27. Tag: »Der Heilige Abraham und seine Nichte, die Heilige Maria«     

Da wir die Reinigung des Tempels bereits am neunten Tag unseres Fastenpfades thematisiert haben (https://elijamission.net/7-tag-im-heiligen-geist-dem-boesen-widerstehen/#more-19907) werde ich heute die Geschichte von zwei Heiligen in unseren Weg integrieren, deren Fest am 16. März ist. Es handelt sich um den heiligen Abraham († 16. März 360) aus Edessa in Mesopotamien und um seine Nichte Maria († 16. März 355).

Schon früh hatte Abraham Sehnsucht nach einem Leben in der Einsamkeit mit Gott und bat seine Eltern um Erlaubnis, ein solches Einsiedlerdasein zu führen. Doch seine Eltern hatten eine Hochzeit mit einer – aus ihrer Sicht – ihm würdigen Jungfrau vorgesehen. Schweren Herzens war Abraham ihnen gehorsam.  Die Legende berichtet Folgendes: Nach der Hochzeitsfeier “erklärte er seiner Braut den gefaßten Entschluß, in immerwährender Enthaltsamkeit zu leben. Dann ging er heimlich davon und verschloß sich in einer einsamen Zelle, die ungefähr eine Stunde von der Stadt Edessa entfernt lag.

Der Ruf Gottes in die Einsamkeit war stärker, sodaß auch alle Versuche, ihn zu seiner Gattin zurückzuführen, vergeblich waren. Er mauerte seine Zelle zu bis auf ein kleines Fenster, durch das er die notwendigsten Dinge für seinen Lebensbedarf erhielt.

Fünfzig Jahre führte er ein sehr asketisches und gottverbundenes Leben. Als seine Eltern starben, hinterließen sie ihm ein großes Vermögen, das er durch einen tugendhaften Freund an Arme und Waisen verteilen ließ. Indessen breitete sich der Ruf seiner Heiligkeit immer mehr aus, und man strömte von allen Seiten herbei, um ihn zu sehen und seine Reden anzuhören, die voll Salbung, Weisheit und Gnade waren.

Es begab sich nun Folgendes: Bei der Stadt Edessa lag ein kleiner, sehr volkreicher Marktflecken, dessen Einwohner noch dem Götzendienst ergeben waren. Noch keinem der Missionare, die man dorthin geschickt hatte, war es gelungen, das Licht des Evangeliums in den dichten Finsternissen anzuzünden. Die einzige Frucht ihrer Mühen war, daß sie sich tausend Mißhandlungen zuzogen. Der Bischof von Edessa, dem die Bekehrung dieses Marktfleckens sehr am Herzen lag, entschloß sich, einen neuen Versuch zu machen. Er warf daher sein Auge auf Abraham, der im hohen Ruf der Heiligkeit stand, weihte ihn – seiner Widersetzung ungeachtet – zum Priester, und erteilte ihm den Auftrag, dieser verirrten Herde den Glauben zu predigen. Während der Reise empfahl der Heilige sein Unternehmen dem Schutz des Himmels.

Als der Marktflecken vor seinen Blicken lag, sah er den Rauch von Götzenopfern aufsteigen. Da vergoß er viele Tränen über die Blindheit des Volkes und verdoppelte seine glühenden Gebete. Kaum war er angelangt, fing er an, die Lehre Jesu zu predigen, aber niemand wollte ihn hören. Er ließ sich davon jedoch nicht abschrecken. Die Heiden mochten ihn noch so sehr mißhandeln und aus ihrer Mitte wegtreiben, er kam jedes Mal mit demselben Eifer zurück. Drei Jahre vergingen auf diese Weise. Die Geduld und Sanftmut Abrahams rührten endlich diese Götzendiener. Sie dachten über sein Betragen nach, das ihnen unbegreiflich schien, und zweifelten nicht daran, daß der Heilige auf göttlichen Antrieb handelte. Sie entsagten nach und nach alle ihrem Aberglauben und begehrten die Gnade der Taufe. Der Heilige verbrachte noch ein ganzes Jahr, um sie im Glauben zu bekräftigen. Dann versah er sie mit eifrigen Religionsdienern und kehrte wieder in seine Zelle zurück.

Als der Bruder des Heiligen starb und noch eine sehr junge Tochter namens Maria hinterließ, nahm sich Abraham ihrer an, baute neben seiner Hütte eine Hütte für sie, um sie in ein gottseliges Leben einzuführen. Maria nahm die Formung durch den Heiligen willig an und begann, ein tugendhaftes und vorbildliches Leben der Buße zu führen. Doch sie ließ sich durch einen anderen Einsiedler, der vorgab, sich bei Abraham Rat holen zu wollen, zur Unkeuschheit verführen.

Zunächst fand sie keinen Weg zu Gott zurück, fiel in Verzweiflung, zog sich in eine andere Stadt zurück und ergab sich dort einem sündigen Leben.

Abraham, der nicht wußte, was aus seiner Nichte geworden war, beweinte ihr Unglück mit bitteren Tränen und flehte zu Gott in beständigem Gebet um ihre Bekehrung. Erst zwei Jahre später erfuhr er, wo sie sich aufhielt. Er brach auf, verkleidete sich und gab sich ihr erst zu erkennen, als er allein mit ihr war. Er sprach:

“Maria, meine Tochter, Maria, kennst du mich? Was ist das englische Gewand deiner Jungfrauschaft geworden? Wie bist du, meine geliebte Tochter, in den Abgrund des Lasters gesunken? Warum gestandest du mir nicht deinen Fall? Ich hätte dir geholfen, wieder zur Gnade Gottes zurückzukehren. Verzweifle nicht! Ich nehme deine Sünden auf mich: Glaube mir nur und kehre in deine Einsamkeit zurück. Es ist nichts Befremdendes, daß man im Kampf zur Erde geworfen wird, es ist aber schandvoll, sich nicht mehr zu erheben. Verscheuche das Mißtrauen! Alle Menschen können fallen, dies ist eine Folge ihrer natürlichen Schwäche. Denke einzig daran, den Beistand der Gnade Gottes zu erbitten! Gott will den Tod des Sünders nicht, sondern daß er sich bekehre und lebe.

Maria ließ sich von diesen Worten treffen und folgte dem Heiligen zurück in ein Leben mit Gott. Sie verbrachte die letzten fünfzehn Jahre ihres Lebens in der Übung aller Tugenden.

Gott nahm ihre Buße mit Wohlgefallen an und verlieh ihr drei Jahre nach ihrer Bekehrung sogar die Gabe der Wunder. Endlich starb sie den Tod der Gerechten. Der Heilige Ephrem sah sie noch vor ihrer Beerdigung und sagte, ihr Angesicht habe in Herrlichkeit gestrahlt und eine Schar himmlischer Geister habe ohne Zweifel ihre Seele in die glückseligen Wohnungen hinübergetragen.

Der Heilige Abraham lebte noch weitere fruchtbare fünf Jahre in seiner Einsiedelei und es werden Wunder berichtet, die allein durch das Berühren seiner Kleider geschahen.

Der Name der heiligen Maria steht in den griechischen Kalendern, jener des heiligen Abraham aber ist nicht nur in den griechischen, sondern auch in den lateinischen und koptischen Kalendern verzeichnet.

Was können wir daraus als Lehre und Anregung auf unserem Pfad mitnehmen?

  • Einer Berufung durch den Herrn ist unbedingt zu folgen, damit eine große Fruchtbarkeit entsteht.
  • Wenn wir dem Herrn in der Evangelisierung dienen, gilt es, beharrlich zu sein und die Geduld und Sanftmut des heutigen Heiligen zu erlernen.
  • Sehen wir jemanden vom Pfad der Tugend abweichen und gar seine Berufung verlieren, dann müssen wir geistig um ihn kämpfen.
  • Und schließlich: Wenn wir in unserer Nachfolge des Herrn und in dem damit verbundenen Kampf fallen, gilt es, wieder aufzustehen und der Barmherzigkeit des Herrn zu vertrauen!

Die »Blume« des heutigen Tages:

Beharrlich für jene beten, welche in die Gefangenschaft der Sünde geraten sind.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/es-kommt-eine-zeit-der-freude/#more-6165

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/die-rechte-einordnung-von-zeichen-und-wundern-2/#more-8610

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