Der Heilige Bonaventura – Der seraphische Lehrer (1221 bei Viterbo – 1274 in Lyon)

Eine der »Leuchten am kirchlichen Himmel«, wie die Heiligen auch bezeichnet werden, ist der Heilige Bonaventura. Im Alten Ritus wird sein Fest am 14. Juli gefeiert, im Neuen Ritus einen Tag später.

Er war ein Mann, der reiche Gaben des Verstandes und des Geistes besaß und diese ganz für das Reich Gottes einsetzte. Er wurde um 1221 in Bagnoregio bei Viterbo in Italien geboren und starb am 15. Juli 1274 in Lyon, Frankreich. Er war ein Schriftgelehrter, der wie die Sonne leuchtete (vgl. Mt 13,43). Aufgrund seiner glühenden Liebe zum Herrn nannte man ihn den »seraphischen Lehrer«.

Der Heilige Bonaventura wurde als Kind – so wird erzählt – von Gott durch den Segen des Heiligen Franziskus geheilt. Dieselbe Quelle berichtet, daß er seinen Namen ebenfalls von Franziskus bekommen hat. Die Mutter brachte das geheilte Kind zu dem sterbenden Franziskus, der ausrief: “Oh, buona ventura!” – oh, gute Fügung! Dies wurde später sein franziskanischer Ordensname – Bonaventura.

Dreh- und Angelpunkt seines Denkens und Glaubens ist das Wort Gottes als Quelle der Gotteserkenntnis, als Garten, in dem wir Nahrung finden, als das Herz Gottes, als Mund, Zunge und Griffel Gottes. Seiner Meinung nach sollte man jedoch darauf achten, nicht zu viel “philosophisches Wasser” in den“Wein der Heiligen Schrift” zu gießen. Papst Leo XIII. nannte den Heiligen Bonaventura den »Fürst aller Mystiker«.

Man könnte nun sehr viele Begebenheiten aus seinem reichen und fruchtbaren Leben aufzählen: wie er den Orden der Franziskaner führte, wie er Gregor X. als Papst vorschlug, der dann auch gewählt wurde, wie Papst Gregor ihn zum Kardinal und Bischof ernannte, wie er das zweite Konzil von Lyon vorbereitete und bis zu seinem Tod leitete, und vieles mehr.

Wir wollen uns jedoch mehr seinen geistlichen Einsichten widmen und etwas von seiner inneren Gotteserfahrung verkosten.

Es gibt ein wunderbares Wort des Heiligen Bonaventura über die Musik. Da die täglichen Betrachtungen immer durch die Gesänge von Harpa Dei bereichert werden und wir heute den vom Heiligen Bonaventura geschriebenen Hymnus zum Heiligsten Herzen Jesu hören, sei dieses Wort vorangestellt:

“Den Sterbenden ist die Musik verschwistert, sie ist der erste süße Laut vom fernen Jenseits, und die Muse des Gesangs ist die mystische Schwester, die zum Himmel zeigt.”

 

Hören wir einen Auszug des Textes dieses Hymnus:

 

“O Herz, Du Lade, deren Schrein die Tafeln des Gesetzes birgt.

Doch nicht der Knechtschaft, nein des Heils, der Huld und der Barmherzigkeit.

 

Die Liebe wollte, daß in Dir der Speerstoß eine Wunde riß;

so ehren fromm die Liebe wir, die sich in diesen Wunden birgt.

 

Wer liebt nicht den, der so geliebt; wer liebt ihn nicht, der uns erlöst?

Wer möcht’ nicht wohnen immerdar in dieses Herzens heerem Zelt?”

 

Wie alle wahren Mystiker, war auch der Heilige Bonaventura in Liebe entflammt. Sie ist das Feuer, das in unseren Herzen brennt und alles verzehrt, was ihr im Weg steht.

In dieser Liebe vermögen wir “die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt.” (Eph 3,18–19)

Der Heilige Bonaventura schenkt uns folgenden Text, der aus seinem Büchlein stammt: “Der Weg des Geistes zu Gott”:

“Christus ist der Weg und die Tür. Christus ist die Leiter, er ist das Gefährt, gleichsam der Gnadenthron auf der Bundeslade; er ist das Geheimnis, das seit ewigen Zeiten verborgen war (vgl. Kol 1,26).

Der Heilige lädt uns ein, den Gekreuzigten “mit Glauben, Hoffnung, Liebe, Hingabe, Bewunderung und Freude, Wertschätzung, Lob und Jubel” anzuschauen und so den Übergang zum inneren Leben zu vollziehen.

Im mystischen Leben, also in der innerlichen Gotteserfahrung, ist nicht der menschliche Verstand der Führer, sondern der Heilige Geist, der das Feuer der Liebe in uns entzündet. Dieses Feuer soll uns “bis ins Mark hinein entflammen”.

“Fragst du, wie das geschieht, dann frage die Gnade, nicht die Lehre; die Sehnsucht, nicht den Verstand; das Stammeln des Gebetes, nicht das Studium der Lesung; den Bräutigam, nicht den Lehrer; Gott, nicht den Menschen; die Glut, nicht die Helligkeit; nicht das Licht, sondern das Feuer, das die Seele ganz entflammt und in ekstatischer Ergriffenheit und in glühenden Gemütsbewegungen zu Gott hinüberträgt. Dieses Feuer ist Gott selbst, der in Zion einen Feuerherd hat (Jes 31,9) (…).  Kein Mensch kann Gott sehen und am Leben bleiben (Ex 33,20). Laßt uns also sterben und in das Dunkel hineingehen. Laßt uns den Sorgen, Begierden und Einbildungen Schweigen gebieten. Laßt uns mit dem gekreuzigten Christus aus dieser Welt zum Vater hinübergehen, auf daß er uns den Vater zeige und wir mit dem Apostel Philippus sagen können: ‘Das genügt uns’ (Joh 14,8).”

Beim Heiligen Bonaventura verbindet sich Gelehrsamkeit mit der Fähigkeit, zu führen und zu  ordnen. Gespeist wird sein Leben von der innigsten Begegnung mit dem Gekreuzigten, der sein Herz durch den Heiligen Geist mit großer Liebe entflammte. Gesunde Mystik und Tätigkeiten ergänzen sich sehr gut, wie man es bei diesem gelehrten Heiligen wahrnehmen kann. Ein großer Dank an den Herrn für das Geschenk dieses Heiligen! Und an den Heiligen Bonaventura, daß er seinem Ruf gefolgt ist!

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/202/4/2/

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/202/5/2/

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