PATER NOSTER (VII)

“Und vergib uns unsere Schuld” (Mt 6,12).

Es ist die große Liebestat Gottes, daß er uns um seines Sohnes willen unsere Schuld vergibt. Wer könnte ohne diesen Akt der Liebe bestehen? Denn schuldig werden wir nicht nur durch unsere bösen Taten, sondern auch durch das, was wir an Gutem unterlassen.

Nicht selten geht man mit dem Bereich der Schuld nicht angemessen um. Einerseits gibt es die Neigung, Schuld nicht anzuerkennen, sie zu übergehen, und man steht so in der Gefahr, die Realität der Schuld und auch die Akte der Schuldvergebung mit ihrer befreienden Dimension nicht wahrzunehmen. Andererseits gibt es Menschen, die sich von Schuld oder auch Skrupeln so niederdrücken lassen, daß sie den Weg zu Gott nicht finden.

Unser Vater hat uns einen anderen Weg gewiesen. Er will uns seine Barmherzigkeit verstehen lassen und macht uns den Weg leicht, zu ihm zu kommen und unsere Schuld zu bekennen. Wenn wir in Demut anerkennen, daß wir in der Liebe gefehlt haben, und dies einfach vor ihm aussprechen und bereuen, kommt er uns in seiner Liebe schon entgegen. Die katholische Kirche schenkt uns dazu das wertvolle Sakrament der Buße.

So wird die Bitte “Vergib uns unsere Schuld” zu einem inneren Weg, um einerseits unsere Herzenshärte im Herrn besser wahrzunehmen und andererseits die Vergebungsbereitschaft unseres Vaters noch mehr kennenzulernen.

Im Vaterbüchlein von Madre Eugenia lädt uns Gott Vater sehr liebevoll ein, wie wir mit unseren Fehlhaltungen umgehen können:

“Wenn Ihr durch Unwissenheit oder Schwäche in den Zustand eines bitteren Tropfens zurückfallt, dann bin ich noch immer ein Ozean der Liebe. Ich bin bereit, diesen bitteren Tropfen erneut aufzunehmen, um ihn in Barmherzigkeit und Güte umzuwandeln und aus euch Heilige zu machen, so wie ich, euer Vater, heilig bin!”