PATER NOSTER (III):  »Dein Reich komme«

“Dein Reich komme!” (Mt 6,10)

Ist es ein schöner Traum, das Reich Gottes hier auf der Erde errichten zu wollen, oder einfach nur ein frommer Wunsch? Oder eine Verheißung, die noch auf ihre Erfüllung wartet? Oder nur eine Erinnerung an das verlorene Paradies?

Jesus hat uns dieses Gebet gelehrt, und es wird auf dem ganzen Erdkreis gebetet. Es kann also keine Illusion sein, sondern ist ein Flehen zu Gott, daß doch dieses, sein Reich, welches im Himmel tatsächlich existiert, auch auf der Erde verwirklicht wird.

Die Verwirklichung liegt an uns Menschen, denn die Voraussetzungen für dieses Reich sind bereits geschaffen. Wohl wird es zunächst durch die Gnade Gottes im Inneren des Menschen errichtet werden. Wenn wir die Einladung Gottes annehmen, seine Liebe aufnehmen und nach seinen Weisungen leben, dann verwirklicht sich das Reich Gottes im Inneren des Menschen. Der Friede mit Gott bewirkt in der Folge die Möglichkeit, mit anderen Menschen in Frieden zu leben, soweit es von uns abhängt! Das geschieht aus Gnade, denn wenn wir die Weise des Herrn annehmen, können wir zu Friedensstiftern werden.

Eigentlich ist es nicht so schwer. Sicherlich werden wir immer wieder Ansätze dieses Reiches auch unter den Menschen erkennen. Wo Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet wird, ist der Same gelegt.

Und dennoch?!

Im Vaterbüchlein fragt Gott selbst: “Ist mein Reich gekommen?”

Und wir müssen aufrichtig antworten: “Kaum erkennbar, vielleicht hier und da!”

Sicher wird zum Reich Gottes wahrer Friede gehören. Dieser hat sich noch nicht auf der Erde ausgebreitet, und doch spricht die Heilige Schrift davon: “Er setzt den Kriegen ein Ende, bis an die Grenzen der Erde, er zerbricht die Bogen, zerschlägt die Lanzen, im Feuer verbrennt er die Schilde” (Ps 46,10).