18. Tag: »Ein Weg zu einem reinen Herzen« Teil I

 

Wie in meiner letzten Betrachtung angekündigt, schiebe ich in unseren Fastenweg einen kleinen Exkurs über die Bekehrung des Herzens ein. Zum einen ergibt sich dieses Thema aus den wiederkehrenden biblischen Texten, die die Abkehr des Herzens von Gott beschreiben und auch deutlich das Böse benennen, das im menschlichen Herzen zu finden ist. Zum anderen ist eine Vertiefung dieses Themas auch angesichts der Kriege angebracht, die derzeit auf der Welt nicht zur Ruhe kommen und nun leider auch wieder die Menschen im Mittleren Osten in Mitleidenschaft ziehen. Das betrifft sehr zentral Israel, das Land, in welchem Jesus das Werk der Erlösung vollbracht hat.

Ich betrachte es nicht als meine Aufgabe, im Rahmen dieses Fastenweges die politischen, sozialen und religiösen Hintergründe dieses Konfliktes zwischen Israel und dem Iran besonders zu erläutern. Doch die Frage bewegt mich, was wir als Jünger des Herrn tun können, um dem Geist des wahren Friedens, der von Gott kommt, zu dienen und ihn in solch bedrohlichen Situationen gewissermaßen aktivieren zu können.

Ohne die vielfältigen Problemfelder etwa auszublenden, die zu kriegerischen Aktionen führen, muß es trotzdem klar sein, daß der Unfriede auf der Erde einen ganz bestimmten Ausgangspunkt hat. Unfriede aller Art entsteht, weil viele Menschen nicht den Geboten Gottes gehorchen und auch nicht an den Sohn Gottes als ihren Erlöser glauben und entsprechend leben.

Gott hat die Menschen nicht geschaffen, damit sie Kriege führen und im Streit miteinander leben, sondern damit sie mit Gott und den Menschen in einer Gemeinschaft der Liebe – was wir das »Reich Gottes« nennen – zu Hause sind. Die Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden, wie sie uns das Vaterunser ans Herz legt, bleibt für uns als Jünger des Herrn eine vordringliche Aufgabe.

Wenn man dieser Grundlinie folgt, wird klar, was wir als Gläubige tun können.

  1. Das authentische Evangelium verkünden, denn es wird keinen wahren Frieden auf der Erde geben, wenn die Menschen nicht zu Gott umkehren. Wir haben das zu tun, was an uns liegt.
  2. Mit großem Glauben Gott um den wahren Frieden bitten.
  3. Unsere eigene Umkehr vertiefen – die Bekehrung unseres Herzens.

Der letzte Punkt soll nun das Thema werden. Dabei greife ich partiell auf bereits früher veröffentlichte Texte zurück.

“Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken: Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein” (Mk 7,20–23).

Für jeden geistlichen Fortschritt ist die Verinnerlichung dieses Textes unabdingbar. Wir können uns noch so viele Übungen und Opfer auferlegen, Regeln befolgen und viele wichtige apostolische Werke tun. Wenn wir jedoch nicht an unserem Herzen arbeiten, dann wird Gottes Liebe kaum in uns wachsen. Hier kann man durchaus die bekannten Worte des Heiligen Paulus heranziehen, daß alles wie tönendes Erz wäre, wenn wir die Liebe nicht hätten (vgl. 1 Kor 13,1). Die Reinigung des Herzens bedeutet nämlich, in der Liebe zu wachsen.

Die Verinnerlichung des Textes besteht zunächst darin, zu realisieren, daß die vom Herrn angesprochene Bosheit tatsächlich in unserem Herzen wohnt. Das sollte uns wachsam machen und von allen Illusionen über uns selbst befreien. Es mag zunächst wehtun, all dies in uns zu entdecken. Wenn der Herr uns jedoch so deutlich darauf anspricht: “Hört mir alle zu und begreift, was ich sage”, dann ist es ihm ein großes Anliegen, daß wir nicht blind sind und in der Blindheit unsere eigenen Abgründe übersehen.

Der gesunde Realismus, uns als zum Bösen geneigte Menschen zu erkennen, wie es uns die katholische Kirche lehrt (s. KKK, Nr. 402–403), darf uns allerdings weder zum Fatalismus noch zur Resignation führen. Nein, er bewahrt uns vor Illusionen über uns selbst, aus denen im religiösen Bereich sonst eine Art »selbstgemachte Heiligkeit« entstehen kann.

Eine wahrhaftige Selbsterkenntnis ist vielmehr ein Ruf, ganz zu dem aufzubrechen, der uns ein neues Herz schenken kann (vgl. Ez 36,26). Mit seiner Hilfe vermögen wir mitzuarbeiten, damit die Gnade Gottes uns in Menschen verwandelt, die nach seinem Bilde geformt sind.

Nehmen wir aus der Aufzählung Jesu, was alles “von innen, aus dem Herzen der Menschen” kommt, die bösen Gedanken heraus. Wir könnten die entsprechenden Gefühle noch hinzunehmen.

Wie können wir böse Gedanken überwinden?

Zunächst gilt es, die bösen Gedanken auch als solche zu identifizieren. Das dürfte eigentlich für einen Menschen in der Nachfolge des Herrn nicht so schwierig sein. Das Evangelium ist ein starkes Licht, in dem wir uns zu erkennen vermögen, wie auch die Gegenwart des Heiligen Geistes in uns, der uns an die Worte des Herrn erinnert (vgl. Joh 14,26) und zum inneren Meister auf dem Weg zu einem reinen Herzen wird.

Allerdings kann schon in der ersten Phase ein großes Hindernis auftauchen, welches uns den Weg gar nicht richtig beschreiten lassen will. Es ist der Stolz, der nicht zugeben kann, daß wir böse Gedanken haben und sie u.U. sogar rechtfertigt. Das wird besonders in geistlicher Hinsicht zu einem schwerwiegenden Problem und macht den Menschen zunehmend blind. Der Stolz wird hier zu einem unbeugsamen Wächter, der eine Selbsterkenntnis gar nicht erst zulassen will.

Halten wir für heute fest: Ein erster wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einem reinen Herzen ist die Bereitschaft, ohne Angst und Verdrängung den eigenen Schatten wahrzunehmen, das Böse also, das von innen kommt, zu erkennen und sich zuzugeben. Immer sollte uns dabei gegenwärtig sein, daß dies im Angesicht eines liebenden Vaters geschieht, der uns aus der Dunkelheit in sein Licht führen möchte (vgl. 1 Petr 2,9).

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/gott-liebt-es-gnaedig-zu-sein/#more-1024

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/die-liebe-eines-vaters/#more-6105

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