Heute machen wir den letzten Schritt auf unserem Fastenpfad, bevor wir in die Heilige Woche eintreten. Ich lade herzlich ein, uns weiter zu folgen. Wir werden die Texte der Heiligen Woche von 2024 übernehmen. Einzelne Passagen werden mehr auf meditative Weise betrachtet. Gerne kann man sie auch per Video auf YouTube verfolgen[1].
Am Anfang des heutigen Evangeliums (Joh 12,10–36) begegnen wir bereits dem Einzug Jesu in Jerusalem, den wir morgen, am Palmsonntag, noch einmal tiefer betrachten werden.
Für kurze Zeit war in Jerusalem alles so, wie es sein sollte. Das Volk begrüßte den wahren König Israels und eilte ihm entgegen. In diesem Geschehen lag die Wahrheit, und man konnte erkennen, was Israel für die ganze Menschheit tun sollte. Es war nicht nur ein menschlicher König, sondern der himmlische König kam auf die Erde, um sein Volk zu erlösen. Er zieht ein in die “Stadt des großen Königs” (Mt 5,35), nämlich das von Gott erwählte Jerusalem. Welche Freude und welche Gnade schenkt der ewige Vater seinem Volk! Es kommt der, dem alle Ehre, Lob und Herrlichkeit gebühren (Apk 5,12).
Und wie zieht er ein? Dieser König verzichtet auf allen äußeren Glanz und Prunk, um seine Bedeutung und Stellung vor den Menschen zu betonen. Nein, der himmlische König kommt mit dem Fohlen einer Eselin zur Tochter Zion, wie es in der Schrift vorausgesagt wurde (Sach 9,9). Der Jubelruf sollte nie verstummen, sondern in alle Ewigkeit erschallen: “Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!” (Joh 12,13).
All dies geschah vor den Augen seiner Jünger. Aber erst später, als Jesus verherrlicht war, konnten sie es wirklich begreifen. Später, als der Heilige Geist auf sie herabkam und sie in seinem Licht vieles erkennen konnten, was ihnen vorher noch verborgen geblieben war, da wurde ihnen bewußt: Die Schrift hatte sich erfüllt!
Doch Licht und Schatten lagen dicht beieinander. Der so heilsnotwendige Glaube an den Messias wächst, die Menschen eilen zum wahren König Israels. Eigentlich müßte sich der Weg für sein Volk weit öffnen, damit der Herr die Seinen sammeln kann, “so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt” (Lk 13,34). Was wäre geschehen, wenn das ganze Volk von der Gnade ergriffen worden wäre? Mit dem Heiligen Paulus können wir nur erahnen, welch ein Segen das für die ganze Menschheit gewesen wäre: “Wenn schon ihre Zurückweisung für die Welt Versöhnung bedeutet, was wird dann ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten?” (Röm 11,15).
Leider aber haben sich viele der damaligen religiösen Führer gegen den Herrn entschieden und sind dabeigeblieben. Das hat sich auch auf das Volk ausgewirkt.
Die Stunde des Herrn rückt näher. Er selbst sagt: “Die Stunde ist gekommen, daß der Menschensohn verherrlicht wird.” Die Stunde, in der er seine abgrundtiefe Liebe zu seinem Vater und zu uns Menschen zeigt. Die Stunde, in der er “gehorsam ist bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz” (Phil 2,8). Die Stunde, in der er als Lamm Gottes geschlachtet wird, um für die Sünde der Welt zu bezahlen (vgl. Joh 1,29).
Jesus spricht von einer anderen Verherrlichung, als die Menschen sie sich häufig vorstellen: Nicht glänzende Siege auf dem Schlachtfeld, nicht Medaillen für große sportliche Leistungen und nicht wissenschaftliche Spitzenerfolge verherrlichen den Menschen, sondern Taten wahrer Gottes- und Nächstenliebe. Das stellt uns Jesus vor Augen: die Liebe zu Gott, zu seinem und zu unserem Vater, die Liebe zu uns Menschen, die Jesus zu seinen Brüdern und Schwestern macht und für die er sein Leben hingibt.
“Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht” (Joh 12,24). Das ist es, was unser Herr tut, und so wird er verherrlicht.
Mit diesen Worten, die Jesus im Angesicht seines nahenden Todes spricht, gibt er allen, die ihm ernsthaft nachfolgen wollen, eine reiche Unterweisung über das wahre Leben. Mit Nachdruck macht der Herr uns klar, daß sich das menschliche Leben nicht in diesem irdischen Leben erschöpft. Deshalb soll der Mensch nicht danach trachten, dieses vergängliche Leben zu suchen, um es zu genießen. Gerade dadurch verschließt er sich der höheren Dimension des Daseins und wird gewissermaßen stumpf und immer unempfänglicher für die geistliche Dimension, für das Leben in Gott. Diese Dimension erschließt sich nur dem, der seinen Sinn auf das richtet, was oben ist, und nicht auf das Irdische (Kol 3,2), wenn er also nach Gott und nach seiner tieferen Bestimmung sucht, die Gott für ihn vorgesehen hat. Vor allem öffnen sich ihm die Tore zum Reich Gottes, wenn er in Einheit mit dem himmlischen Vater leben will.
Mit diesen Betrachtungen möchte ich den Weg durch die Fastenzeit abschließen und freue mich über jeden, der mitgegangen ist, auch wenn es nur ein Abschnitt war. Jetzt betreten wir mit unserem geliebten Herrn die Heilige Woche, die eine Gnadenzeit für die ganze Menschheit ist. Hier in Jerusalem hat der Herr alles vollbracht, und es ist nun unsere Aufgabe, in dieser Gnade zu leben und es den Menschen zu bezeugen, daß das Herz unseres himmlischen Vaters für alle offensteht und Jesus der Weg zu ihm ist.
Die »Blume« des heutigen Tages:
Wir begleiten den Herrn durch die Heilige Woche.
Ich möchte mit den Worten des Herrn selbst abschließen, die am Ende des heutigen Evangeliums stehen:
“Glaubt an das Licht, solange ihr das Licht habt, damit ihr Kinder des Lichtes seid” (Joh 12,36)
Im Anhang haben wir den Blumenstrauß zusammengestellt, den wir in diesen 39 Tagen gesammelt haben.
Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:
zur Tageslesung: https://elijamission.net/dein-reich-komme/#more-8666
[1] https://www.youtube.com/watch?v=33MfylPRuic&list=PLhPyXvUtDCldVzIrG3LnGoLs0qdIhdJpD
