HELLER ALS TAUSEND SONNEN

Jesus sprach: “Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.” (Joh 17,1)

Die Stunde Jesu…

Es ist die dunkle Stunde, in der Jesus bis auf das Äußerste seine Liebe zu seinem Vater zeigt.

Es ist die dunkle Stunde, in der Jesus Hilfe in Gethsemane bei den Jüngern sucht und sie nicht findet (Mt 26,36-46).

Es ist die dunkle Stunde, in der Jesus sein letztes Ja zum Willen des Vaters gibt (Mt 26,42). Weiterlesen

An der Schwelle im Haus Gottes stehen

    

Auszüge aus Psalm 84 (dieser Psalm ist der heutige Antwortpsalm, allerdings vom Lesejahr I)

 

Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht

nach dem Tempel des Herrn.

Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu,

ihm, dem lebendigen Gott.

 

Auch der Sperling findet ein Haus

und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –

deine Altäre, Herr der Heerscharen

mein Gott und mein König.

 

Wohl denen, die wohnen in deinem Haus,

die dich allezeit loben.

Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir;

sie schreiten dahin mit wachsender Kraft.

 

Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums

ist besser als tausend andere.

Lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes

als wohnen in den Zelten der Frevler.

 

Die große Liebe ist im Psalmisten erwacht! Seine Seele “ist krank vor Liebe” (Hld 2,5), weil sie nicht in der ganzen Vereinigung mit Gott leben kann. Sie verzehrt sich vor Sehnsucht, denn alles in ihr streckt sich nach Gott aus. Gleichzeitig jauchzt die Seele Gott zu: Ihm, der ihr begegnet ist und sie mit seiner Liebe betört hat.

Es ist etwas sehr Süßes und ein unendliches Glück, diese Liebe zu erleben. Niemand sonst vermag die Seele zu erfüllen und alles in ihr zur Vollendung bringen, als Gott allein. Um dieser Liebe willen kann man alles zurücklassen (vgl. Mk 10,21). Die Geschöpfe, so schön und heilbringend sie auch sein mögen, sie alle sind nur Zeugen, Zeugen dessen, der die Liebe selbst ist (1 Joh 4,16). Der Heilige Augustinus beschreibt seine Suche nach Gott folgendermaßen:  “Ich fragte Himmel, Sonne, Mond und Sterne und sie antworteten: Auch wir sind nicht Gott, den du suchest. Da sprach ich zu allen, welche umgeben die Pforten meines Fleisches: Ihr sagt mir nur von meinem Gott, daß ihr es nicht seid, sagt mir doch etwas über ihn. Und sie riefen mit erhobener Stimme: Er hat uns gemacht.” (Bekenntnisse, 10,6)

Die zur Gottesliebe erwachte Seele möchte allezeit bei ihrem Geliebten sein. Sie kann sich nicht vorstellen, auch nur einen einzigen Tag getrennt von ihm zu leben. Lieber möchte sie den letzten Platz im Tempel Gottes einnehmen, als bei den Frevlern zu wohnen. Jeder Moment bei Gott ist ihr unendlich viel wert: “ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums ist besser als tausend andere.”

Dies ist die Sprache der Liebe, die alle Hindernisse überwinden will, um bei dem Geliebten zu sein.

Und wie wahr sind diese Worte auch für uns Christen!

Ist es nicht unvergleichlich besser, auch nur in weitester Entfernung von Jesus zu stehen und ihn zu grüßen, als die Seele vom unsinnigen Taumel dieser Welt verwirren zu lassen? Ist es nicht besser, an der Pforte zum Himmelstor den einfachsten Dienst zu tun, als in einer frevelhaften Welt etwas zu gelten und am Ende an den Ort verwiesen zu werden, an dem “Heulen und Zähneknirschen” (z.B. Mt 25,30) sein wird?

Vielleicht spüren wir im Herzen nicht einen so hohen Aufschwung wie der Psalmist und könnten die Worte nicht mit derselben Glut aussprechen. Doch sollten wir uns davon nicht eintrüben lassen. Wir können ja den Herrn bitten, daß er uns zu einer solchen Liebe erweckt, Ihm nichts mehr vorzuziehen und wirklich für Ihn zu brennen, damit diese Glut unser ganzes Leben erfaßt.

Auch wenn wir uns nicht besonders von der Liebe entzündet sehen, können wir dem Herrn auf verschiedene Weise unsere Liebe erweisen. Der erste und größte Erweis unserer Liebe ist das treue Einhalten seiner Gebote: “Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt” (Joh 14,21), sagt uns Jesus.

Wir zeigen ihm unsere Liebe auf vielen verschiedenen Wegen: in der treuen und aufopferungsvollen Bereitschaft, unsere Standespflichten zu erfüllen, im Dienst am Nächsten, in der Treue und im Ausharren: “Du hast mein Gebot bewahrt, standhaft zu bleiben; daher werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über die ganze Erde kommen soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe zu stellen.” (Apk 3,10).

Auch wenn wir uns innerlich kalt und distanziert fühlen, sollten wir nicht verzweifeln und denken, wir seien nicht fähig zu lieben. Halten wir dem Herrn unser kaltes Herz hin und sagen unserem Vater, daß wir ihn lieben und als seine Kinder leben möchten. Gott wird dann auf unsere Absicht schauen und unsere Bemühung schon als Akt der Liebe betrachten.

 Liebe Zuhörer meiner täglichen Ansprachen. Ab morgen werden wir neun Meditationen zu Gott Vater senden. Diese Novene ist im letzten Jahr entstanden, und wir haben sie auch in Form von Videos auf YouTube gestellt. Vielleicht vermögen diese Betrachtungen dazu dienen, noch mehr in der Liebe Gottes zu erwachen. Das betrifft nicht nur unsere Liebe zu ihm, sondern noch mehr Seine Liebe zu uns (vgl. Joh 15,16), von der wir uns immer tiefer erfassen und entzünden lassen können, wie uns das heute der Psalmist bezeugt.