Wenn die Gottesfurcht, lieber himmlischer Vater, in und unter den Menschen leben würde, dann sähe es auf dieser Erde anders aus! Jeder würde zuerst darüber nachdenken, ob das, was er tut, mit dem übereinstimmt, was Du von ihm möchtest. Allein das wäre schon wunderbar! Er würde sich auch hüten, seinem Nächsten Schaden zuzufügen, der wie er dazu berufen ist, als Kind Gottes sein Leben zu führen. Alle Deine Gebote wären ihm gegenwärtig ebenso wie die Worte, die uns der Herr und seine Apostel und im weiteren Verlauf die Kirche als Lehrerin der Völker überliefert haben. Es wäre wirklich anders auf der Erde und das Reich Gottes könnte sich ausbreiten. Die Mächtigen und Verantwortlichen wären besonders wachsam. Sie würden immer Deinen Rat suchen und den Rat jener, die Dich fürchten und lieben.
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DER HERR VERGIBT GERNE
Wie sehr, lieber Vater, nimmst Du durch die Vergebung in Deinem Sohn, Lasten von den Schultern der Völker oder auch von jedem einzelnen Menschen, wenn er nur zu Dir kommt!
Wie schwer beladen sind manche Menschen! Sie können sich kaum frei bewegen. Wie tief dringt unvergebene Schuld in das Sein des Menschen ein und beugt ihn, ja will ihn für immer versklaven! Selbst wenn er es nicht merkt oder es nicht wahrhaben will, ist dennoch sein Blick nicht mehr frei. Er verbirgt sich vor Dir, wie die ersten Menschen sich vor Dir verbargen, nachdem sie gesündigt hatten (vgl. Gen 3,8).
21. Tag: »Vergebungsbereitschaft«
Nach dem kleinen Exkurs über einen Weg zur tieferen Herzensbekehrung, kehre ich wieder zu den Texten im Alten Ritus zurück, die uns auf diesem Fastenweg begleiten. Zuvor möchte ich noch ein Herzensanliegen mit Euch teilen. Es ist ein Gebet, welches ich geschrieben habe, um der Bemühung um den wahren Frieden noch einen äußeren Ausdruck zu geben. Ich wäre dankbar, wenn viele Menschen, die meine Ansprachen hören, sich dem Gebet anschließen und es mit uns beten würden.
Geliebter Vater, wir bitten um den Frieden,
der aus Deinem Herzen kommt,
die Herzen der Menschen berührt und verwandelt,
sodaß sich Dein Reich auf der ganzen Erde ausbreite.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Herrn! Amen.
20. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil III
Dieser kleine Exkurs, der uns die Wichtigkeit der Bekehrung des Herzens vor Augen stellen will, soll uns helfen, unsere Bemühungen um ein reines Herz auch in einer übergeordneten geistlichen Dimension zu verstehen. Es ist der Heilige Paulus, der uns deutlich macht, daß wir zu kämpfen haben “gegen die Fürsten und Gewalten, […] gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs” (Eph. 6,12). Diese bedienen sich unserer bösen menschlichen Neigungen, um sie zu verstärken. Verfinstert sich unser Herz, dann ist es für diese Kräfte leicht, uns in ihren Widerstand gegen Gott einzubinden oder uns zumindest für den wahren Kampf gegen sie zu schwächen und unfähig zu machen.
Ein Herz jedoch, das durch die Hilfe des Heiligen Geistes immer reiner wird und in dem die Gnade Gottes wirkt, ist für sie unerträglich. Denken wir an das reine Herz der Jungfrau Maria, vor dem sie fliehen! Hinzu kommt, daß ein solches Herz immer stärker in der Liebe zu Gott und den Menschen entzündet wird und sich völlig in den Dienst des himmlischen Vaters stellt. Das bedeutet, den Kampf gegen alles aufzunehmen, was die Ehre Gottes beflecken will, und das Evangelium zu den Menschen zu tragen. Dies wiederum schwächt die Kraft des Teufels, sodaß jedes reine Herz für ihn zu einer Bedrohung wird, da es sich nicht nur seinen Machenschaften entzieht, sondern in der Kraft des Herrn gegen sie vorgeht. Auf dieser Ebene nun können wir – in dem Rahmen, der uns gegeben ist – unseren Platz im »Heer des Lammes« einnehmen und durch unser Gebet und den Weg der Heiligkeit daran mitwirken, daß der Friede Christi zu den Menschen kommt und die Macht seiner Liebe die Finsternis vertreibt.
EIN REINES HERZ FÜR DAS HEER DES LAMMES
Mit einem gereinigten Herzen, lieber Vater, können wir es noch mehr wagen, das Große anzugehen, ohne dabei das Kleine zu vernachlässigen. Hat nicht der Heilige Paulus vor den Großen dieser Welt das gute Zeugnis abgelegt (vgl. Apg 26)? Haben nicht Elija und Johannes der Täufer vor den Königen unerschrocken das Unrecht beim Namen genannt (1 Kön 18,18 und Mt 14,3–4)? Haben nicht die Apostel Deines geliebten Sohnes freimütig vor dem Hohen Rat Zeugnis abgelegt (Apg 4,1–20)? Wer hat sie dazu befähigt, wenn nicht Du! Du hast ihnen den Geist der Stärke geschenkt. Und diesen Geist, geliebter Vater, brauchen wir, um den Machenschaften der bösen Geister zu widerstehen und auch jenen, die mit diesen Geistern wissend oder unwissend zusammenwirken! Weiterlesen
DEIN SIEGEL AUF MEINEM HERZEN
Geliebter Vater, wir machen uns auf den Weg zu einem reinen Herzen, das Du uns schenken willst, um das aber auch wir uns zu bemühen haben. Nichts anderes wünschen wir, als daß wir im Heiligen Geist versiegelt sind, denn durch Deinen Sohn haben wir das Wort der Wahrheit, das Evangelium von unserer Rettung gehört. Durch ihn haben wir das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als wir den Glauben annahmen (vgl. Eph 1,13)
19. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil II
Auf unserem Fastenpfad haben wir einen Einschub vollzogen, der sich mit dem Thema der Herzensbekehrung beschäftigt. Ich halte dies aus zwei Gründen für angebracht. Einerseits soll unsere Bekehrung in der Nachfolge des Herrn immer tiefer gehen, damit wir im Dienst unseres geliebten Vaters so fruchtbar wie möglich werden und auf unserem Weg der Nachfolge Christi nicht stehenbleiben. Andererseits sollten wir eine tiefere Herzensbekehrung auch als geistliche Waffe im Kampf gegen den Unfrieden und die Kriege verstehen lernen. Auf diesen Punkt werde ich im Rahmen unseres kleinen Exkurses noch genauer eingehen, weil hier besonders der Bereich “der bösen Geister unter dem Himmel” (Eph 6,12b) in den Blick genommen wird, die immer bereit sind, die bösen Neigungen des Menschen auszunutzen und zu verstärken, um sie für ihre Pläne des Unheils nutzbar zu machen.
Schauen wir also nochmals auf den Weg zur Umkehr des Herzens:
Mit der Bereitschaft, die eigenen Tiefen vor dem liebenden Herrn wahrzunehmen, erwächst ein doppelter Realismus: Man erkennt sowohl die dunkle Seite in sich, gleichzeitig begegnet man aber der Barmherzigkeit Gottes. So verstehen wir, daß uns Gott nicht wegen der Unreinheit, die aus dem Herzen kommt, zurückweist oder straft, sondern daß sich seine Liebe auf den Weg gemacht hat, Licht in die Finsternis zu bringen (vgl. Joh 1,5a).
