Geliebte Magdalena, da bist du schon früh ans Grab des Herrn geeilt, um ihn zu beweinen, und konntest gar nicht ahnen, was dir dort geschehen wird. Dein Herz war voller Trauer. Man hatte dir deinen liebsten Herrn genommen und so grausam zu Tode gebracht. Wer konnte dich da noch trösten?
Du standest da und ließest Deinen Tränen freien Lauf. Doch als Du ins Grab schautest, berichtet uns die Schrift: “Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sprachen zu ihr: Frau, warum weinst Du?” (Joh 20,12).
Jetzt bist du mehr als verwundert! Wo soll Dein Herr sein? Und was bedeuten die zwei Engel in weißen Kleidern? Wissen sie, wo der Herr ist? Warum ist er nicht mehr an dem Platz, wo sie ihn begraben hatten?
Und dann sieht du noch jemand stehen! Wer ist das? Der Gärtner? Ob er dir sagen kann, wo Jesus ist? Hat er ihn weggetragen? Auch dieser Mann fragt dich, warum du weinst (Joh 20,15). Wieso wirst du das gefragt? Jeder trauert doch um jene, die von ihm gehen und die er geliebt hat.
Doch dann wirst du mit deinem Namen angesprochen und du erkennst die Stimme: “Maria!” (Joh 20,16)! Wie oft hattest du diese Stimme gehört? Wie oft hat sie dein Herz entflammt! Niemand konnte so deinen Namen sagen wie Er.
Diese Vertrautheit der Liebe des Meisters, der sie so gut kannte, vor dem sie nichts verbergen mußte, der sie besser verstand, als sie sich selbst! Er war es! Wie war das möglich?
Aber Maria Magdalena dachte nicht weiter nach. Ihr Herz flog Jesus zu.“Rabbuni, Meister!” (Joh 20,16)! Es gab keinen Zweifel für sie. Die Liebe hatte alles hinweggenommen. Es war der Herr. Er war es!
Gerne hätte sie ihn vor Freude umschlungen und ihm tausend Worte ihres Herzens gesagt. Doch der Herr ließ es nicht zu: “Rühre mich nicht an; denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater.” (Joh 20,17a)! Wie konnte sie das verstehen? Das mußte sie auch nicht. Sie wird es später verstehen.
Und der Herr schickte sie zu seinen Jüngern. Sie sollte Zeugnis ablegen und ihnen sagen:
“Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott” (Joh 20,17b).
So, liebste Magdalena, hat sich alles an diesem einen Tag für dich verändert. Untröstlich warst du über den Tod deines geliebten Meisters. Jetzt bist du die Botin seiner Auferstehung und verkündest: “Ich habe den Herrn gesehen” (Joh 20,18).
Er hat deine Trauer in Freude verwandelt und das Wort aus dem Johannesevangelium wurde buchstäblich an dir wahr: “So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand wird euch eure Freude nehmen” (Joh 16,22).
Was können wir auf unseren Weg mitnehmen, liebste Botin des Herrn?
Die Begegnung mit dem Auferstandenen kann auch unsere Trauer in Freude verwandeln. Wir wissen: Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern das Leben. Nicht die Trauer, sondern die Freude. Die Freude an Dir, geliebter Gott – jetzt und in Ewigkeit! So werden auch wir zu Boten der Auferstehung Christi. Halleluja.
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/2023-die-zeit-des-aufatmens/#more-11463
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/hindernisse-fuer-den-glauben-2/#more-14053
