Mit einem gereinigten Herzen, lieber Vater, können wir es noch mehr wagen, das Große anzugehen, ohne dabei das Kleine zu vernachlässigen. Hat nicht der Heilige Paulus vor den Großen dieser Welt das gute Zeugnis abgelegt (vgl. Apg 26)? Haben nicht Elija und Johannes der Täufer vor den Königen unerschrocken das Unrecht beim Namen genannt (1 Kön 18,18 und Mt 14,3–4)? Haben nicht die Apostel Deines geliebten Sohnes freimütig vor dem Hohen Rat Zeugnis abgelegt (Apg 4,1–20)? Wer hat sie dazu befähigt, wenn nicht Du! Du hast ihnen den Geist der Stärke geschenkt. Und diesen Geist, geliebter Vater, brauchen wir, um den Machenschaften der bösen Geister zu widerstehen und auch jenen, die mit diesen Geistern wissend oder unwissend zusammenwirken! Weiterlesen
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DEIN SIEGEL AUF MEINEM HERZEN
Geliebter Vater, wir machen uns auf den Weg zu einem reinen Herzen, das Du uns schenken willst, um das aber auch wir uns zu bemühen haben. Nichts anderes wünschen wir, als daß wir im Heiligen Geist versiegelt sind, denn durch Deinen Sohn haben wir das Wort der Wahrheit, das Evangelium von unserer Rettung gehört. Durch ihn haben wir das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als wir den Glauben annahmen (vgl. Eph 1,13)
19. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil II
Auf unserem Fastenpfad haben wir einen Einschub vollzogen, der sich mit dem Thema der Herzensbekehrung beschäftigt. Ich halte dies aus zwei Gründen für angebracht. Einerseits soll unsere Bekehrung in der Nachfolge des Herrn immer tiefer gehen, damit wir im Dienst unseres geliebten Vaters so fruchtbar wie möglich werden und auf unserem Weg der Nachfolge Christi nicht stehenbleiben. Andererseits sollten wir eine tiefere Herzensbekehrung auch als geistliche Waffe im Kampf gegen den Unfrieden und die Kriege verstehen lernen. Auf diesen Punkt werde ich im Rahmen unseres kleinen Exkurses noch genauer eingehen, weil hier besonders der Bereich “der bösen Geister unter dem Himmel” (Eph 6,12b) in den Blick genommen wird, die immer bereit sind, die bösen Neigungen des Menschen auszunutzen und zu verstärken, um sie für ihre Pläne des Unheils nutzbar zu machen.
Schauen wir also nochmals auf den Weg zur Umkehr des Herzens:
Mit der Bereitschaft, die eigenen Tiefen vor dem liebenden Herrn wahrzunehmen, erwächst ein doppelter Realismus: Man erkennt sowohl die dunkle Seite in sich, gleichzeitig begegnet man aber der Barmherzigkeit Gottes. So verstehen wir, daß uns Gott nicht wegen der Unreinheit, die aus dem Herzen kommt, zurückweist oder straft, sondern daß sich seine Liebe auf den Weg gemacht hat, Licht in die Finsternis zu bringen (vgl. Joh 1,5a).
18. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil I
Wie in meiner letzten Betrachtung angekündigt, schiebe ich in unseren Fastenweg einen kleinen Exkurs über die Bekehrung des Herzens ein. Zum einen ergibt sich dieses Thema aus den wiederkehrenden biblischen Texten, die die Abkehr des Herzens von Gott beschreiben und auch deutlich das Böse benennen, das im menschlichen Herzen zu finden ist. Zum anderen ist eine Vertiefung dieses Themas auch angesichts der Kriege angebracht, die derzeit auf der Welt nicht zur Ruhe kommen und nun leider auch wieder die Menschen im Mittleren Osten in Mitleidenschaft ziehen. Das betrifft sehr zentral Israel, das Land, in welchem Jesus das Werk der Erlösung vollbracht hat.
Ich betrachte es nicht als meine Aufgabe, im Rahmen dieses Fastenweges die politischen, sozialen und religiösen Hintergründe dieses Konfliktes zwischen Israel und dem Iran besonders zu erläutern. Doch die Frage bewegt mich, was wir als Jünger des Herrn tun können, um dem Geist des wahren Friedens, der von Gott kommt, zu dienen und ihn in solch bedrohlichen Situationen gewissermaßen aktivieren zu können.
EIN REINES HERZ
Heute, lieber Vater, denken wir über ein reines Herz nach.
Es muß zu einem Herzen werden, das ganz Dir gehört und das keine andere Erfüllung mehr sucht, als bei Dir zu sein und Dir zu dienen. Ein Herz, wie das der seligen Jungfrau Maria. Ein Herz, das in der Tiefe glücklich ist, weil es sein Zuhause gefunden hat. Es sucht nichts mehr für sich selbst, es läßt sich nicht betören von den Dingen dieser Welt, von falschen Hoffnungen und Illusionen. Ein Herz, in dem Du wohnst und Dein Zelt aufgeschlagen hast. Ein solches Herz ist unendlich kostbar in Deinen Augen. Nie wirst Du es wieder verlassen!
BEKEHRUNG DES HERZENS
Geliebter Vater, der Ausgang der Geschichte um die Söhne Jakobs zeigt, wie Du das Böse, was Menschen denken und tun, in Deinen Plan der Liebe hineinnimmst. Das, lieber Vater, zeigt Deine Allmacht und nährt auch unsere Hoffnung, wenn wir das Unrecht auf der Erde sehen. Wer könnte es sonst tun? Nur Du!
So können wir leben und mitten in der Entfaltung der Bosheit um uns herum an Dir festhalten. Deswegen brauchen wir nicht etwa das Böse nicht böse zu nennen, aber wir entziehen der Kraft der Bosheit ihre Allmachtsansprüche und geben nicht auf! Nicht das Böse oder der Böse wird triumphieren, sondern die Macht Deiner Liebe. Das ist gewiß!
17. Tag: »Die Abgründe des Herzens«
Die Lesungen des heutigen Tages konfrontieren uns sehr konkret mit den Tiefen des menschlichen Herzens und mit den bösen Taten, die aus ihm hervorgehen. Wir hören zunächst einen Teil der Geschichte von Joseph und seinen Brüdern (Gen 37,6–22). Josephs Brüder merkten, daß ihr Vater Jakob Joseph am meisten liebte. Er war es, der ihrem Vater hinterbrachte, was sie Böses taten, als sie die Schafe und Ziegen weideten. Darum “haßten sie ihn und konnten mit ihm kein gutes Wort mehr reden” (Gen 37,4). Ihr Herz wurde immer finsterer, und als ihnen Joseph arglos zwei prophetische Träume erzählte, die darauf hinwiesen, daß sie sich eines Tages vor ihm verneigen würden, steigerte dies ihre Eifersucht noch. Als sich eine günstige Gelegenheit bot, beschlossen sie, ihn zu töten. Nur einer der Brüder, Ruben, wollte ihn aus ihrer Hand retten und zu seinem Vater zurückbringen. Er erwirkte, daß sie ihn in eine Zisterne in der Steppe warfen und sein Blut nicht vergossen (Gen 37,22).
Gestern schon hatten wir über das Wort des Propheten Jeremia nachgedacht, daß unser Herz arglistig ist, und auch auf ein entsprechendes Wort des Herrn aufmerksam gemacht, daß das Böse aus unserem Herzen kommt (Mt 15,19). Heute wird uns das Beispiel der Familie Jakobs vor Augen gestellt. Die Brüder Josephs scheuten sich nicht, ihren Bruder sogar töten zu wollen. Der Brudermord reicht ja bis auf Kain und Abel zurück und durchzieht unsere ganze Menschheitsgeschichte. Es ist nicht so, daß die Menschen nur ihre Feinde hassen, sondern das Herz kann so verdorben sein, daß dem eigenen Bruder (und damit sind alle Menschen gemeint, die uns besonders nahestehen) Böses angetan wird.
