DIE HEILIGE THEODORUS VON HERAKLEA: »Der Drachentöter«      

Die zahlreichen aufgezeichneten Heiligengeschichten sind sehr reichhaltig und stellen uns jene Menschen vor Augen, die ihren Glauben durch ein überzeugendes Leben der Nachfolge unseres Herrn konsequent gelebt haben. Sicherlich gibt es darunter viele Berichte, in denen uns die Radikalität der Heiligen erschrecken könnte. Manche Heilige sind dadurch mehr zu bewundern als nachzuahmen.

Eines sollte uns jedoch immer gegenwärtig sein, und das würden diese wunderbaren Menschen auch unterstreichen: Es ist immer die Gnade unseres himmlischen Vaters, die sie befähigt hat, die außergewöhnlichsten Dinge zu tun: Seien es die unermüdlichen Missionare, die sich nicht scheuten, bis ans Ende der Erde zu gehen, um das Evangelium zu verkünden; seien es diejenigen, die bis zur völligen Selbstverleugnung die Werke der Barmherzigkeit vollbracht haben, seien es Mönche, die in strenger Ordenszucht des Mönchswesens, in der sie dienten und zum Aufbau der Kirche beitrugen. Nicht zu vergessen sind jene Heilige, die mehr verborgen, aber nicht weniger fruchtbar, unserem Herrn in heroischer Pflichterfüllung dienten. Immer ist es die Gegenwart unseres Herrn, welche die Menschen zu Heiligen formt. In diesem Sinne ist das Leben jedes Heiligen, von dem wir hören, auch eine an uns gerichtete Botschaft Christi, die wir lesen sollten. Sie kann uns dazu aufrufen, den Weg zu gehen, den Gott für uns bereitet hat, und uns ermutigen, unserem Ruf zur Heiligkeit zu entsprechen.

Heute begegnen wir in dem heiligen Fürsten Theodorus von Heraklea einem der Märtyrer der frühen Kirche († 7. Februar 319). Es werden vom heiligen Theodorus sehr viele ruhmreiche Taten erzählt. Den Ehrennamen »der Drachentöter« trägt er, weil in der Heiligenlegende folgende Geschichte über ihn niedergeschrieben ist.

“Bei Euchaida soll er einen ungeheuren Drachen erschlagen haben. Dieses Untier ängstigte die ganze Gegend, fraß viel Vieh weg, und bedrohte sogar Menschen. Das Volk schrie zu Theodorus um Hilfe. Aber der heilige Fürst schrie um Hilfe zu Gott. Es geschah, daß ihn, während er lange und inbrünstig betete, der Schlaf überwältigte. Im Schlaf erschien ihm der Engel Gottes, der ihn ermahnte, den Drachen anzugreifen im Namen des Herrn und zu erschlagen. Der Heilige stand sogleich auf, bestieg sein Pferd, und trug ein goldenes Kreuz in seiner Hand. Vor der Höhle des Drachen betete er nochmals inbrünstig zu Gott, dann erhob er sich, und rief mit starker Stimme: „Komm heraus, du grimmiger Drache! Ich beschwöre dich durch den Namen des ewigen Königs, meines Herrn Jesus Christus.“ Ein dumpfes Gebrüll erscholl aus der Höhle, das Ungeheuer kroch hervor, und bereitete sich vor, einen gewaltigen Anfall auf den Ritter zu wagen. Allein Theodorus besann sich nicht lange, rannte pfeilschnell hinzu, und bohrte dem Drachen seinen Speer mitten in die Brust. Nach dieser Heldentat lobte er den Allerhöchsten, dankte für den Beistand des Himmels und ritt freudig wieder heim.

Selbst wenn man diese Geschichte ganz ins Reich der Fabeln verlegen würde, könnte man den Heldenmut dieses Heerführers einer römischen Garnison und Streiters Christi in vielen anderen Taten nicht übersehen. Er war ein heimlicher Christ, regierte als Fürst sehr umsichtig und schützte die Christen, die außerordentlich bedrängt wurden. Zugleich gewann er viele Menschen für den heiligen Glauben und schwächte so die »Kraft des Drachen«, der die heidnische Bevölkerung in Unwissenheit gefangenhielt.  Im Jahr 306 erschien das letzte kaiserliche Edikt gegen die Christen, das ihnen nur die Wahl ließ, entweder zu opfern oder zu sterben.

Kaiser Lizinius hatte zwar von den Heldentaten seines Soldaten Theodorus gehört, erfuhr aber gleichzeitig, daß er Christ war. Er wollte ihn nun nötigen, den römischen Götzen zu opfern. Doch der Heilige begegnete seinen Richtern furchtlos und bezeugte vor der ganzen Legion: “Ich war schon ein Soldat Christi, bevor ich Soldat der Kaiser geworden bin. Ich bete nur den Einen Gott und seinen eingeborenen Sohn an. Eure Götter sind nichts als böse Dämonen. Das ist mein Glaube, für den alles zu leiden ich bereit bin!

Aufgrund seiner Jugend und seiner furchtlosen Worte, die Eindruck hinterließen, wollte man Theodorus noch eine Frist geben, um seine Entscheidung zu überdenken. Man stellte ihm in Aussicht, daß er eine hohe soldatische Stellung bekäme und zum Priester der „Gottesmutter“ Cybele erhoben würde, wenn er den Götzen opfere.

Doch der Heilige ließ sich nicht auf die Lockungen und Versprechungen ein. Im Gegenteil: Er zertrümmerte Götzenbilder, gab das Gold und Silber davon den Armen und verbrannte das Götzenbild der Cybele. Als man ihn deswegen zur Rede stellte, sagte er: “Ich habe Holz angezündet, um die Macht eurer Göttin zu prüfen, deren Priester zu werden ich Aussicht hatte. Aber siehe, ihre Gottheit hat die Feuerprobe nicht bestanden!

Der Kaiser und die Richter wurden immer zorniger und dachten sich die grausamsten Qualen für Theodorus aus. Doch nichts konnte ihn erschüttern, und er ertrug alle Schmerzen und Grausamkeiten in der Kraft des Herrn, ohne jemals zu wanken. Er überlebte sogar eine Kreuzigung. Laut der Legende geschah dabei folgendes:

“Plötzlich schwebte in himmlischer Klarheit ein Engel herab, löste seine Bande und trug ihn sanft auf die Erde, sprechend: „Trost und Freude sei mit dir, o Theodorus! Siehe! Jesus Christus hat mich zu dir gesandt. Er ist und bleibt bei dir. Er hat es versprochen, der Wahrhaftige! Zum Zeichen dessen macht er dich ganz gesund. Der Engel verschwand, und allsogleich fühlte sich der Heilige völlig stark und munter.

Die beiden Abgeordneten des Kaisers, die ihn vom Kreuz abnehmen sollten, fanden ihn auf dem Marktplatz wieder, wo er voller Eifer predigte. Sie selbst und viele andere ließen sich taufen. Als der Kaiser das hörte, schickte er Bewaffnete, um Theodorus und die Neubekehrten töten zu lassen. Ein Teil dieser Soldaten bekehrte sich jedoch, der andere Teil kehrte unverrichteter Dinge zurück. Theodorus predigte weiter, und viele nahmen den Glauben an.

Der Kaiser schickte nun einen seiner Schergen, der Theodorus schließlich das Haupt abhieb.

Der Heilige starb als wahrer Kämpfer für das Reich Gottes und hielt dem wütenden Walten des »Drachens« stand, bis er seinen Kampf durch das heilige Martyrium vollendete.

Möge Gott uns beistehen, daß wir dem »Drachen«, der auch heute noch versucht, die Gläubigen zu verschlingen, in seiner Kraft widerstehen und wie Theodorus bereit sind, eher für das christliche Zeugnis zu sterben, als den Glauben zu verleugnen!

Betrachtung zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/eine-herde-ohne-hirten-2/

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