Die Lesungen des heutigen Tages konfrontieren uns sehr konkret mit den Tiefen des menschlichen Herzens und mit den bösen Taten, die aus ihm hervorgehen. Wir hören zunächst einen Teil der Geschichte von Joseph und seinen Brüdern (Gen 37,6–22). Josephs Brüder merkten, daß ihr Vater Jakob Joseph am meisten liebte. Er war es, der ihrem Vater hinterbrachte, was sie Böses taten, als sie die Schafe und Ziegen weideten. Darum “haßten sie ihn und konnten mit ihm kein gutes Wort mehr reden” (Gen 37,4). Ihr Herz wurde immer finsterer, und als ihnen Joseph arglos zwei prophetische Träume erzählte, die darauf hinwiesen, daß sie sich eines Tages vor ihm verneigen würden, steigerte dies ihre Eifersucht noch. Als sich eine günstige Gelegenheit bot, beschlossen sie, ihn zu töten. Nur einer der Brüder, Ruben, wollte ihn aus ihrer Hand retten und zu seinem Vater zurückbringen. Er erwirkte, daß sie ihn in eine Zisterne in der Steppe warfen und sein Blut nicht vergossen (Gen 37,22).
Gestern schon hatten wir über das Wort des Propheten Jeremia nachgedacht, daß unser Herz arglistig ist, und auch auf ein entsprechendes Wort des Herrn aufmerksam gemacht, daß das Böse aus unserem Herzen kommt (Mt 15,19). Heute wird uns das Beispiel der Familie Jakobs vor Augen gestellt. Die Brüder Josephs scheuten sich nicht, ihren Bruder sogar töten zu wollen. Der Brudermord reicht ja bis auf Kain und Abel zurück und durchzieht unsere ganze Menschheitsgeschichte. Es ist nicht so, daß die Menschen nur ihre Feinde hassen, sondern das Herz kann so verdorben sein, daß dem eigenen Bruder (und damit sind alle Menschen gemeint, die uns besonders nahestehen) Böses angetan wird.
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