GOTT ZWINGT NIEMANDEN  

“Gott zwingt niemanden. Er nimmt an, was man ihm gibt, doch ganz gibt er sich nur dem, der sich ganz ihm gibt.”  (Teresa von Ávila)

Wenn wir – wie von der heiligen Teresa von Ávila richtig beschrieben – auf unserem Weg der Nachfolge nicht von Gott genötigt werden, dann gilt es, das tief zu verinnerlichen. Die Heilige spricht hier von der großen Achtung, die unser Vater vor der Freiheit des Menschen hat. Er selbst hat sie uns als großes Geschenk der Liebe gegeben, was uns im Vergleich zur unvernünftigen Natur besonders auszeichnet.

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“Betrachtungen zum Heiligen Geist”: Tag 1 – Die Langmut

”Du Heiliger Geist, Du Kuß des Vaters und des Sohnes, Du süßester und innigster Kuß (hl. Bernhard von Clairveaux), wir wollen Dich besser kennen und lieben lernen! Steige deshalb hinab in unsere Seelen, “gleich der Sonne, die alles, wo sie kein Hindernis findet, erhellt. Dringe wie ein Flammenpfeil bis zur tiefsten Stelle unserer Seele vor. Du ruhst nicht in stolzen Herzen und hohen Geistern; vielmehr schlägst Du Deine Wohnung in demütigen Seelen auf (hl. Maria Magdalena von Pazzi).

Erleuchte uns in diesen Tagen, in denen wir das Hochfest Deines Kommens vorbereiten, Du, der Du unser Tröster und Lehrer bist, der Bräutigam unserer Seelen, derjenige, der uns heilig macht.

„Die Liebe ist langmütig (1 Kor 13,4)

Die Langmut ist eine der wunderbaren Früchte, welche in jenen Seelen heranreift, die auf Dich hören und auch auf langen Strecken nicht den Mut verlieren. Sie ist der Geduld ähnlich, aber noch stärker auf die Güter des Geistes bezogen. Sie trägt die Beharrlichkeit und Ausdauer in sich und macht die Seele stark und leidensfähig. So wächst sie als Frucht einer innigen Beziehung mit Dir. Sie ist göttlicher Natur, wie es der Apostel Paulus bezeugt:

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GOTTES MITGEFÜHL

“Gottes Mitgefühl für dich ist größer als deine Sorgen.” (Jean Baptiste de la Salle)

Sehr oft werden wir in der Heiligen Schrift gemahnt, uns nicht den Sorgen zu überlassen. Und in der Tat: Übermäßige Sorgen führen uns geistlich gesehen in eine große Unwirklichkeit. Sie besteht darin, daß wir keinen Ausweg sehen, die Sorgen uns ständig begleiten, unsere Lebenskraft schwächen und sogar unser Aussehen mitbestimmen, sodaß wir in gewisser Weise »vergrämt« in die Welt schauen. Wer kennt sie nicht, die von Sorgen zerfurchten Gesichter, die unser Mitleid erwecken?

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DAS LEBEN DER HEILIGEN: DER HEILIGE JOHANNES BAPTIST DE LA SALLE (1651 – 1719)

“Wer ein einziges solches Kind in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf.

Heute wenden wir uns einem Heiligen zu, der an diesem Tag nach dem Kalender des Alten Ritus gefeiert wird. Es ist der heilige Johannes Baptist de la Salle. Folgendes Evangelium ist für heute gewählt:

“In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist wohl der Größte im Himmelreiche? Da rief Jesus ein Kind herbei, stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr euch nicht bekehret und nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen! Wer also immer sich verdemütigt wie dieses Kind, der ist der Größere im Himmelreiche. Und wer ein einziges solches Kind in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf. (Mt 18,1–5)

Zwei Aspekte stellt uns das Evangelium in Bezug auf die Kinder vor Augen. Zunächst ist es ihre Einfachheit und Offenheit. Dies ist die Haltung, mit der wir unserem göttlichen Vater begegnen sollten. Bei unverdorbenen Kindern gibt es noch eine wunderbare Arglosigkeit, die gerne aufnimmt, was man ihnen geben möchte. Auf diese Weise mit unserem Vater zu leben, bedeutet, daß wir empfänglich für die Liebe Gottes werden, die sich uns unmittelbar mitteilen kann. Hieraus erwächst die wahre Größe, denn im Himmelreich ist derjenige groß, der am meisten liebt und aller Diener wird. Wenn unser Herz offen ist wie das eines Kindes, dann nehmen wir nicht nur die Liebe Gottes auf dem direktesten Weg auf, sondern sie wird auch der Beweggrund für unser Handeln, denn die Liebe drängt uns, die Werke Gottes zu tun. Nicht zuletzt ist es der Heilige Geist, der uns zu den guten Werken bewegt und als die Liebe zwischen Vater und Sohn unsere Herzen erleuchtet.

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EIN FERNGLAS, UM DEN HERRN UND SICH SELBST ZU ERKENNEN

“Der Heilige Geist ist Licht und Stärke. Er ist es, der uns das Wahre vom Falschen und das Gute vom Bösen unterscheiden läßt. Gleich den Ferngläsern, welche die Gegenstände vergrößern, läßt uns der Heilige Geist das Gute und das Böse im Großen sehen. Mit dem Heiligen Geist sieht man alles im Großen: Man sieht die Größe der kleinsten für Gott vollbrachten Handlungen und die Größe der kleinsten Fehler.” (Heiliger Pfarrer von Ars)

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Himmelfahrt Christi: “Der Herr kehrt heim zum Vater”    

Die Zeit, in der der Auferstandene seine Jünger unterwies und sie noch tiefer in ihre Mission einführte, geht zu Ende. Nun kann der Herr wieder zu seinem Vater in die ganze Herrlichkeit zurückkehren. Er hat sein Werk auf Erden vollendet und die Grundlage dafür geschaffen, daß die Botschaft des Heils überall auf der Erde verkündet wird. Nichts ist wichtiger, als daß die Sendung erfüllt wird, daß die Menschen mit dem Erlöser aller Völker in Berührung kommen und ihm folgen. Jesus ist der Weg zum Vater (vgl. Joh 14,4 –6).

In den letzten Betrachtungen haben wir Texte gewählt, die uns immer wieder auf den Heiligen Geist verweisen, der für die wahrhaftige Verbreitung des Evangeliums unbedingt nötig ist. Ohne ihn würde das Feuer der Liebe und Wahrheit bald erlöschen und die Wahrheit würde durch menschliche Fabeleien sowie durch Täuschungen durch die gefallenen Geister ersetzt werden. Hören wir heute die Passage aus der Apostelgeschichte, die von der Himmelfahrt des Herrn berichtet:

Apg 1,1-12

In der ersten Erzählung, o Theophilus! habe ich von allem gesprochen, was Jesus zu tun und zu lehren anfing bis zu dem Tage, an welchem er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln, die er auserwählt hatte, durch den Heiligen Geist seine Aufträge gegeben; denen er auch nach seinem Leiden durch viele Beweise als lebend sich zeigte, da er ihnen vierzig Tage hindurch erschien, und vom Reiche Gottes redete. Und da er mit ihnen aß, befahl er ihnen, von Jerusalem nicht wegzugehen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten, die ihr (sprach er) aus meinem Munde gehört habet. Denn Johannes zwar taufte mit Wasser, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geiste getauft werden, nach wenigen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn, und sprachen: Herr! wirst du wohl in dieser Zeit das Reich Israel wieder herstellen?

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SICH IN VERSUCHUNGEN BEWÄHREN

“Wer den Heiland mit einer starkmütigen Liebe liebt, läßt nicht ab, ihn zu lieben in den Versuchungen und in der Dürre und Trostlosigkeit.”  (Heiliger Alfons von Liguori)

Lieber heiliger Alfons, wir glauben dir das und möchten dem Herrn auch so unsere Treue erweisen. Wie also können wir lieben in solchen Situationen, wenn unser Herz kalt ist, wenn wir uns ohne jegliche Kraft und völlig trostlos fühlen oder von schweren Versuchungen zerrissen werden? Da könnte uns eine Liebeserklärung an den Herrn fast wie eine Heuchelei vorkommen, weil sie gar nicht von warmen Empfindungen getragen ist. Vielleicht sind wir sogar in einem dunklen inneren Zustand und haben Widerwillen gegenüber dem Wort Gottes und allen religiösen Handlungen. Lieber Alfons, wir kommen uns da gar nicht starkmütig vor, sondern eher unentschlossen und träge. Was dann?

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