Sehr bewegend, lieber Vater, ist die Geschichte um Daniel, den die Götzendiener in die Löwengrube warfen, weil er ihre Götzen entlarvt und auch ihre List, mit der sie König Kyrus täuschten, aufgedeckt hat.
Und die Löwen? Sie taten Daniel nichts an, wie es auch öfter bei Heiligen geschah, zum Beispiel bei der Heiligen Martina von Rom.
Es ist schon erstaunlich, daß Du Dir diese wilden Tiere manchmal als Werkzeuge Deines Handelns erwählst. Dabei sollten die Löwen doch auf Geheiß der Götzendiener ihren bösen Absichten dienen und den verschlingen, der Dich bezeugte. Hinzu kam, daß sie auch den König und seine Familie mit dem Tod bedroht hatten, wenn er ihnen David nicht auslieferte.
Doch was geschah? Du ließest die bösen Absichten der Götzendiener nicht gelingen, sodaß die wilden Tiere nicht für das Verbrechen mißbraucht werden konnten, sondern zum Instrument der Bestrafung der Verbrecher wurden. Die Folge war, daß König Kyrus ausrief: “Alle Bewohner der Erde sollen den Gott Daniels fürchten. Denn er ist der Retter, der Zeichen und Wunder tut auf Erden. Er, der den Daniel befreit hat aus der Löwengrube” (Dan 14,42).
So hast Du oft gehandelt, daß Du das Böse in den Dienst genommen hast, um etwas nach Deinem Plan geschehen zu lassen.
Das, lieber Vater, müßte uns doch Vertrauen in allen Lebenssituationen schenken. Liebevoll hast Du Daniel noch durch Habakuk ein Mahl bringen lassen; und so schön hat er geantwortet: “O Gott, so hast Du also meiner gedacht! Du läßt die nicht im Stich, die Dich lieben” (Dan 14,38).
Das, lieber Vater, sprechen wir Daniel nach – in welche »Löwengrube« wir auch immer geraten sollten! Du kannst auch die »Löwen« zähmen und sie zu Boten Deiner Gerechtigkeit werden lassen.
