Im heutigen Evangelium (Joh 8,12–20) spricht Jesus zur Volksmenge der Juden Worte, die für alle Zeit gelten: “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wandert nicht in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.” (V. 12)
Es sind Worte, die aufgenommen werden wollen; Worte, die erleuchten und uns mit dem Licht verbinden, das Jesus selbst ist. Jesus mutet den Hörenden dieses Wort zu, auch wenn sie noch nicht alles verstehen konnten. Schwierig wurde es mit den Pharisäern.
Sie stoßen sich am Anspruch, der ihnen aus den Worten Jesu entgegenkommt und der sie zur Erkenntnis seiner Person führen soll, damit sich ihnen der Weg zur Wahrheit öffnet und sie ihn als den Messias erkennen. Wenn man Jesus als den Messias erkennt, öffnet sich auch die Tür zu einer tieferen Erkenntnis Gottes, des himmlischen Vaters, der ihn gesandt hat. Geht man diesen Weg der Erkenntnis, dann kann das Licht des Heiligen Geistes immer mehr offenbaren, die Gotteserkenntnis wird genauer und umfassender und die Liebe zu Gott wächst.
Auch heute stoßen sich Menschen daran, daß Jesus der einzige Weg zum Vater sein soll. Die entsprechenden Worte des Herrn (z. B. Joh 14,6) werden entweder gar nicht aufgenommen oder umgedeutet. Diese Tendenz hat sich bis in die Kirche hinein verbreitet. Leider sind diejenigen, die es eigentlich wissen müßten und beauftragt sind, die Wahrheit zu verkünden, in Gefahr, die Wahrheit durch menschliche Überlegungen und Anpassung an den Zeitgeist zu verdunkeln. Bei einem solchen Verhalten gerät vielleicht in den Hintergrund, daß wir im Auftrag Jesu handeln, daß es sein Anspruch ist, dem wir dienen, und daß es nicht unsere Wahrheit ist, die wir verkünden. Wenn wir also berufen sind, seine glaubwürdigen Zeugen zu sein, können wir gar nicht über sie verfügen, sie relativieren oder verändern.
Jesus nimmt seine Worte jedenfalls nicht zurück, auch wenn er auf Widerstand stößt, sondern versucht, sie seinen Zuhörern zu erläutern. Es bleibt bei der weitreichenden Aussage: “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben”.
Wie könnte der Herr auch ein solches Wort zurücknehmen? Er würde ja den Menschen die Hoffnung rauben, dem zu begegnen, der sie tatsächlich aus der Finsternis in das Reich Gottes führen kann! Wie könnte man den Suchenden, die unter dem Antrieb des Geistes Gottes aufgebrochen sind, um nach dem Herrn Ausschau zu halten, verwehren, den zu finden, nach dem sie sich unwissentlich bereits ausgestreckt haben? Wie könnte man der Welt, die sich so oft im Taumel der Unwissenheit über die wahren Werte befindet, den Weg zum Licht versperren und sie der Finsternis überlassen? Wie könnte man den Juden, die als Gottes geliebtes und ersterwähltes Volk schon lange auf den warten, der nun gekommen ist, die Erkenntnis verwehren, daß Jesus der verheißene Messias ist?
Jesus macht es deutlich, daß er das Licht der Welt und der Gesandte des Vaters ist. Dem Einwand, daß er von sich selbst Zeugnis ablege und sein Zeugnis daher nicht wahr sei, begegnet er mit dem Hinweis, daß der himmlische Vater ihn durch seine Worte und Werke bezeuge und daß er von ihm komme. Somit ist das Zeugnis, das er von sich gibt, wahr.
Den Pharisäern aber bleibt der Weg verschlossen, durch die Worte Jesu und durch sein Zeugnis die Wahrheit zu erkennen und sich dem Licht zu öffnen. Jesus selbst nennt dafür einen wesentlichen Grund, der auch für unsere Zeit gültig ist: “Ihr urteilt, wie Menschen urteilen.”
Dies ist ein wesentlicher Schlüssel. Um Jesus als den Messias und den Sohn des Vaters zu erkennen, bedarf es des Heiligen Geistes. Die rein natürliche Erkenntnis reicht nicht aus, um Jesus als den zu erkennen, der er wirklich ist. Wenn wir also versuchen, den Herrn nur in menschlichen Kategorien zu erfassen, werden wir höchstens bis zum Tor gelangen. Dort müssen wir anklopfen, um zu einer tieferen Kenntnis zu gelangen. Wir benötigen bereits die Erkenntnis des Heiligen Geistes, um zu Jesus »Herr« sagen zu können, in dem Sinne, daß er unser Herr ist.
Wenn wir heute innerhalb der Kirche Stimmen hören, die Jesus nicht mehr so verkünden, wie er selbst es getan hat und nach ihm seine Jünger durch die Zeiten hindurch, bedeutet das, daß das Licht des Heiligen Geistes zunehmend verlorengeht und die Erkenntnis Gottes verdunkelt wird.
Die Pharisäer hatten in der Begegnung mit Jesus die Möglichkeit, ihn und damit auch den Vater in Wahrheit zu erkennen. Ihr menschliches Urteilen stand ihnen allerdings im Weg. Hätten sie ihm zugehört, seine Worte angenommen, seine Taten anerkannt und die richtigen Schlüsse daraus gezogen, dann hätte das Licht in sie eindringen können. Sie wären seine Jünger geworden und das Herz hätte sich nicht so weit verschlossen, ihn sogar töten zu wollen.
Dieser Weg steht auch den Menschen von heute offen. Sie können Jesus fragen, wer er ist. Er wird ihnen antworten!
Die »Blume« des heutigen Tages:
Jesus verkünden und selbst Licht sein.
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/arglosigkeit-oder-naivitaet/#more-8633
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/ein-freies-herz/#more-6201
