Der Heilige Pfad der Fastenzeit | Tag 14 “Der Kampf gegen die Laster – Lustlosigkeit und Geltungssucht

Auf unserem Pfad, der uns zum Hohen Fest der Auferstehung führen soll, haben wir jeden Tag bewußt und in der Gnade unseres Herrn zurückzulegen. Dazu brauchen wir Ausdauer, und da mag uns manchmal ein Dämon begegnen, den die Wüstenväter »Akedia« oder »Mittagsdämon« genannt haben. Diese Akedia – auf Deutsch könnte man es mit Lustlosigkeit oder Trägheit übersetzen – ist verwandt mit der Traurigkeit, die wir gestern betrachtet haben. Besonders bedrängte sie die Mönche in der Wüste, aber auch uns kann sie belästigen, und es ist gut, wenigstens etwas über sie zu wissen.

  1. Der Kampf gegen Lustlosigkeit und Trägheit

Die Akedia kann sich auf verschiedene Weise auswirken – körperlich oder geistig. Manchmal sind auch junge Menschen davon betroffen. Sie haben wenig Motivation und sind heutzutage oft gefangen in all den Angeboten, welche die modernen Medien bieten.

»Müßiggang ist aller Laster Anfang«, sagt das deutsche Sprichwort treffend. Es ist also wichtig, sinnvolle Arbeit und Gutes zu tun.

Das Wort des Heiligen Paulus: “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” (2 Thess 3,10), hat die Mönche veranlaßt, sich immer sinnvoll zu beschäftigen, um nicht von diesem »Mittagsdämon« angefallen zu werden, der die Aufmerksamkeit auf Gott hin stören will und alles schwer und widrig zu machen versucht. Einher gehen Anfechtungen der Sinnlosigkeit, Unlust zum Gebet, zur Arbeit usw.

Sicherlich ist auch Wachsamkeit geboten, wenn man in das Gegenteil verfällt, in Arbeitswut oder Überbeschäftigung, die sich auch negativ auf das geistliche Leben auswirken können.

In Ägypten (dort wo sich die ersten Gemeinschaften der Wüstenväter formten) galt von alters her der Grundsatz:

»Ein Mönch, der arbeitet, wird von einem Teufel gezwickt!

Ein arbeitsscheuer wird von zahllosen Dämonen überfallen!«

Die Akedia bekämpft man, indem man eine klare Willensentscheidung trifft und gleichzeitig die Hilfe Gottes erbittet. Dabei kann es vorkommen, daß man sich selbst zunächst zur Einsicht bringen muß, daß die Trägheit sich sehr negativ auf das Leben auswirkt. Wenn diese Akedia mit der Tristitia verbunden ist, dann gilt es, beide Laster mit der Hilfe Gottes zurückzuweisen.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, daß ich mich – was die Bekämpfung dieser beiden Laster betrifft – an seelisch gesunde Menschen wende, zumindest an solche, die nicht direkt unter einer psychischen Krankheit leiden. Bei letzteren bedarf es sicher einer sehr viel genaueren Analyse der Ursachen und somit wohl auch einer differenzierteren Art, mit diesen Lastern umzugehen.

  1. Der Kampf gegen die Geltungssucht, die eitle Ruhmsucht

Dieses Laster ist einerseits weit verbreitet, andererseits schwer zu erkennen. Es macht sich in der Regel nicht so offen bemerkbar und kann sich sehr gut hinter allen möglichen Umständen verbergen. Besonders schwierig ist es, wenn sich die Ruhmsucht im religiösen Leben zeigt. Dies war die Versuchung, der manche Schriftgelehrte erlegen sind, wie es uns der Herr im Evangelium mehrmals deutlich macht (vgl. Mt 23,1-12).

Wenn man etwas bekämpfen will, muß man es zuerst erkennen; und ich füge hinzu: erkennen wollen. Denn hier kann uns der Stolz im Wege stehen, über den wir eigens noch zu sprechen haben.

Johannes Cassian schreibt darüber: “Es ist nichts so herrlich, tugendkräftig und fromm, was nicht Anlaß und Anreiz zur Ruhmsucht werden könnte. Wie eine unter den Wellen versteckte Klippe bringt sie dem unter günstigem Wind Segelnden, während er nicht auf der Hut ist und sich nicht vorsieht, einen plötzlichen und jammervollen Schiffbruch.”

Wie können wir der Ruhmsucht auf die Schliche kommen, da sie doch »wie ein vielgestaltiges und sich stets wandelndes Untier« ist? Auch der Psalmist drückt es drastisch aus: “Der Herr zerstreut die Gebeine derer, die Menschen zu gefallen suchen” (Ps 53,6).

Wichtig ist es, nicht die Augen vor dem Übel dieses Lasters zu verschließen, also eine Bereitschaft zur Selbsterkenntnis zu haben, um die wir den Herrn auch bitten sollten.

Einige einfache Fragen, anhand derer wir uns auf Ruhmsucht hin überprüfen können:

  • Gehören wir zu den Menschen, die gerne von sich selbst erzählen und dabei die eigenen guten Taten herausstellen?
  • Brüsten wir uns damit, daß wir bekannte Persönlichkeiten kennen (und sei es auch nur in der Vorstellung)? Das gilt auch für den religiösen Bereich (Kardinäle, Bischöfe, charismatische Größen usw.).
  • Reagieren wir überempfindlich, wenn wir meinen, unsere Ehre sei verletzt worden?
  • Sind wir sehr erpicht darauf, zu hören, was andere Menschen über uns sagen?

Es gäbe noch sehr viel mehr Kriterien zu nennen, die auf Ruhmsucht hindeuten können. Bei der Betrachtung über den Stolz wird manches nochmals zur Sprache kommen.

Wir kennen gut den Rat des Herrn, wie wir mit der Ruhmsucht umzugehen haben (Mt 6,3.6.17), nämlich die Dinge mit Blick auf Gott im Verborgenen zu tun, wie ich es am dritten Tag der Betrachtungen beschrieben habe. Wir sollten weder auffallen noch gefallen wollen, sondern den Zeitpunkt wahrnehmen, wann z.B. in einem Gespräch unser Beitrag gefragt ist, und sollten uns nicht vordrängen und alles an uns ziehen.

Johannes Cassian erwähnt, daß alle anderen Fehler schwächer werden, je öfter man sie überwindet. Das Laster der Ruhmsucht hingegen greift – einmal in den Blick genommen – noch härter an.

Umso wichtiger ist es, diesem Laster wirklich nachzugehen und es mit Gottes Hilfe zu überwinden.

Link zur Meditation über die Lesung von heute: https://elijamission.net/2022/03/15/

Link zur Meditation des Tagesevangeliums: https://elijamission.net/2021/03/02/

 

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