“ (Da ging der verlorene Sohn in sich und sagte:) Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluß, ich aber komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner!” (Lk 15,17–19)
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DAS WAHRE LEBEN
“Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden.” (Mt 16,25)
Noch einmal, wie es bereits in der gestrigen Betrachtung angeklungen ist, geht es heute um das wahre Leben. Von Gott aus gesehen ist das wahre Leben jenes, das mit ihm vereint ist und sich nach seinem Willen entfaltet. Erst hier schließt sich das Leben in seiner übergeordneten Bedeutung auf, in der auch alle natürlichen Verpflichtungen ihren gottgewiesenen Platz einnehmen. Findet aber die Begegnung mit Gott nicht wirklich statt, dann beschränkt sich das Leben auf die natürliche Ebene und erwacht nicht wirklich. Dies ist jedoch nicht genug, um den tieferen Sinn des Daseins zu erfassen.
ZU EHREN DER HEILIGEN JEANNE D’ARC: »Jeannes Widerruf« (X)
Jeanne hatte den furchtbaren Strapazen der Befragungen, den entehrenden Belästigungen durch die englischen Wächter, den harten Haftbedingungen sowie den Versuchen der Richter, sie der Ketzerei zu überführen, standgehalten. Selbst die Androhung der Folter hatte sie nicht schwach werden lassen. Unterstützt von ihren Heiligen war sie unbeugsam und sagte zu jenen, die ihr mit Folter drohten: “Wahrhaftig, selbst wenn Ihr mir die Glieder brechen und die Seele vom Leib trennen würdet, ich könnte euch nichts anderes sagen. Und würdet ihr mich zum Reden zwingen, ich würde immer sagen, daß ihr mich durch Gewalt zum Reden gebracht habt.”
Als sie immer mehr bedrängt wurde, all die gegen sie gerichteten Anklagepunkte hörte und man immer wieder von ihr verlangte, sie solle sich dem Urteil der Kirche unterwerfen, berief sie sich in allem auf Gott und sagte, man solle sie zum Papst führen.
Jeanne bezeugte: “Ich habe meine Stimmen um Rat gefragt, um zu wissen, ob ich mich der Kirche unterwerfen soll, denn die Geistlichen drangen heftig in mich – und sie haben mir geantwortet, wenn ich wolle, daß unser Herr mir helfe, solle ich mich ihm in allem anvertrauen.”
VERTRAUENDE NACHFOLGE
“Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.” (Mk 8,34)
Die Nachfolge Christi bedeutet, den Plan Gottes im eigenen Leben zu verwirklichen. Dieser Plan kommt aus dem Herzen eines liebenden Vaters. Vielleicht verbindet man mit einem solchen Wort sofort Vorstellungen von Verzicht auf Leben und daß man keine freie Wahl mehr hätte, das zu tun, was man meint, für ein erfülltes Leben zu benötigen. Hier liegt jedoch ein falsches Gottesbild zugrunde.
ZU EHREN DER HEILIGEN JEANNE D’ARC: »Der Prozeß der Schande« (IX)
In Rouen verschärften sich die Haftbedingungen für die Jungfrau. Obwohl sie eigentlich in ein kirchliches Gefängnis hätte kommen müssen, in dem sie unter der Aufsicht von Frauen gestanden hätte, waren es nun englische Soldaten, die sie bewachten.
Der Priester Jean Massieu aus Rouen schilderte ihre Haftbedingungen wie folgt:
“Jeanne war im Schloß von Rouen in einem Raum im mittleren Stockwerk des Turms eingesperrt, wohin man über acht Treppen gelangte. Es war da ein Bett, wo sie schlief, und ein großer Holzklotz, woran eine Eisenkette angebracht war, die dazu diente, sie anzuketten. Ihre Füße waren gefesselt. Man schnallte sie mit einem Schloß an, das auf dem Holzklotz lag. Es waren fünf nichtswürdige Engländer da, um sie zu bewachen. Sie wünschten unbedingt Jeannes Tod und spotteten ihrer unablässig.”
Während des Prozesses klagte Jeanne immer wieder darüber und machte Bischof Cauchon dafür verantwortlich. Zudem mußte sie sich oft – insbesondere in der Nacht – gegen Übergriffe ihrer Wächter wehren.
HUNDERTFACH VERGOLTEN
“Amen, ich sage euch: Ihr, die ihr alles verlassen habt und mir nachgefolgt seid, werdet dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben erben.” (vgl. Mt 19,28-29)
Dies ist die große Einladung an alle, die sich ganz auf die Nachfolge des Herrn einlassen wollen. Was manchen wie der »Tod ihres Lebens« erscheinen mag, ist in Wahrheit eine Einladung zu einem tieferen Leben in Gottes Gegenwart. Jene, die gerufen sind und ihre Antwort der ganzen Hingabe an Gott geben, werden zu Kindern der Liebe Gottes, wie es unser Vater auch im Vaterbuch zu verstehen gibt. Das bedeutet nicht, daß andere Menschen, die diesen äußeren Schritt des Verlassens dieser Welt nicht vollziehen, etwa keine geliebten Kinder Gottes wären. Doch liegt ein besonderer Glanz über den Aposteln Jesu – die zunächst vom Herrn angesprochen sind – aber auch auf jenen, die im Laufe der Jahrhunderte diesem Ruf gefolgt sind. Weiterlesen
ZU EHREN DER HEILIGEN JEANNE D’ARC: »Jeanne wir nach Rouen gebracht« (VIII)
Mit der Gefangennahme von Jeanne d’Arc wurde sehr bald klar, was die Engländer mit ihr vorhatten. Sie war nicht einfach nur eine prominente Gefangene, sondern wegen ihr hatte die kriegerische Dominanz der Engländer in Frankreich ein Ende gefunden. Daher wußten sie sehr genau, was die Ursachen ihrer Niederlagen waren. Ihre Interpretation hieß, sie sei eine Hexe und damit eine vom Teufel beeinflußte Frau, die diese Wende zu ihren Ungunsten herbeigeführt hatte.
Mit der Niederlage von Jeanne in Paris – so wurde dies allenthalben interpretiert – war für die Gegner der Jungfrau der Nimbus ihrer Unbesiegbarkeit verloren. Ihre Gefangennahme vor Compiègne bestätigte dies noch mehr. Gegen einen beträchtlichen Geldbetrag wurde Jeanne von den Burgundern an den englischen König ausgeliefert. Es trat nun ein, was Jeanne befürchtet hatte. Sie geriet in die Hände ihrer Feinde.
