Nachdem die erste Zeit meines erneuten Aufenthaltes in Jerusalem mehr nach innen gewidmet war, verbunden mit einem besonderen seelsorgerischen Anliegen, öffnet sich nun das Hiersein auf die konkrete Situation in Jerusalem. Inzwischen sind Marie-Elisée und Lucia in Jerusalem angekommen und haben sich schnell eingelebt.

Ein sehr bewegendes Treffen gab es am vergangenen Samstag. Pater Bernhard zelebrierte die byzantinische Liturgie an der sechsten Station der Via Dolorosa. Diesmal waren viele Gäste gekommen und unser neu gebildeter Chor (mit Marie-Elisée und Lucia) sang sehr schön!

Von unseren neuen jüdischen Freunden, die in Rußland bzw. der Ukraine aufgewachsen sind und von dort den orthodox-christlichen Glauben mitgebracht haben, wurden mir schon zwei Wochen zuvor Fragen gestellt, die ich zu beantworten versprach!

Die eine Frage betraf eine orthodoxe Christin, Frau Vassula Ryden, die sich von Jesus beauftragt sieht, bestimmte Botschaften an die Menschen weiterzugeben, sie auf dem Weg des Glaubens zu unterstützen und sich besonders für die Ökumene einsetzt. Sie ist sehr offen für die katholische Kirche und hat eine positive Haltung zum Petrusamt. Allerdings hatte ich gerade zuvor gelesen, daß Frau Ryden von dem ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel mit einer Veröffentlichung vom 16. März 2011 exkommuniziert wurde und auch mit einer Notifikation von 1995 eine kritische Haltung seitens der katholischen Kirche erkennbar wurde, die bis heute wohl nicht grundsätzlich aufgehoben wurde. All dies machte eine Stellungnahme meinerseits nicht leichter, denn ich wollte – wie es unsere jüdisch-russisch-ukrainischen Freunde erwarteten – nicht nur die kirchliche Stellungnahme wiedergeben.

Eine erste Prüfung war die Antworten von Frau Vassula zu lesen, die sie auf Anfrage der katholischen Kongregation für die Glaubenslehre gegeben hatte. Da war bezüglich ihres Privatlebens und mancher dogmatischen Fragen Klärungen nötig.
Aus meiner Sicht hat Frau Ryden sehr gut und umfassend diese Fragen beantwortet, so daß manches aus ihren Schriften, was zu Missverständnissen geführt hatte, geklärt wurde. Außerdem las ich Auszüge aus ihren Schriften in denen mir eine durchaus bekannte Art der Mitteilung seitens Gottes entgegenkam. Auch vertreten manche orthodoxe Priester, die in den Büchern von Frau Vassula zu Wort kommen, einen anderen Standpunkt als den des ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel.

Natürlich war es viel zu früh zu einem Ergebnis meinerseits zu kommen, da ich nur ein Buch von Frau Vassula auszugsweise las. Ich teilte unseren Freunden mit, daß ich bisher noch nichts „Verdächtiges“ in den Schriften festgestellt habe, aber man in einem solchen Fall besonders behutsam mit der ganzen Situation umgehen müsse. Damit waren sie einverstanden und das Kapitel wird sicher weitergeführt werden.

Die zweite Frage war, wie man unser Zusammentreffen weiterführen und wie es fruchtbar für Jerusalem werden könne. Ich machte ihnen den Vorschlag, daß wir am 30. Mai gerade diese Frage in einer gemeinsamen Wiederkunftsliturgie (gesungene Apokalypse des Johannes) zum Herrn tragen könnten und die Intention der Einheit zwischen Katholiken und orthodoxen Christen mit hineinlegen!

Nun kommt weitere Arbeit auf mich zu. Auch möchte ich den Schwestern hier mit manchen Unterweisungen dienen, den Abbafilm nun möglichst in Englisch erstellen, vielleicht auch in italienisch, das Ecuadorgebet weiter verbreiten usw. Und am Ende des Monats kommen 34 Ecuatorianer zu Pilgerexerzitien.