Hinführung

Wenn man sich dem Propheten Elija nähert, stößt man auf eine erstaunliche Berufung! In den Gesängen der orthodoxen Kirche erklingt der ehrenhafte Titel „Grundfeste der Propheten“! Wer ist dieser Elija und welches ist seine Mission?


Zeugnis der Hl. Schrift, altes Testament

Der Prophet Elija führt das Volk Gottes wieder zur Anerkennung Gottes zurück, überwindet den wuchernden Götzendienst in Israel und entlarvt die falschen Propheten.
Er scheut sich nicht, den regierenden König Ahab oder seinen Nachfolger Ahasija zurechtzuweisen! Durch sein Gebet „verschließt er den Himmel“ und erweckt einen toten Jüngling. Wie alle Propheten erleidet er Verfolgung. Der „Wagen Israels und sein Lenker“ stirbt keinen normalen Tod, sondern wird – laut biblischem Bericht – entrückt. Auf die Bitte seines Schülers und Nachfolgers Elischa geht sein Geist zu zwei Anteilen auf Elischa über (vgl. 1. Könige 17,18-19; 2. Könige Kap.1 und 2).

Elischas Taten zeigen deutlich die weitere Gegenwart des Geistes des großen Propheten Elija auf. Als Elischa stirbt, bezeichnet ihn Joasch, der König von Israel, genauso wie Elischa einst Elija: „Mein Vater, mein Vater, Wagen Israels und sein Lenker“! (2. Könige 13,14)

Die Heilige Schrift nennt in der Folge niemanden, der weiter in diese Nachfolge tritt und auf den der „Geist des Elija und Elischa“ kommt. So verliert sich zunächst die biblische Spur des Elija ….

Heutige Erwartungen

Mit der Person des Elija sind jedoch bis heute noch große Erwartungen verbunden. Nicht wenige aus dem Volk der gläubigen Juden nehmen an, daß Elija wiederkommen und den langersehnten Messias mit sich bringen werde. Mögen sich auch im Laufe der Zeit sowohl die Messiaserwartungen, als auch die Vorstellungen einer Wiederkunft des Propheten Elija verändert haben, so gibt es noch genügend Juden, die an der ursprünglichen Version festhalten: „Elija wird kommen und alles wiederherstellen“ und dass Elija „bereit steht für die Endzeit, um den Zorn zu beschwichtigen, bevor er entbrennt, um den Söhnen das Herz der Väter zuzuwenden und Jakobs Stämme wieder aufzurichten!“ (vgl. Maleachi 3,23 und Jesus Sirach 48,10)

Wie lebendig diese Vorstellung ist, zeigt die jüdische Feier des Sabbats, die nicht zu Ende geht, ohne dass des Elija gedacht wird. Es wird für ihn sogar ein eigener Becher auf den Tisch gestellt. Aber nicht nur während des Sabbats wird die Erinnerung an Elija aufrechterhalten. Ein sehr beredtes Beispiel einer lebendigen aktuellen Elijaerwartung durfte ich in Jerusalem erleben. Als ich vor einigen Jahren an einem Sabbat von einer erhöhten Stelle aus auf die Klagemauer schaute, um die Juden im Gebet zu erleben, hörte ich zwei israelische Soldaten miteinander sprechen. Offensichtlich unterhielten sie sich über die nach wie vor ungelöste politische Situation im Heiligen Land. Genau verstand ich jedoch, daß der eine Soldat zu dem anderen sagte: „Das wird sich erst ändern, wenn der Elija kommt!!“

Unvergessen bleibt mir auch die Begegnung mit einer jüdischen Geschäftsfrau im jüdischen Viertel Jerusalems. Als ich ihr vorgestellt wurde und sie meinen Namen (Elija) hörte, schaute sie mich an und sagte nur: „Wenn der Elija wiederkommt, braucht er eine große (unendliche?) Barmherzigkeit.“

Im Jahre 1994 besuchte ich einen heiligen Ort unweit von Damaskus. Von diesem Ort wird behauptet, daß es Stelle sei, von der aus der Prophet in den Himmel entrückt wurde. „Du wurdest im Feuersturm entrückt und in Feuermassen himmelwärts“ (nach 2 Kön 2, 11). Man zeigte mir den Abdruck der Hufe eines Pferdes im Felsen.

Wie dem auch sei! Es ist jedenfalls ein Ort an den Moslems und Christen kommen, um zu beten. Zweifellos ist der Prophet Elija eine Person, die sowohl von den Juden, den Moslems als auch von den Christen hoch geachtet wird. Die Moslems wissen von Legenden zu berichten, die sich um die Person des Elija ranken. Er, der „Immergrüne“, taucht manchmal unerwartet auf, hilft und taucht dann wieder unter!

In der christlichen Tradition kennen wir die Verehrung des Propheten Elija besonders bei den orientalischen Christen. Die „Grundfeste der Propheten, der hochheilige Elija“ wird am dem Tag seines Festes (20. Juli und andere Daten) besungen.

Aber auch in der römisch-katholischen Kirche ist er zu Hause. So betrachtet ihn z.B. der Karmelorden als seinen geistlichen Vater und manche Anachoreten sahen in ihm ein Vorbild.

Je mehr man sich mit dem biblischen Elija beschäftigt, desto mehr Türen öffnen sich.

Natürlich gäbe es noch wesentlich mehr über Elija zu sagen und ich verweise auf die ausführliche Literatur, die man über diesen Propheten finden kann.

Neues Testament

Wenn wir nun das Neue Testament betrachten, so begegnen wir sowohl der Mission des Elija, als auch der verklärten Person des Propheten.
Durch das Zeugnis des Neuen Bundes verstehen wir, daß die Person des Propheten Elija und seine Mission nicht identisch sind. Im Evangelium des Lukas heißt es in der Verheißung des Kommens des Johannes des Täufers im Vers 17 des 1. Kapitels:
„Er wird mit dem Geist und der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen, um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen.“

Matthäus 17, Vers 10-13 gibt uns folgenden Hinweis:

Da fragten die Jünger: „Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse der Elija kommen?“ Jesus gab zur Antwort: „Ja, Elija kommt und er wird alles wiederherstellen. Ich sage Euch aber: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Ebenso wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen.“ Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer sprach.

Unmittelbar zuvor durften Petrus, Johannes und Jakobus Jesus auf Tabor in einem verklärten Licht schauen. Vor ihren Augen erschien Mose und Elija und redeten mit Jesus (vgl. Matthäus 17, 1-9).

Die Aussage Jesu über Johannes den Täufer ist eindeutig. Johannes der Täufer ist nicht identisch mit der Person des Elija, der zu Gott entrückt wurde und welchen die gläubigen Juden zurzeit Jesu am Ende der Tage wiedererwarten. Die Vorstellung, die in manchen esoterischen Kreisen existiert, daß es sich bei der Person des Johannes des Täufers um den Elija, der in einer Reinkarnation wieder auf die Erde gekommen sei, handle, ist nicht haltbar. Die Idee der Reinkarnation ist in den monotheistischen Religionen nicht beheimatet! Verständlich ist jedoch, daß Johannes der Täufer der Mission des Elija diente oder anders ausgedrückt: an dieser Mission Anteil nahm, sie weiterführte.

Noch deutlicher wird es, wenn wir uns klar machen, daß die Mission des Elija nicht aus der Kraft der eigenen Person entspringt. Immer ist wahre Mission von Gott gegeben und Gottes Vergegenwärtigung im Sein und im Handeln des Propheten. So ist der Prophet Elija ein Vorläufer, Wegbereiter und Hinweis auf das Kommen Gottes in seinem Sohn Jesus, dem Messias Israels und der Völker. Mit dem Kommen des Johannes des Täufers verdichtet sich die Mission des Elija, denn Johannes wird die Aufgabe anvertraut, das Kommen des Messias nicht nur vorauszubilden, sondern seine Ankunft unmittelbar vorzubereiten. Er darf den Messias schauen und ihn als solchen in der Gnade Gottes erkennen und bekennen (Joh. 1, 29-32)!

Elemente der Mission des Elija

Ein entscheidendes Element der Mission des Elija war es, das Volk wieder zu Gott zurück zu führen und zu einer Entscheidung für Gott aufzurufen. Hier erfüllt sich schon in der Person und Sendung des Elija zeichenhaft dieses „alles wiederherstellen“ (siehe oben). Nur in der rechten Ordnung Gottes kann das Volk den Weg des Glaubens gehen und sein Ziel erreichen. Wenn das Volk Götzendienst praktiziert und auf die falschen Propheten hört, geht es in die Irre und verliert seine tiefste Identität. Elija stellt also zeichenhaft auf dem Berg Horeb die „Ordnung wieder her“ und Gott bestätigt seine Sendung.

Das Wiederherstellen von Gottes Ordnung und die Versöhnung mit Gott erkennen wir auch in der Sendung des Johannes des Täufers. Er predigt die Umkehr zu Gott und tauft zur Vergebung der Sünden, damit die Juden sich wieder mit Gott versöhnen. Nichts trennt den Menschen so sehr von Gott wie die Sünde und jede echte Versöhnung muß mit der Erkenntnis der Wahrheit und der Vergebung beginnen. Johannes als unmittelbarer Vorläufer wusste, daß die eigentliche und dauerhafte „Wiederherstellung“ durch Gott selbst und seines Messias kommen wird. Alle, die in der „Kraft des Elija“ wirkten, bereiteten das Kommen des Herrn vor. All ihre Taten, die Worte, das ganze Leben zeichneten eine noch verborgene Gegenwart des Messias, der nun nach dem Kommen Johannes des Täufers ins Licht der Geschichte tritt. Es ist nun der Messias, der Gottessohn selbst, der durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung die Menschheit mit Gott versöhnt und „alles wiederherstellt“. Dies erfahren wir durch die Verkündigung der Kirche und das Zeugnis der Heiligen Schrift.

Die Mission des Elija heute

Ist damit die Mission des Elija abgeschlossen? Gibt es noch einen Raum für die Mission des Elija oder ist diese ganz von der Kirche abgedeckt, die ja im Auftrag des Herrn die Völker zum Glauben führen möchte?

Schauen wir auf die Wiederkunft Jesu am Ende der Zeiten. Sie ist von Jesus selbst vorausgesagt und die Kirche hält an ihr fest z. B. im täglichen Gebet während der Heiligen Messe: „Deinen Tod oh Herr verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit!“ Eine heutige Mission des Elija kann demnach nicht hinter das bereits erfolgte Kommen des Messias zurückgehen. Schon der „zweite Vorläufer der Ankunft Christi“ – Johannes der Täufer – hat in Jesus Christus den Messias erkannt und bekannt. So wird in der Mission des Elija diese Wirklichkeit des bereits erfolgten Kommens des Gottes- und Menschensohnes in ihrer universalen Dimension nie geleugnet werden können. Deshalb kann kein anderer Messias verkündet werden können als Jesus Christus. Auch die Wirklichkeit der Kirche, die der fortlebende Christus und der Beginn des Reiches Gottes ist, kann seitens einer heutigen Mission des Elija nie ausgeblendet werden.

Worin kann also die heutige „Mission des Elija“ bestehen und in welchem Verhältnis steht sie zur Verkündigung der Kirche?

Die heutige Mission des Elija steht in unmittelbarem Zusammenhang der näheren Vorbereitung der Wiederkunft Christi. Sie wird von einer „heilsamen Unruhe“ erfüllt sein. Vertrauend auf die unendliche Güte des himmlischen Vaters und von einer tiefen Liebe zu ihm durchdrungen, wird die Mission des Elija nach dem Verhältnis der Christen zu Gott und nach dem Zustand der Welt fragen. Sind die Gläubigen vorbereitet auf das zweite Kommen Jesu? Wie tief ist ihr Glaube? Haben die Völker das Heil in Christus schon aufgenommen? Was hindert sie, welches sind die großen Sünden der Menschheit? Wie kann man den Völkern helfen, Christus zu finden und ihren Glauben zu vertiefen? Welche Wunden müssen geheilt und welche Verblendungen aufgelöst werden? Die heutige Mission of Elija wird universal sein und alle Völker in den Blick nehmen und wird gleichzeitig in besonderer Weise die „erste Liebe Gottes“, das Volk Israel, nicht aus dem Blick verlieren. Alle Elemente der uns bisher bekannten Sendung des Elija werden zum Tragen kommen, sich aber auf die ganze Welt erstrecken. Der Widerstand gegenüber den „heutigen Königen“, wenn sie die Gebote Gottes missachten und die Völker ungerecht behandeln, ist genauso nötig wie zu Zeiten des Elija, des Elischa oder des Johannes des Täufers. Moderne Götzen müssen im Licht der „Unterscheidung der Geister“ entlarvt werden. Ein besonderes Augenmerk wird die Mission des Elija auf das Wirken und die Identifizierung des Antichristen und des „antichristliches Geistes“ legen, der, – laut Zeugnis des Neuen Testamentes – der Wiederkunft Jesu vorausgehen wird.

Die Mission des Elija gehört wesenhaft zur Kirche und steht ihr gleichzeitig gegenüber. Das ist von ihrer prophetischen Dimension her ableitbar. Man kann dies so ausdrücken:
Im Kern der Verkündigung wird sich die Wahrheit der kirchlich-biblischen Lehre wiederfinden, denn die „prophetische Dimension“ kann sich nicht in einem grundsätzlichen Widerspruch zu der „hierarchischen Dimension“ der Kirche befinden. Gleichzeitig ist die Mission eine von Gott unmittelbar anvertraute und wendet sich an die Kirche und die Menschheit! Vielleicht hilft ein Vergleich, dies besser zu verdeutlichen: Wenn wir echte Muttergotteserscheinungen betrachten, erkennen wir dieses prophetische Element. Nichts wird von der Mutter des Herrn gelehrt, gegeben und erbeten, was im Widerspruch zur Lehre der Kirche steht. Sie erfüllt ihren Auftrag nach der unmittelbaren Weisung Gottes und wendet sich als „Mutter der Kirche“ an die Kirche und die Menschheit.
Ähnlich verhält es sich auch mit der Mission des Elija am Ende der Zeiten, nur dass es sich hier nicht um eine Erscheinung handelt, sondern Träger einer solchen Mission schwache und fehlbare Menschen sind. Eine neue Vergegenwärtigung und Verdichtung der Mission des Elija macht Kirche und die Welt auf das Nahen der Wiederkunft Christi aufmerksam und erhält von daher ihre Dynamik!

Dienst an der Mission des Elija

Welche Verbindung sehe ich für mich selbst mit der Mission des Elija?

Seit ca. 1985 trage ich den Namen Elija und seitdem beschäftigt mich auch die Person und Sendung des Elija. In meinem Leben entdecke ich die wunderbaren Führungen Gottes besonders seit meiner Bekehrung im Jahre 1977. Seit dieser Zeit führt mich der Herr einen intensiven Weg. Auf diesem Weg lag die Gründung der geistlichen Gemeinschaft Agnus Dei (1980, Deutschland), die mittlerweile in Europa, Asien, Afrika und Amerika tätig ist. Besonders zeichnet sich diese Gemeinschaft durch einen intensiven geistlichen Weg mit der dazugehörigen Kontemplation aus. Ebenso fanden ein fruchtbares Apostolat und der Dienst an den Armen Eingang in den Weg der Gemeinschaft. Eine weitere Gründung, das „Jemaelwerk“ (1994, Schweiz), ein Netzwerk für die Förderung einer „Kultur der Liebe“, erlaubt Menschen, sich zu einer größeren geistlichen Familie zusammen zu schließen, die für Gott offen ist und Werke der Liebe vollbringen will. Seit 2008 gibt es „Balta Lelija“, eine geistig-geistliche Initiative zum Widerstand gegen den wachsenden „antichristlichen Geist“, der die Gläubigen und die Menschheit bedroht!

Wenn ich dieses Wirken Gottes betrachte und auf meinem Dienst einer intensiven Glaubensverkündigung und Glaubensvertiefung schaue, entdecke ich in meinem Leben – trotz aller Schwächen und Begrenzungen – Elemente dieser Elijaberufung wieder, gerade auch im Hinblick auf die Wiederkunft des Herrn! Wie stark diese sind und wie sie sich weiter entfalten werden, überlasse ich der Beurteilung und der Führung Gottes. Jedenfalls sehe ich mich gerufen, dieser Mission des Elija zu dienen!

Website “ Elijamission“

So habe ich mich entschlossen, diese website zu eröffnen, um andere Menschen an Gottes Wegführung mit mir teilhaben zu lassen, denn Gottes Taten sollen ja nicht verborgen bleiben. Schon länger spüre ich den Impuls, ein geistlich-apostolisches Tagebuch zu schreiben, habe dies jedoch bisher nur sehr unregelmäßig getan. Diese neue Seite steht im Zusammenhang mit den anderen websites über die Gemeinschaft Agnus Dei, über das Jemaelwerk und Balta-Lelija, sowie dem Audiobereich und kurzen Videoansprachen auf www.youtube.com, Kennwort: jemaelvoice. Sie wird aber einen persönlicheren Charakter besitzen. Ich hoffe, diese Seite auch sehr rasch in englischer Sprache zu eröffnen, damit mehr Menschen an diesem Weg teilhaben können!

In diesem Sinn sei das Vorhaben Gott, unserem Vater, und der Fürsprache Mariens übergeben, denn all dies soll zu seiner Verherrlichung dienen und dem Menschen nützlich sein. So bitte ich die Leser meiner Berichte und Reflektionen und alle, die an dieser Mission Anteil nehmen, um ihr Gebet. Umgekehrt werde ich auch alle in mein Gebet einschließen.

Elija, 25. März, Fest der Verkündigung des Herrn, Litauen

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