Der  Kolosserbrief (I) »Einführung«

Da mir die Verkündigung des Evangeliums und damit verbunden das Zeugnis der gesamten Heiligen Schrift sehr am Herzen liegt, wende ich mich nun dem Kolosserbrief zu, den der heilige Paulus verfaßt hat. Für diejenigen, die lieber die Tageslesungen des Novus Ordo bevorzugen, befinden sich am Ende des Textes Links zu Betrachtungen, die ich in den vergangenen Jahren gehalten habe.

Die Auslegungen der Schrift sind aus meiner Sicht derzeit besonders wichtig, da sich eine modernistische Betrachtungsweise der Heiligen Schrift immer stärker durchsetzt, die der Seele oft keine wirkliche Nahrung bietet. Das Wort Gottes ist jedoch derart reich und wichtig, daß wir es immer wieder hören sollten. Bewegen wir es wie die Gottesmutter Maria im Herzen, damit es reiche Frucht bringt!

Ich beginne die Auslegung dieses Briefes am schönen Fest von Allerheiligen, an dem die Kirche an alle denkt, die dem Herrn ernsthaft nachgefolgt sind. Es ist gut, sich daran zu erinnern, daß wir alle gemeint und alle auf den Weg der Heiligkeit gerufen sind. Einer echten Bekehrung folgt das Bemühen, den gefundenen Glauben authentisch zu leben, damit uns Gott nach seinem Bild umzuformen vermag. Auch wenn wir nach seinem Bild geschaffen sind, haben wir es doch sehr nötig, von all dem gereinigt und erlöst zu werden, was dieses Bild verdunkelt und manchmal fast unkenntlich macht. Denken wir daran, daß wir nicht für uns allein leben, sondern daß andere Menschen das Zeugnis eines christlichen Lebens brauchen.

Zuerst ist mit unserem Leben Gott, unser Vater, in den Blick zu nehmen. Unser Leben soll ihn ehren, seine Güte und Weisheit den Menschen bezeugen, und wir sollen so dem Sinn unseres Daseins dienen.

Hören wir, was der Völkerapostel der Gemeinde in Kolossä in Phrygien, im westlichen Teil Kleinasiens, schreibt. Allgemein wird angenommen, daß er diesen Brief während seiner Gefangenschaft in Rom verfaßt hat. Es wurde ihm von Epaphras, der in seinem Auftrag in diesem Gebiet missionierte, von dem Eindringen einer Irrlehre berichtet. Dies nahm der Apostel zum Anlaß diesen Brief zu schreiben, denn ohne Zweifel sind Irrlehren in vielerlei Hinsicht für die Gemeinde gefährlich und erforderten eine Reaktion des Apostels.

Zunächst lesen wir:

“Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und Timotheus, der Bruder, den Heiligen und gläubigen Brüdern in Christus Jesus zu Kolossä. Gnade sei euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Wir danken Gott und dem Vater unseres Herrn Jesus Christus immerdar, für euch betend, da wir von eurem Glauben an Christus Jesus, und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen hegt, gehört haben, um der Hoffnung willen, die euch im Himmel aufbehalten ist, von welcher ihr gehört habt durch das Wort der Wahrheit des Evangeliums, welches zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt ist, und es bringt Frucht und nimmt zu, ebenso wie unter euch, von dem Tage an, da ihr gehört und die Gnade Gottes in Wahrheit erkannt habt, so wie ihr sie ja von Epaphras gelernt habt, unserem geliebten Mitdiener, welcher ein treuer Diener Christi Jesu für euch ist, der uns auch eure Liebe im Geiste kundgetan hat.”

Der Apostel, der zu Beginn des Briefes seine Legitimation durch Jesus Christus hervorhebt, kommt nicht gleich auf den sorgenvollen Anlaß des Briefes zu sprechen. Zunächst hebt er seine Dankbarkeit hervor, daß das Leben dieser Gemeinde sehr gute Früchte zeigt, indem sie den wahren Glauben lebt und die Liebe in dieser Gemeinde vorhanden ist. Es ist wichtig, so vorzugehen. Diese Gemeinden sind noch jung und bedürfen immer der Stärkung, indem man auch den Grund benennt, warum diese guten Früchte erkennbar sind. Das Wort der Wahrheit des Evangeliums ist zu ihnen gekommen, sie haben es erkannt und deshalb wächst die Frucht. Die Gemeinde bestand dort zumeist aus bekehrten Heiden mit einem kleineren Anteil an Juden, die den Messias erkannt hatten.

Diese Art des Umgangs mit der Gemeinde ist uns auch aus der Apokalypse bekannt, wenn wir die sieben Sendschreiben an die Gemeinden betrachten. Bei fünf Gemeinden betont der Herr zunächst ihre guten Seiten und ihre Treue, bevor er bei drei von ihnen das anspricht, was dringend der Veränderung bedarf. Nur die Gemeinden von Sardes und Laodicea werden vom erhöhten Herrn direkt auf ihr Fehlverhalten angesprochen und dringend zur Umkehr ermahnt.

Paulus sichert der Gemeinde sein Gebet zu, damit sie sich getragen weiß und der Apostel auf diese Weise immer mit ihnen verbunden ist. So heißt es in diesem Brief weiter:

“Deshalb hören auch wir von dem Tage an, da wir es vernommen haben, nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllt werden möget mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistigen Weisheit und Einsicht, daß ihr Gottes würdig wandelt, ihm in allem wohlgefällig, indem ihr an jeglichem guten Werk Frucht bringt und wachset in der Erkenntnis Gottes; mit aller Kraft gestärkt, nach der Macht seiner Herrlichkeit, zu aller Standhaftigkeit und Langmut, mit Freuden.”

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/allerheiligen-5/#more-18874

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