11. Tag: »Freude, Gebet und Dankbarkeit«

 

Heute vernehmen wir verschiedene Weisungen des heiligen Paulus an die Gemeinde in Thessaloniki (1 Thess 5,14–23), nach denen sie leben sollen, damit der Friede Gottes unter ihnen herrscht und sie so “bewahrt bleiben für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus Drei der Bitten, welche der Apostel an die Gemeinde richtet, werden wir ein wenig genauer betrachten. Da heißt es: “Freut euch allezeit, betet ohne Unterlaß, seid dankbar für alles; denn das will Gott von euch allen in Christus Jesus.

  1. “Freut euch allezeit(1 Thess 5,16)

Hier ist sicher keine emotionale Freude gemeint, so schön diese auch sein mag. Allerdings kann sie rasch wieder weichen und andere Gefühle treten an ihre Stelle. Vielmehr ist eine geistige Freude gemeint, genauer gesagt, die Freude an Gott selbst. Die tägliche Erinnerung daran, daß Gott uns liebt, kann zu einer dauerhaften und tiefen Freude führen – besonders, wenn wir uns bewußt werden, daß die Liebe Gottes auch dann nicht von uns weicht, wenn wir schwach sind und hinter dem zurückbleiben, was wir uns vorgenommen haben. Das grundsätzliche »Ja« Gottes ist über unserem Leben gesprochen, das wir den vielen »Nein«, die uns von innen oder außen begegnen, entgegenstellen.

Die Freude an der Weisheit Gottes erfüllt unsere Seele, wenn wir sie in unserem Leben und auch im Leben anderer Menschen erkennen können. Es gibt unzählige Umstände, sich an Gott zu freuen: bei der Vertiefung in das Wort Gottes, in der Schönheit seiner Schöpfung oder an seiner liebenden Allmacht, die selbst Böses in den Dienst zu nehmen weiß. Einfach die Freude an Gott, unserem Vater, weil er Gott ist und wie er ist!

Die Quelle der Freude fließt dann, wenn wir an Gott denken und mehr mit ihm, als mit allem anderen beschäftigt sind, wenn wir das irdische Leben mit Blick auf ihn und an seiner Hand durchwandern.

Der nächste Hinweis des Apostels hilft uns, daß dies leichter möglich wird.

  1. “Betet ohne Unterlaß(1 Thess 5,17)

Das Gebet ist der Schlüssel, um in ständiger Verbindung mit Gott zu bleiben. Wir wissen, daß die Gnade immer weniger in uns wirksam werden kann, wenn wir das Gebet vernachlässigen. Hören wir mit dem Gebet gar auf, dann dürfte der Glaube bald in uns absterben. Stattdessen werden andere Inhalte unser Leben bestimmen. Umgekehrt können wir daraus den Schluß ziehen, daß wenn wir viel beten, und so das Gebet unser Leben durchdringt, die Gnade Gottes in unserem Leben sich immer reicher entfaltet. Gewiß ist damit ein wahrhaftiges Gebet gemeint, in dem wir unsere Herzen zu Gott erheben und nicht nur mechanisch, ohne wirkliche innere Beteiligung, unsere Gebete verrichten.

Wie ist aber die Aufforderung, ohne Unterlaß zu beten, was äußerlich betrachtet höchstens die Einsiedler in der Wüste vollbringen können, zu verstehen? Die Antwort ist, das Leben in all seinen Aspekten zu einem Gebet zu machen.  Der Altvater Antonius in der Wüste gab den Rat: “Wohin immer du gehst, habe überall Gott vor Augen! Was wir auch tun, alles können wir Gott widmen und so jeden Lebensbereich mit dem Herrn in Verbindung bringen, wie es der Apostel lehrt: “Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! (Phil 4,6) oder “Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen (1Tim 2,1).

Viel kann es uns helfen, wenn wir uns in eine Gebetsweise einüben, die dem Herzensgebet der Wüstenväter verwandt ist. Sie trugen den Namen des Herrn immer auf den Lippen und so auch im Herzen. Die klassische Form ist bekannt geworden: Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich unser. (In YouTube habe ich einen Vortrag über das Herzensgebet niedergelegt: https://www.youtube.com/watch?v=L5NwciuAyXY)

Es geht darum, daß wir uns auf allen Wegen, die der Heilige Geist uns zeigt, mit dem Herrn verbinden, ihn tiefer unser Leben bestimmen lassen, sodaß das Gebet zu unserem Leben wird: in der Anbetung, in der Danksagung, in der Fürbitte, im stillen Verweilen vor dem Herrn, in der mystischen Versenkung – wenn uns diese geschenkt wird –, in der »guten Meinung«, das heißt, daß alles, was wir tun, bewußt zur Ehre Gottes geschieht.

Kurz: Das heilige Leben Gottes zieht in uns ein und macht unser Leben ungemein fruchtbar.

  1. “Seid dankbar für alles!(1 Thess 5,18)

In dieser Haltung wird unser Leben zu einer Leuchte, und wir beginnen, die von Gott geschenkte Realität tiefer zu erkennen und zu verwirklichen. Dankbare Menschen sind uns schon im rein menschlichen Bereich eine Freude und verschönern das Leben. Man lebt gerne mit ihnen zusammen. Wieviel mehr leuchtet es aber noch auf, wenn wir dem Herrn dankbar sind und ihn als Ursache alles Guten preisen! Wie sehr können wir damit auch Menschen gewinnen und einen Strahl seines Lichtes weitergeben! Wie sehr wird es den Herrn erfreuen, wenn wir ihn so in seiner Güte erkennen!

Zum Schluß der heutigen Betrachtung gebe ich ein Wort des heiligen Wüstenvater Antonius mit auf den Weg, der uns mit einfachen Worten sagt, wie der Teufel uns den Frieden des Herzens nehmen möchte und auch den Weg zur Dankbarkeit versperrt.

“Der Teufel will uns mit Dingen aus der Vergangenheit bedrücken und beschäftigen, die nicht mehr zu verändern sind (und die schon vergeben sind), sowie mit Ängsten vor der Zukunft plagen. Dies aber bewirkt, daß wir nicht die rechte Dankbarkeit für die Führung Gottes in der Gegenwart finden.

Dies wiederum wirkt sich darauf aus, daß in unserem Herzen die Freude an Gott nicht genügend wohnt und auch das Gebet unnötig mit Sorgen belastet wird.

Die »Blume« des heutigen Tages:

  • Die Freude an Gott gewinnen.
  • Das Gebet suchen.
  • Unser Herz zu einem Garten der Dankbarkeit werden lassen.

Betrachtungen nach der Leseordnung des Novus Ordo:

zur Tageslesung: https://elijamission.net/der-bund-mit-gott-2/#more-6051

zum Tagesevangelium: https://elijamission.net/vollkommen-sein-wie-es-der-himmlische-vater-ist-2/#more-14530

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