Mit Recht, geliebter Vater, hat sich Dein Sohn erzürnt, daß im Tempel Geschäfte gemacht wurden, und somit nicht der eigentlichen Schönheit und Würde des Tempels entsprochen wurde. Dein Sohn hat sogar von einer »Räuberhöhle« gesprochen und hat die Händler und Geldwechsler vertrieben (Joh 2,14–21).
Dein Haus, geliebter Vater, soll ein Gebetshaus sein, ein bevorzugter Ort der Begegnung mit Dir. Für uns kann es schon ein kleiner Vorgeschmack des Himmels sein, wenn wir dann in der Anschauung Deiner Herrlichkeit der Schönheit aller Schönheiten begegnen.
Noch gibt es herrliche Kirchen, die mit großer Liebe erbaut wurden, um Dich zu ehren, das heilige Opfer darzubringen und die Gläubigen in eine Atmosphäre der Stille und Andacht zu rufen. Sie sollten unvergleichliche Orte sein, Orte, an denen wir Menschen uns von der Größe Deiner Liebe umfangen wissen.
Sind diese Orte heute noch so? Oder sind nicht häufig Lärm und Geschwätz eingezogen und manches, was dort nicht hingehört? Finden wir noch Tempel, die leicht Ehrfurcht in uns erwecken?
Und wie ist es mit unserem inneren Tempel, in dem Du wohnen sollst? Möge er doch mit dem Einzug Deiner Liebe eine tiefgreifende Reinigung erfahren. So wie die Liebe Deinen Sohn dazu drängte, die Händler zu vertreiben, so möge der Heilige Geist auch alles aus unserem inneren Tempel vertreiben, was dort nicht hingehört. Unser Herz soll doch Dein Haus sein, in dem wir Dir begegnen – ein bevorzugter Ort der Liebe zwischen Dir und uns. Nichts darf diese Liebe eintrüben. Deshalb bitten wir um die Reinigung unseres inneren Tempels, damit dort wahrhaft die Liebe wohnt und Du sagen kannst:
“Alles an dir ist schön, meine Freundin, kein Makel haftet dir an. Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch!” (Hld 4,7.2,13)
