DER TOD VERLIERT DEN SCHRECKEN

“Der Tod hat keinen Schrecken für einen aufrichtigen Diener Christi, der daran arbeitet, Seelen zur Erkenntnis der Wahrheit zu führen.” (Seliger Ramon Llull)

Wenn wir auf das große Ziel zugehen, dem Herrn im Tod zu begegnen, ist es sehr tröstlich, wenn wir aufrichtig versucht haben, unseren Dienst im Weinberg des Herrn zu verrichten. Es gibt kaum etwas Wichtigeres, das wir auf der Erde tun können, als Menschen zu helfen, Gott zu finden und seine Wege zu gehen. Daraus kann uns jene Zuversicht erwachsen, wie man sie beim heiligen Paulus zu erkennen vermag. Er wußte, daß der Siegeskranz für ihn bereitliegt (vgl. 2 Tim 4,8).

Der Tod ist dann nicht mehr der große Unbekannte, vor dem man sich zu fürchten hat. Er wird immer mehr zum Tor des Übergangs in die Herrlichkeit und zu einer wertvollen Mahnung, in den Bemühungen um das Heil der Seelen nicht nachzulassen. Denn wer – außer Gott selbst – weiß, wie viel Zeit uns noch bleibt?

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VERTRAUE AUF MEINE ERBARMUNGEN

“Laß also keinen Schrecken und keine Furcht dein Herz bemeistern. Glaube an mich und vertraue auf meine Erbarmungen!” (Thomas von Kempen, Nachfolge Christi, III, 30)

Es gibt viele Umstände, die sich unseres Herzens bemächtigen wollen – Furcht und Schrecken gehören dazu Sie können den Menschen ganz in ihren Bann ziehen oder ihm zumindest die innere Ruhe rauben.

Aus Erzählungen und Berichten wissen wir ja, daß man bei kriegerischen Auseinandersetzungen nicht selten versucht, bewußt Furcht und Schrecken zu verbreiten, um den Gegner vor dem konkreten Kampf einzuschüchtern und dies als Kampfwaffe zu nutzen. Wird dies erreicht, dann wird die Kampfkraft des Gegners geschwächt und sein Mut kann sinken.

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GOTTES VERLANGEN NACH OFFENEN HERZEN

 

“Nichts ist mir unmöglich! Wenn ich ein offenes Herz finde, dann möchte ich alles schenken und durch dieses auch andere Menschen beschenken.” (Inneres Wort)

Wie sehr verlangt es unseren Vater danach, offene Herzen zu finden! Vielleicht können wir uns das gar nicht vorstellen, weil Gott sich doch selbst genügt. Es ist wahr: Gott ist vollkommen und bedarf unserer Liebe nicht, um etwa noch vollkommener zu werden. Und doch ….

Unser Vater ersehnt diese Liebe, die er selbst ist. Gott verlangt danach, jenen Geschöpfen, die er zu seinen Kindern gemacht hat, all das mitzuteilen, was er ihnen schenken möchte. Das ist unendlich und unvorstellbar viel. Doch dafür braucht es ein offenes Herz, um es aufzunehmen.

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NICHT DIE LIEBE GOTTES VERSCHMÄHEN

“Kehrt um, bevor es zu spät ist! Verschmäht meine Liebe nicht! Sie hält meinen Zorn zurück.” (Inneres Wort)

Wenn wir auch in der Betrachtung der Liebe unseres Vaters seine Barmherzigkeit so sehr zu erkennen vermögen, daß wir uns kaum vorstellen können, daß Menschen sich nicht mit dem Netz der Liebe fangen lassen, das der Sohn Gottes auf der Erde ausgeworfen hat, so darf dies im Umgang mit Gott doch nicht zu einem ungesunden Leichtsinn führen.

Immer erklingt der Ruf zur Umkehr: sei es von einem sündigen Leben zur Heimkehr zu Gott, wie beim verlorenen Sohn (Lk 15,11–32), sei es zur vertieften Umkehr auf dem Weg der Heiligkeit. “Die Liebe hört niemals auf” (1 Kor 13,8), wie es uns der Apostel Paulus so trefflich vor Augen stellt. Und was ist der Ruf zur Umkehr anderes, als sich der Liebe Gottes zuzuwenden, die Wege des Unheils oder auch der Lauheit zu verlassen und in der Liebe zu wachsen?

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KEIN ZÖGERN!

“Komm, mein Sohn, komm! Geh, mein Sohn, geh, aber zögere nicht!” (Inneres Wort)

Immer sind wir gerufen, zu Gott zu kommen und mit dem Herzen nach unserem Vater Ausschau zu halten. Auch wenn Gott schon in unseren Herzen Wohnung genommen hat, will die Vereinigung mit dem Herrn doch jeden Tag durch die Pflege der Liebe vertieft werden. Hinzu kommt, daß noch ein letztes Kennenlernen von Gottes Liebe und Herrlichkeit vor uns liegt, wie es uns der Apostel Paulus bezeugt:

“Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.” (1 Kor 13,12)

Im Vaterbüchlein wird es so ausgedrückt:

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AUF GOTT SCHAUEN

“Schau nicht so sehr auf deine Schwächen und Begrenzungen, sondern auf mich, der dich gerufen hat und an dir festhält, komme, was da wolle.” (Inneres Wort)

Auf unserem Weg der Nachfolge ist dieses Wort eine wichtige Orientierung. Manchmal kann es geschehen, daß uns der Mut sinkt, wenn wir unsere Schwächen und Begrenzungen wahrnehmen. Die eigene Unfähigkeit zu ertragen, ist in der Tat nicht so einfach. Wir können dann nur schwer aus der eigenen Kraft schöpfen und wirken vielleicht sogar wie gelähmt.

Doch hier gilt es, den Blick auf unseren Vater zu richten und uns immer wieder klar zu werden, daß Gott uns gerufen hat und von seiner Seite aus alles getan wird, um uns sicher auf den Weg in die Ewigkeit zu führen. Das ist es, was uns durchträgt, wenn wir an uns selbst arges Ungenügen finden. Dies hilft uns zugleich, den Schwerpunkt unseres Lebens zu verlagern. Denn ob wir nun zu selbstsicher oder zu unsicher sind: Beides bindet uns an die eigene Person.

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ALS SÖHNE UND TÖCHTER DES VATERS LEBEN

“[…] Ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Herrscher über die ganze Schöpfung.” (2 Kor 6,18)

Im Vaterbüchlein von Madre Eugenia werden diese heiligen Worte des Neuen Testaments vergegenwärtigt: “Ich habe euch mit dem wahren Geist des neuen Gesetzes ausgestattet.” Damit ist der neue Bund gemeint, den der Herr durch das Kommen seines Sohnes mit den Seinen geschlossen hat. “Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.” (Joh 1,17)

So sind nach den Worten des Vaters alle Menschen zu jener Würde erhoben, die Kindern Gottes gebührt.

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