“Die Keuschheit wacht über die Schönheit der Seele.” (Inspiriertes Wort)
Mystiker beschreiben häufig die ursprüngliche Schönheit der Seele, voller Entzücken darüber, wie wunderbar der Herr das Werk der Erschaffung des Menschen vollbracht hat. Gregor von Nazianz beschreibt dies folgendermaßen:
“Nicht der Himmel ist nach dem Bilde Gottes geschaffen worden, nicht der Mond, nicht die Sonne, nicht die Schönheit der Sterne, nichts anderes, was es in der Schöpfung gibt. Nur du, die menschliche Seele, bist Bild der Natur geworden, die allen Verstand übersteigt, Ebenbild unvergänglicher Schönheit, Abdruck wahrer Göttlichkeit, ein Sammelbecken des seligen Lebens, Abbild des wahren Lichtes.”
Diese ursprüngliche, unschuldige Schönheit der Seele ist aufgrund der Sünde nicht unverletzt geblieben. Doch unser Vater hat nicht geruht, unsere Seele durch das Blut seines Sohnes reinzuwaschen (vgl. Apk 7,14) und sie in ihrer Schönheit wieder erblühen zu lassen.
Jetzt sind wir gerufen, diese Schönheit zu bewahren. Dabei kommt uns die Tugend der Keuschheit zu Hilfe. So wie die Keuschheit darüber wacht, daß wir uns nicht den Versuchungen des Leibes ergeben und dadurch tiefe Verletzungen erfahren, uns beflecken und so die Schönheit der Jungfräulichkeit verlieren, so wacht sie auch über unsere Seele. Als Hüterin unserer Seele bewahrt sie uns davor, uns von falschen Gedanken oder Irrlehren irreführen zu lassen. Stattdessen festigt sie uns in der Wahrheit der Heiligen Schrift und der Lehre der Kirche. Denn die von Gott abweichenden Lehren fügen auch der Seele und dem Geist tiefe Verletzungen zu, verunreinigen sie und verdunkeln ihr Licht.
So wird die Keuschheit im Zusammenwirken mit dem Heiligen Geist zur Wächterin unserer von Gott geschenkten Schönheit.
