17. Tag: »Die Abgründe des Herzens«   

Die Lesungen des heutigen Tages konfrontieren uns sehr konkret mit den Tiefen des menschlichen Herzens und mit den bösen Taten, die aus ihm hervorgehen. Wir hören zunächst einen Teil der Geschichte von Joseph und seinen Brüdern (Gen 37,6–22). Josephs Brüder merkten, daß ihr Vater Jakob Joseph am meisten liebte. Er war es, der ihrem Vater hinterbrachte, was sie Böses taten, als sie die Schafe und Ziegen weideten. Darum “haßten sie ihn und konnten mit ihm kein gutes Wort mehr reden (Gen 37,4). Ihr Herz wurde immer finsterer, und als ihnen Joseph arglos zwei prophetische Träume erzählte, die darauf hinwiesen, daß sie sich eines Tages vor ihm verneigen würden, steigerte dies ihre Eifersucht noch. Als sich eine günstige Gelegenheit bot, beschlossen sie, ihn zu töten. Nur einer der Brüder, Ruben, wollte ihn aus ihrer Hand retten und zu seinem Vater zurückbringen. Er erwirkte, daß sie ihn in eine Zisterne in der Steppe warfen und sein Blut nicht vergossen (Gen 37,22).

Gestern schon hatten wir über das Wort des Propheten Jeremia nachgedacht, daß unser Herz arglistig ist, und auch auf ein entsprechendes Wort des Herrn aufmerksam gemacht, daß das Böse aus unserem Herzen kommt (Mt 15,19). Heute wird uns das Beispiel der Familie Jakobs vor Augen gestellt. Die Brüder Josephs scheuten sich nicht, ihren Bruder sogar töten zu wollen. Der Brudermord reicht ja bis auf Kain und Abel zurück und durchzieht unsere ganze Menschheitsgeschichte. Es ist nicht so, daß die Menschen nur ihre Feinde hassen, sondern das Herz kann so verdorben sein, daß dem eigenen Bruder (und damit sind alle Menschen gemeint, die uns besonders nahestehen) Böses angetan wird.

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16. Tag: » Ein Herz, das Gott vertraut und ihm gehört«

Heute, am 16. Tag unseres Fastenweges, werden wir durch den Propheten Jeremia unmißverständlich darauf aufmerksam gemacht, wem wir vertrauen und wem wir nicht vertrauen sollen. “So spricht der Herr: Verflucht der Mann, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt und dessen Herz sich abwendet vom Herrn. (Jer 17,5) Es ist ein Wort, welches einem anderen wertvollen Spruch aus den Psalmen gleicht. “Verlaßt euch nicht auf Fürsten, auf Menschen, bei denen es doch keine Hilfe gibt(Ps 148,3).

In der Tat ist es töricht, wenn wir bei Menschen eine Sicherheit suchen, die nur Gott uns geben kann. Es ist auch ein Hinweis darauf, daß wir etwas von unserem Glauben noch nicht wirklich in der ganzen Tiefe verstanden haben. Weil dies so ist, suchen wir noch viele falsche Sicherheiten, die unser Leben sehr zu belasten vermögen und es in gewisser Weise auch gefangenhalten. Jeremia drückt diese Situation recht deutlich aus und spricht sogar von einem Fluch, weil er es damit verbindet, daß sich das Herz von Gott abwendet. Und tatsächlich kann es wie zu einem Fluch werden! Da wir diese Sicherheit bei den Menschen gar nicht finden können, bleibt uns der freie Zugang zu Gott versperrt, und damit auch der Blick, von ihm aus bedrohliche Situationen überwinden zu können. Es wird so bleiben, wenn wir nicht zur rechten Einsicht gelangen und zu Gott hin aufbrechen.

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DAS VERTRAUEN IN DIE LIEBE DES VATERS

Manchmal ist es für uns Menschen gar nicht so leicht, lieber Vater, um Deine Allmacht zu wissen, und dann so viel schreiendes Unrecht auf der Welt zu sehen, daß sich der Eindruck aufdrängt, Du würdest nicht eingreifen.

Wir hätten sicherlich schon oft – wie Deine Jünger im Evangelium – das Feuer vom Himmel herabgerufen, um die zu strafen, die sich Deinem Willen widersetzen, und jene streng zurechtzuweisen, die sich der Annahme des Glaubens verweigern. Schwierig ist es auch, zu sehen, wie viele Menschen Unrecht erleiden müssen – oft durch wenige, die Böses tun.

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DIE FRIEDENSBLUME

“Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten?”  fragt sich der Heilige Jakobus und gibt selbst die Antwort: “Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern. Ihr streitet und führt Krieg” (Jak 4,1–2).

Wege zum wahren Frieden gibt es, und die Worte des Heiligen Jakobus weisen uns den Weg. Wollen wir also dem wahren Frieden dienen, den unser himmlischer Vater uns schenken möchte, dann fangen wir bei uns selbst an, die zerstörerischen Leidenschaften in unserem Inneren zu bändigen.

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15.Tag: »Die Friedensblume«      

Diese Betrachtung für den 15. Tag des Fastenwegs schreibe ich in Jerusalem im Schatten ernster Kriegshandlungen zwischen USA/Israel und dem Iran. Am 28. Februar 2026 hat am Morgen ein Bombardement Irans unter dem Namen »Operation Roaring Lion« (brüllender Löwe) begonnen, mit Raketenvergeltungsschlägen des Iran, die mit Sirenen in weiten Teilen Israels – auch in Jerusalem – angekündigt werden.

Der Lesungstext vom 4. März aus dem Buch Esther spricht von der Allmacht Gottes, das Evangelium (Mt 20,17–28) von der Königsherrschaft Christi.

Es wird berichtet, daß im Reich des persischen Königs Artaxerxes durch den Einfluß von Haman, dem zweiten Mann nach dem König, die Vernichtung aller Juden durchgeführt werden sollte. Im Buch Esther wird uns ein Gebet überliefert, welches in höchster Not zu Gott emporgetragen wurde:

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14.Tag: »Für den Herrn der erste Platz«      

Heute begegnen wir dem Propheten Elija (1 Kön 17,8–16), der von Gott zu einer Witwe geschickt wird, der Gott geboten hat, ihn zu ernähren. Als Elija ihr beim Holzauflesen am Stadttor begegnet, bittet er sie, ihm Wasser und etwas Brot zu bringen. Die arme Witwe erwidert ihm: “So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe kein Brot mehr, nur noch so viel Mehl im Gefäß, wie eine Hand fassen kann, und ein wenig Öl im Krug. Ich lese ein paar Stücke Holz auf, um hinzugehen und für mich und meinen Sohn Brot zu bereiten, damit wir es essen und dann sterben” (V.12).

Doch Elija ermutigte sie, zu tun, was er gesagt hatte, ihr zuerst ein wenig Brot zu bringen und dann für sich und ihren Sohn zu sorgen, und er fügt hinzu: “Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl soll im Gefäß nicht zu Ende gehen und der Ölkrug nicht leer werden bis zu dem Tage, an dem der Herr Regen auf die Erde senden wird” (V. 14).

Die Witwe tat, wie Elija gesagt hatte, und es geschah, wie vorhergesagt.

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ZUERST DER HERR!

Lieber Vater, als ich heute die Betrachtung über die Geschichte von Elija und der Witwe aus Sarepta niederschrieb – der Du in Deiner Güte ob ihres Hörens auf den Propheten ihre Not gewendet hast –, behielt ich so stark in Erinnerung, daß Du in allem, was wir tun, immer der Erste sein solltest. In den Zeiten des Alten Bundes brachte man Dir die Erstlingsgaben dar, und heute sollte es nicht anders sein! Im Gegenteil: Mit dem Licht des Neuen Testamentes und dem Kommen Deines Sohnes können wir Dich und Deine Liebe noch besser erkennen. Das erste Wort sei Dir am Morgen geweiht, das letzte am Abend. Immer sind wir gerufen, den Blick zu Dir zu erheben, wie es Dein geliebter Sohn getan hat, der Dich in allem verherrlicht hat.

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