erinnern, wie es ist, wenn wir gesammelt und ruhig das uns Aufgetragene tun, um mit Gottes Hilfe in einen solchen Zustand einzukehren.

Es besteht ja kein Grund zu Hast und Unruhe, die sich von einer eventuell gebotenen Eile unterscheiden. Unser Vater trägt die Situation, in der wir uns befinden, in seinen Händen. Was kann uns also geschehen?

Wir brauchen nur anzuhalten und uns an ihn zu wenden, dann wird ein Strahl des Friedens in die jeweilige Situation einfließen und unsere Seele bei ihm sammeln. Das erklärt, warum der heilige Franz von Sales davon spricht, daß der innere Fortschritt auf dem geistlichen Weg durch Hast und Unruhe gehindert wird. In einem solchen Zustand ist die Seele nicht bei Gott zu Hause, sondern läßt sich von den Umständen oder der inneren Unausgeglichenheit treiben.

Wenn wir möglichst viele Gelegenheiten nutzen, um mit dem Herrn allein zu sein und unsere Seele in ihm still werden zu lassen, wird sich das auch auf die Situationen übertragen, in denen wir gefordert sind. Das innere Einkehren bei Gott wird zur Selbstverständlichkeit und wir merken rascher, wenn Hast und Unruhe einziehen wollen – und können umso schneller in die »innere Zelle« einkehren.