Der Patriarch von Jerusalem und von Konstantinopel – Photo Corinna

Der Heilige Vater ist nach Rom zurückgeflogen!

Marie-Elisée und ich hatten die Gelegenheit, Papst Franziskus in Bethlehem bei einer Heiligen Messe mitzuerleben. Obwohl wir durch die Pilgerreise eigentlich zu spät kamen um noch Karten zu bekommen, öffnete sich doch ein Weg, ihn persönlich zu sehen.

Es war eine sehr würdige Feier auf dem Platz vor der Geburtskirche. Der Papst wurde herzlich von den Gläubigen begrüßt und wies in seiner Ansprache auf die Not der Kinder in der heutigen Welt hin – auch mit einem Verweis auf die Abtreibung. Wie es bei unserem Papst üblich ist, lud er zu einer Selbstreflektion ein mit der Fragestellung, wie wir uns den Kindern gegenüber verhalten.
Die anderen Ereignisse mit und um den Papst bekamen wir mehr durch Internetübertragungen mit. Da wir aber die Heiligen Stätten gut kennen, war es doch so, als wären wir dabei gewesen.

Überall hinterließ er wohl einen tiefen Eindruck auf die Menschen mit seiner Liebenswürdigkeit und Schlichtheit aus der Mitte des Glaubens heraus. Besonders beeindruckend war die Feier vor dem Heiligen Grab im Beisein des griechischen Patriarchen Bartholomäus I, der zu dieser Begegnung in Jerusalem eingeladen hatte. Rührend zu sehen, wie brüderlich sie miteinander umgingen und besonders, wie sich der griechische Patriarch um den drei Jahre älteren, manchmal etwas gebrechlich wirkenden Papst kümmerte. Von beiden Seiten kam eine klare Botschaft, daß die Ökumene ein unumkehrbarer Prozeß sei, der zu einer vollen Einheit führen soll!

Papst Franziskus führt zudem die Initiative von Papst Johannes Paul II. weiter über das Papstamt zu reflektieren. Wörtlich sagte er:

Jedes Mal, wenn wir die Zukunft der Kirche von ihrer Berufung zur Einheit her bedenken, erstrahlt das Licht des Ostermorgens! Diesbezüglich möchte ich den bereits von meinen Vorgängern ausgedrückten Wunsch erneuern, einen Dialog mit allen Brüdern in Christus zu führen, um für den besonderen Dienst des Bischofs von Rom eine Form der Ausübung zu finden, die sich seiner Sendung entsprechend einer neuen Situation öffnet und im heutigen Kontext ein von allen anerkannter Dienst der Liebe und der Gemeinschaft sein kann (vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Ut unum sint, 95-96).“

Das ist natürlich ein sehr wichtiges Thema mit dem sehr behutsam und im Licht des Heiligen Geistes umgegangen werden muß!

Was mich erfreute war zu hören, daß auch der griechische Patriarch sehr klare Worte sprach, daß man sich aufeinander zu bewegen sollte und als Ziel die gemeinsame Kommunion benannte! Wir hoffen, daß sich das positiv auf die Situation in Jerusalem auswirken wird und den Zugang zu den Griechen erleichtert. Wir selbst haben ja ein recht ungezwungenes Verhältnis mit ihnen, für das wir sehr dankbar sind.

Sehr tief war die Meditation es Heiligen Vaters in Yad Vashem! 

Mir ist besonders eines seiner Worte aufgefallen, die er nach dem Besuch an der Klagemauer zu jüdischen Rabbis sprach:

„Es geht nicht nur darum, auf einer menschlichen Ebene Beziehungen gegenseitiger Achtung zu pflegen: Als Christen und als Juden sind wir berufen, uns eingehend nach der geistlichen Bedeutung des Bandes zu fragen, das uns miteinander verknüpft. Es handelt sich um eine Verbindung, die von oben kommt, die über unseren Willen hinausgeht und die unversehrt bleibt, trotz aller Beziehungsschwierigkeiten, die es in der Geschichte leider gegeben hat. Auf katholischer Seite besteht natürlich die Absicht, den Sinn der jüdischen Wurzeln des eigenen Glaubens voll in Betracht zu ziehen. Ich vertraue darauf, dass mit Ihrer Hilfe auch auf jüdischer Seite das Interesse für die Kenntnis des Christentums erhalten bleibt und wenn möglich zunimmt – speziell bei den jungen Generationen – gerade in diesem gesegneten Land, in dem dieser Glaube seinen Ursprung erkennt. Die gegenseitige Kenntnis unseres geistlichen Erbes, die Wertschätzung dessen, was wir gemeinsam haben, und die Achtung dessen, was uns trennt, können den Weg weisen für die zukünftige Weiterentwicklung unserer Beziehungen, die wir in Gottes Hand legen. Gemeinsam können wir einen wichtigen Beitrag für die Sache des Friedens leisten; gemeinsam können wir in einer in raschem Wandel begriffenen Welt die ewige Bedeutung des göttlichen Schöpfungsplans bezeugen.“

Besonders wichtig ist für mich der Satz die Juden einzuladen, auch das christliche Erbe kennenzulernen. Das ist sehr feinsinnig und weiterführend formuliert.

Nicht zu vergessen ist, daß Papst Franziskus Präsident Abbas (Palästina) und Präsident Shimon Peres (Israel) zu einem Gebetstreffen in den Vatikan eingeladen hat, was beide angenommen haben. Das scheint mir ein weit tieferer Ansatz der göttlichen Vorsehung zu sein, um in der Frage des Friedens voranzukommen, als die letzten etwas verkrampft wirkenden Bemühungen des amerikanischen Außenministers um die Situation im Mittleren Osten.

Alles in allem ist unser erster Eindruck: es war eine fruchtbare Reise des Heiligen Vaters, die hoffentlich noch nachwirken wird. Sein Zeugnis ist beeindruckend und die Ansprachen sind bereichernd und manchmal klar wegweisend!
Elija aus Jerusalem