DAS WAHRE FASTEN

“Das Fasten mindert in uns die Selbstsucht und öffnet das Herz für die Armen.” (Aus der Präfation der Fastenzeit)

Durch die Worte des Propheten Jesaja machst Du uns sehr deutlich, lieber Vater, was zu einem wahren Fasten gehört (vgl. Jes 58,6–10). Jedes Unrecht ist Dir zutiefst zuwider, und diejenigen zu benachteiligen, die sowieso schon wenig haben, ist Dir ein Greuel. Das heilige Fasten kann dann sogar zu einer pervertierten Übung werden, die in einer religiösen Gesellschaft – wie die jüdische Gesellschaft es früher war – zwar ein äußeres Ansehen genießt, aber ihres inneren Sinnes beraubt ist.

Das obige Wort, das einer Präfation für die Fastenzeit entnommen ist, macht uns auf diesen tieferen Sinn aufmerksam: Das Fasten soll uns helfen, unsere Selbstgebundenheit zu überwinden und die unnötige Sorge um uns selbst aufzugeben. Stattdessen sollen wir die Augen für die Menschen öffnen, die unserer Hilfe bedürfen.

Eigentlich, lieber Vater, ist das freiwillige Fasten doch etwas Wunderbares! Es hilft uns, Deine täglichen Gaben umso dankbarer entgegenzunehmen. Es kann uns daran erinnern, wie   sorgfältig Du Dich in Deiner Güte um uns kümmerst, in allen Bereichen unseres Lebens. Genau das wollen wir in dem Umfeld tun, in das Du uns hineingestellt hast, und uns um diejenigen kümmern, die uns anvertraut sind. Es ist ja nicht nur die materielle Not, die die Menschen bedrücken kann, sondern es sind Nöte aller Art.

Es gibt so viele Arme auf der Welt, und das nicht nur im Hinblick auf einen Mangel an Gütern. Es sind auch die Menschen, denen es an Liebe fehlt, jene, die Dich noch nicht kennen. Auch für sie können wir Dir unsere kleinen Opfer anbieten, für sie beten und so an sie statt an uns zu denken.

Ich glaube, ein solches Fasten liebst Du: unser Herz für diejenigen zu öffnen, die Du an Dein Herz ziehen willst. Was wir tun können, wirst Du uns zeigen. Deshalb halten wir jetzt einfach ein wenig inne im gewohnten Ablauf unseres Lebens und schaffen mit dem Fasten Raum. Einen Raum, in den Du, so bitten wir Dich, eintreten mögest!