Zurückgekehrt zu den biblischen Texten, die uns durch die Fastenzeit begleiten, hören wir zunächst von der Idolatrie der Israeliten. Sie hatten sich ein Goldenes Kalb gemacht und Mose mußte die Worte des Herrn hören:
“Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben. Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein Kalb aus Metall gegossen und werfen sich vor ihm zu Boden. Sie bringen ihm Schlachtopfer dar und sagen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben. Weiter sprach der Herr zu Mose: Ich habe dieses Volk durchschaut: Ein störrisches Volk ist es. Jetzt laß mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.” (Ex 32,7–10)
Immer wieder gerieten die Israeliten im Laufe ihrer Geschichte in die Gefahr, falschen Göttern zu huldigen. Nicht zuletzt deshalb wollte Gott sie von den anderen Völkern absondern, damit sie nicht in den Götzendienst geraten, der vor Gott ein Greuel ist. Die Heilige Schrift macht deutlich, daß diese “falschen Götter” im Gegensatz zu Gott stehen. Vom Heiligen Paulus wissen wir, daß sich hinter den Götzen Dämonen verbergen, die die Menschen täuschen wollen (vgl. 1 Kor 10,19–20). Sie tun auch heute ihre Arbeit, um die Menschen von der Erkenntnis Christi abzuhalten.
Mose trat für das Volk ein und erreichte, daß der Herr sein Vorhaben nicht ausführte. “Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.” (Ex 32,14)
Diesen Vorgang kann man immer wieder beobachten. Eigentlich hätten die Menschen es von der Gerechtigkeit Gottes her gesehen verdient, daß Gott sie die Konsequenzen ihres bösen Handelns erfahren läßt. Doch immer stärkt unser Vater Menschen, die für die anderen eintreten. Hier ist es Mose, der für das Volk Israel einritt, in Vorschattung des Messias, der kommen wird, um für die ganze Menschheit vor dem himmlischen Vater einzutreten. Bald hören wir die nie verklingenden Worte unseres Herrn am Kreuz, von denen wir alle leben: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!” (Lk 23,34).
Noch ist es nicht soweit. Jesus muß sich im heutigen Evangelium (Joh 7,14-31) mit dem Unglauben der Juden auseinandersetzen, denen Jesu Kenntnis der Heiligen Schrift auffiel. Sie fragten sich: “Wie kann der die Schrift verstehen, ohne dafür ausgebildet zu sein?” Wie vieles andere konnten sie sich das nicht erklären, denn Jesus redete nicht so, wie sie es von den Schriftgelehrten kannten. Wie der Evangelist Lukas berichtet, waren die Menschen “außer sich vor Staunen über seine Lehre, denn er redete mit Vollmacht” (Lk 4,32).
Jesus nutzte ihre Frage, woher seine Kenntnis komme, und vermittelte ihnen, daß seine Lehre und seine Vollmacht vom himmlischen Vater stammen, in dessen Auftrag er handelt. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß viele Menschen sich von den Worten Jesu treffen lassen.
Wenn jemand in der Wahrheit spricht, kommt seine Autorität von dieser Wahrheit, und sie fragt nach der Antwort des Menschen, denn der Mensch ist auf die Wahrheit hin geschaffen. Sich bewußt der Wahrheit zu verschließen bedeutet, in äußerste Finsternis und Verblendung zu geraten. Jesus stellt uns das sehr überzeugend vor Augen: “Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich von mir aus spreche” (Joh 7,17).
Doch seine Worte fanden bei vielen Verantwortlichen kein Gehör – im Gegenteil: das Leben Jesu wurde schon bedroht. Es war eine Heilung am Sabbat, die als Vorwand diente, ihn zu verfolgen.
Warum trachteten die führenden Juden so sehr danach, Jesus zu töten? Selbst ein Pilatus, der römische Statthalter, merkte bei dem Verhör, daß Jesus unschuldig war und man ihm objektiv nichts vorwerfen konnte (Mt 27,18). Warum also die Verfolgung des Herrn schon zu einem so frühen Zeitpunkt seines Wirkens? Wir erinnern uns, daß Jesus in seiner Heimatstadt Nazaret sogar vom Berg hinabgestürzt werden sollte (Lk 4,29).
Die Heilige Schrift selbst benennt Gründe. Jesus spricht vom Haß der Welt: “Mich aber haßt sie, weil ich bezeuge, daß ihre Taten böse sind” (Joh 7,7) Von denen, die ihn verfolgen, sagt er, daß sie “den Teufel zum Vater haben (Joh 7,44). In diesen Zusammenhang gehört auch noch das Wort Jesu hinein, daß diejenigen, die ihn hassen, nicht die Ehre Gottes, sondern ihre eigene Ehre suchen (Joh 7,18), und daß sie kein rechtes Urteil fällen (Joh 7,24). Wir könnten noch weitere Gründe aufführen, warum die Menschen, die Jesus verfolgten, so verblendet waren. Schließlich hat das ja dazu geführt, daß der Gottessohn gewaltsam getötet wurde – und das, obwohl er nichts anderes getan hatte, als das Reich Gottes zu verkünden und es mit seinen Zeichen bereits zu vergegenwärtigen.
Wie es in der Begegnung Jesu mit jenen erkennbar wird, die ihm nach dem Leben trachten, haben die bösen Gedanken gegen Jesus schon früh von ihnen Besitz ergriffen und sie zunehmend unter die Herrschaft des Teufels geraten lassen. Der Anknüpfungspunkt für den Teufel mag der Neid gewesen sein, vielleicht auch der Stolz, daß ein Ungelehrter auftrat und sich Gott gleichmachte. Dann kamen irrige Gedanken auf, Jesus würde das Volk verführen und das könnte auch ihre Stellung im Volk infrage stellen. Statt auf Jesus zu hören und ihm zu vertrauen, wehrten sie diese verkehrten Gedanken nicht ab, sondern ließen ihnen freien Lauf. So konnte der Teufel sie als Instrumente nutzen, um durch sie seine verderblichen Pläne auszuführen. Das ist die Situation, die unsichtbar im Hintergrund wirksam ist und die wir uns als geistliche Menschen vergegenwärtigen müssen.
Nehmen wir auf unseren Pfad mit, uns tief in der authentischen Lehre der Kirche zu verankern, die ein Geschenk des himmlischen Vaters ist, und unseren geistlichen Weg in Übereinstimmung mit ihr zu gehen.
Die »Blume« des heutigen Tages:
Den geistlichen Weg in Übereinstimmung mit der wahren Lehre gehen.
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/der-strom-des-lebens-2/#more-8615
zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/jesus-heilt-und-mahnt/#more-6172
