“Du mußt das Wort »Entmutigung« aus deinem Wörterbuch streichen. Je mehr du deine Schwäche spürst, […] erinnere dich, daß ein Abgrund dem anderen zuruft (vgl. Ps 42,8), daß der Abgrund deines Elends den Abgrund seiner Barmherzigkeit anzieht.” (Heilige Elisabeth von der Dreifaltigkeit)
Die Lehrer des geistlichen Lebens haben uns viele Worte des Trostes und der Stärkung hinterlassen, und das Thema, wie wir mit unseren Schwächen umgehen sollen, steht dabei oft ganz oben. Es ist für uns Menschen auch nicht so leicht, damit umzugehen. Unsere diversen Schwächen erinnern uns immer wieder an unsere Grenzen und machen uns auf verschiedenen Ebenen zu schaffen. Am liebsten würden wir unseren Weg einfach geradeaus und ohne große Hindernisse zurücklegen. Doch die Schwächen halten uns auf und wollen uns entmutigen, besonders wenn wir keine Fortschritte zu erkennen vermögen.
Genau hier aber wird das gegebene Wort wirksam und erinnert uns daran, daß wir in unserer Schwäche nicht alleingelassen sind. Gerade die Schwächen sind es, die uns lehren, die Liebe unseres Vaters anzurufen, der sie nicht nur kennt, sondern sie sogar in den Heilsplan seiner Liebe einzufügen weiß. Er nutzt den Umstand und ruft sich selbst auch durch unsere Schwächen in Erinnerung. Durch diese Erinnerung wird uns dann die Liebe unseres Vaters bewußter: wie geduldig Gott mit uns ist und wie bereit er ist, uns immer zu stützen.
Zu den berührendsten Liebesgeheimnissen Gottes gehört, daß er sich gerade das Schwache und Hilflose in der Welt erwählt hat (vgl. 1 Kor 1,27–28), um seine Liebe zu bezeugen. So dient auch unsere persönliche Schwäche dazu, den Abgrund seiner Barmherzigkeit anzuziehen. Welchen Grund soll es da noch geben, sich entmutigen zu lassen, bei einem so liebevollen göttlichen Vater?
