GOTT IST DER WAHRE LOHN

“Die Seele, die Gott liebt, sucht keinen anderen Lohn für ihre Liebe als Gott selbst. Sucht sie aber einen anderen Lohn, dann liebt sie diesen Lohn, nicht aber Gott.” (Bernhard von Clairvaux)

Ein weises Wort des heiligen Bernhard, das uns einlädt, unsere Liebe zu Gott immer reiner werden zu lassen.

Auch wenn uns der Lohn des Herrn keineswegs vorenthalten wird, sondern uns durch ein Wort der Heiligen Schrift zugesichert ist (vgl. Mt 6,33), wird doch die erwachte Liebe zu unserem himmlischen Vater zuerst ihn selbst suchen und den zu erwartenden Lohn vergessen oder zumindest ganz in den Hintergrund treten lassen.

Unser Vater und seine Liebe sind für Zeit und Ewigkeit unser Ziel und unser wahrer Lohn, den nichts zerstören kann, wenn wir unseren Lauf in ihm vollenden.

Wenn wir unserem Herrn bewußt nachfolgen, haben wir bestimmt schon die entsprechenden Entscheidungen getroffen, ihn in allem zu suchen und nicht zuerst an unseren Lohn zu denken.

Doch auf unserem geistlichen Weg wird unsere Liebe immer stärker und immer feiner. Sie durchdringt alle Formen des verborgenen Selbstbesitzes, der die ganze Entfaltung der Liebe beeinträchtigt. In diesem Selbstbesitz wirkt noch – vielleicht nicht so bewußt – ein gewisser Anspruch und auch ein gewisses »Recht auf Belohnung«. Das mag vielleicht nicht leicht erkennbar sein, aber es wird sich erst dann vollständig auflösen, wenn wir unser Leben Tag für Tag ganz Gott schenken und uns seiner Liebe immer bewußter werden.

Wir können den Geist des Herrn bitten: “Dring bis auf der Seele Grund!” (aus der Pfingstsequenz), um alles auszuräumen, was dem Wachstum der Liebe noch im Wege steht. Zweifellos wird der Herr ein solches Gebet erhören, und unsere Liebe zu ihm wird immer tiefer und unsere Empfänglichkeit für seine Liebe immer größer werden.