DIE HEILIGEN FAUSTINUS UND JOVITA: »Im Besitz eines besseren und bleibenden Guts«      

Hebr 10,32-38

Erinnert euch aber der früheren Tage, in welchen ihr nach eurer Erleuchtung einen schweren Kampf der Leiden bestanden habt, indem ihr bald durch Beschimpfung und Drangsale selbst zum Schauspiele wurdet, bald Genossen derer, die ein solches Schicksal traf. Denn ihr habt sowohl Mitleid gegen die Gefangenen geübt, wie den Raub eurer Habe mit Freuden hingenommen, da ihr erkanntet, daß ihr ein besseres und bleibendes Gut besitzet. So verlieret denn eure Zuversicht nicht, welche einen großen Lohn hat. Denn Ausdauer ist euch vonnöten, damit ihr durch Erfüllung des Willens Gottes die Verheißung erlanget. Denn nur noch eine ganz kleine Weile, und der da kommen soll, wird kommen und nicht verziehen. Mein Gerechter aber lebt aus dem Glauben; wenn er sich jedoch zaghaft zurückzieht, wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben.

Diesen Text hat die Kirche für das Gedächtnis der Märtyrer ausgewählt – jener wunderbaren Menschen, die bereit waren, ihr Leben für den Herrn zu geben. Oft waren sie schwersten Mißhandlungen und Verfolgungen ausgesetzt. Was hat sie dazu befähigt, all das um Christi willen zu erdulden und die größten Heldentaten zu vollbringen?

Dies wird sich uns nur erschließen, wenn wir uns klar werden, daß der Geist der Stärke, jene wunderbare Gabe des Heiligen Geistes, in ihnen wirksam wurde. Mit der heiligen Taufe wird uns Christen diese Gabe geschenkt und sie soll sich in unserem Leben entfalten. Durch unser Zusammenwirken mit dem Geist der Stärke kann unsere Liebe zu Gott so wachsen, daß wir bereit sind, um seinetwillen zu leiden und alle Anstrengungen zu unternehmen, um seinen heiligen Willen zu erfüllen. Wir können es auch so beschreiben: Die Liebe Gottes, die in unsere Herzen ausgegossen ist (Röm 5,5), führt uns zu einer immer hochherzigeren Antwort darauf. All unsere Kräfte sind auf diese Liebe hin ausgerichtet und wollen ihr dienen. Im Martyrium kommt dies besonders sichtbar zum Ausdruck, denn “stark wie der Tod ist die Liebe. […] Viele Wasser sind nicht imstande, die Liebe auszulöschen, und die Ströme überfluten sie nicht. Wollte auch ein Mensch alle Habe seines Hauses um die Liebe hingeben, wie nichts würde man jene achten (Hld 8,6–7).

Bei den Märtyrern haben wir es also mit einer Liebesgeschichte zwischen Gott und ihnen zu tun. Sie leben auf den Herrn zu, und sie wissen, daß sich bei ihnen das erfüllt, was im Hebräerbrief steht: “Nur noch eine ganz kleine Weile, und der da kommen soll, wird kommen und nicht verziehen. Bald stehen sie vor ihm, der sie geliebt und den sie mehr als ihr eigenes Leben geliebt haben. “Ein besseres und bleibendes Gut erwartet sie!

Diese wunderbaren Worte aus dem Hebräerbrief passen sehr gut zu den beiden heiligen Brüdern Faustinus und Jovita. Sie stammten aus Brescia und waren vornehme Männer. Um das Jahr 100 kamen sie als Söhne christlicher Eltern in einer heidnischen Umgebung zur Welt. Schon früh versuchten sie, ihr Umfeld mit Eifer zu evangelisieren. Sie unterrichteten Unwissende im Glauben, besuchten Gefangene und unterstützten Arme. Bischof Apollonius berief sie zu sich an seinen geheimen Aufenthaltsort und weihte Faustinus zum Priester und Jovita zum Diakon. Dadurch steigerte sich ihr Eifer noch und viele Heiden wurden durch sie bekehrt. All dies geschah in Zeiten der drohenden Christenverfolgung unter Kaiser Hadrian. Der Statthalter von Brescia nahm sie wegen ihrer Predigttätigkeit gefangen und legte sie in Ketten. Als der Kaiser in die Stadt kam, wurden ihm die beiden Brüder vorgeführt, die sich freudig und unerschrocken zum Evangelium bekannten. Dabei verfinsterte sich das Götzenbild der Sonne. Der Kaiser befahl, es zu reinigen, doch dabei zerfiel es in Stücke.

Daraufhin beschloß der Kaiser, die beiden Brüder töten zu lassen. Sie wurden in eine Arena gebracht und den Löwen und Leoparden ausgeliefert. Doch der Herr wollte sich im Leben dieser eifrigen Prediger durch Zeichen und Wunder verherrlichen. Weder die Löwen noch die Leoparden taten den Brüdern etwas zuleide, sondern sie legten sich – so wird berichtet – vor ihnen nieder und leckten ihnen die Füße. Dieses Wunder erfüllte alle mit Schrecken. Viele Menschen in der Arena bekehrten sich. Der Kaiser selbst eilte davon, aber der ließ den Befehl zurück, die Brüder ins Feuer zu werfen. Doch auch das Feuer weigerte sich, das Brüderpaar zu verbrennen. Leider verstanden weder der Kaiser noch die Zuschauer die Wunder, die vor ihren Augen geschahen, und schrieben sie der Zauberei zu. Auch ein dritter Versuch, die Brüder zu töten, scheiterte. Sie wurden, wie in der Heiligenlegende berichtet wird, ins Meer geworfen, die Wellen aber führten sie wieder ans Land zurück.

Eigentlich waren die Wunder so eindeutig und sprechend, daß sich der Kaiser und alle Anwesenden zum lebendigen Gott hätten bekehren können. Doch wie es im Evangelium steht und bis heute geschieht, lesen nicht alle die Zeichen so, wie Gott es vorgesehen hat. Sind die Herzen verstockt, dann helfen auch die größten Wunder nicht, die Gott den Ungläubigen als Hilfe anbietet, damit sie zum Glauben finden.

Schließlich wurden die Brüder am 15. Februar 120 n. Chr. enthauptet und ihre Seelen wurden mit dem vereinigt, dessen treue Zeugen sie waren.

Betrachtung zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/treue-zur-ueberlieferung-3/#more-10978

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